Die geplante Verlängerung der Autobahn 14 in Richtung Norden wird von den Anwohnern aus Wolmirstedt, Mose, Colbitz und Lindhorst überwiegend kritisch gesehen. Hauptärgernis ist der bisher in den Planungen nicht vorgesehene Schallschutz für die nahe der geplanten Trasse wohnenden Bürger.

Landkreis Börde. " Wir sind aus allen Richtungen vom Lärm eingekesselt ", erklärt Moses Ortsbürgermeisterin Helga Steinig. Im Süden verläuft die Ortsumgehung von Wolmirstedt, im Osten die Bundesstraße 189 Richtung Stendal. Kommt die A 14-Nordverlängerung so wie geplant, verläuft sie künftig westlich und nördlich des Ortsteils.

In Mose existiert eine Bürgerinitiative ( BI ), in der sich auch Vertreter der Baltzersiedlung nahe Colbitz engagieren. " Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Autobahn ", erklärt BI-Vorsitzender Raik Wirthgen, " das wäre ein Kampf gegen Windmühlen. Aber wir wollen unbedingt, dass für die betroffenen Anwohner Schallschutzmaßnahmen getroffen werden, was bisher in den Planungen nicht vorgesehen ist. " Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens hatten die BI, einzelne betroffene Bürger sowie die Stadt Wolmirstedt Einwendungen beim Landesverwaltungsamt in Halle abgegeben und darin ihre Bedenken zu den Plänen geäußert.

" Insgesamt sind 75 Einwendungen zum Abschnitt VKE 1. 2 der A 14 bei uns eingegangen ", erklärt Gabriele Staedter von der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes. Der genannte Abschnitt " VKE 1. 2 " bezeichnet die geplante Anschlussstelle Wolmirstedt bis zur B 189 nördlich von Colbitz. Derzeit würde man die Einwendungen bearbeiten, ein genaues Datum für den Erörterungstermin, zu dem alle Einsender von Einwendungen eingeladen werden, stünde allerdings noch nicht fest. " Als wir vor Jahren unsere Einwendungen zum Raumordnungsverfahren abgegeben haben, wurden alle von den Bürgern unterschriebenen Formblätter zu einer Einwendung zusammengefasst, weil der gleichlautende Text darauf stand. Wir befürchten, dass das diesmal wieder so ist. Nach der Bürgerinformationsversammlung haben wir den Mosern, die keinen eigenen Brief verfassen wollten oder konnten, Formblätter in den Briefkasten gesteckt, die dann unterschrieben und nach Halle geschickt wurden. Um die Zahl der Einwendungen zu erhöhen, haben wir als BI aber eine eigene verfasst ", erzählt Helga Steinig.

Die Bürgerinitiative führt in ihrem Schreiben mögliche physische und psychische Schädigungen für Einwohner an, die durch die Nähe zur geplanten Trasse entstehen könnten. Außerdem weisen sie auf " Wertminderung der betroffenen Grundstücke und Einbußen in der Lebensqualität durch permanente Verlärmung und Schadstoffbelastungen " hin.

" Es sind nur 500 bis 700 Meter Entfernung zur geplanten Auf- und Abfahrt Wolmirstedt ", weiß BI-Vorsitzender Raik Wirthgen. " Wir haben also ein Recht auf Schallschutz. "

Es ist zwar vorrangig die zu erwartende Lärmbelastung, dennoch gibt es weitere Folgen des Autobahnbaus, die nicht nur den Bürgern in Mose Sorgen bereiten. Denn die jetzigen Planungen für die Nordverlängerung beginnen unweit des Ortsausganges. Dort soll mit dem Bau der Anschlussstelle begonnen und die Bundesstraße 189 als Zubringer genutzt werden. Eine Horrorvorstellung für Anwohner und Verkehrsteilnehmer.

" Nach der Abfahrt Wolmirstedt Nord führt die B 189 zweispurig bis Mose. Wenn dort die Ampel auf Rot steht, haben wir schon jetzt zu Stoßzeiten einen langen Rückstau. Kommen noch die Fahrzeuge dazu, die hinter Mose auf die Autobahn wollen, ist das Stauende gar nicht mehr abzusehen ", blickt die Ortsbürgermeisterin in die Zukunft. Neben dem Pkw-Verkehr gebe es schließlich auch zahlreiche landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge und Lkw von Firmen der umliegenden Ortschaften, die mit massiven Einschränkungen und Zeitverlusten rechnen müssten.

" Außerdem betrifft das den Schulbusverkehr. Die Busse fahren von 4. 51 bis 20. 28 Uhr im Halbstundentakt, bringen Kinder zur Schule und die älteren Bürger zum Einkaufen nach Wolmirstedt. Ich glaube kaum, dass sich das ein Verkehrsverbund antut, diesen Stau in Kauf zu nehmen ", befürchtet Helga Steinig. " Vor allem, weil die Busse ja auch noch in die Ortschaft hinein fahren und als Linksabbieger an der Ampel den Gegenverkehr abwarten müssen. "

" Wenn man die Planungsunterlagen betrachtet, dann fällt auf, dass die Folgen für Mose während der geplanten Bauzeit der Anschlussstelle einfach nicht berücksichtigt wurden, obwohl wir und die angrenzenden Orte direkt betroffen sind ", bilanziert Raik Wirthgen. Momentan bleibe der BI allerdings nichts weiter, als die Reaktionen des Landesverwaltungsamtes abzuwarten und dann zu handeln, sobald von dort ein Erörterungstermin anberaumt wurde. Bis dahin können die betroffenen Anwohner noch die Ruhe genießen. Die Ruhe vor dem Sturm.

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