Im Schulbus-Test hat der ADAC der Busline 610 zwischen Niederndodeleben und Wolmirstedt das Prädikat " ausreichend " verpasst. Bemängelt haben die Experten beispielsweise, dass es nicht genügend Haltegriffe gibt und dass die Fahrer zum Teil deutlich schneller unterwegs gewesen sein sollen als erlaubt. Die Volksstimme hat sich selbst einmal auf Testfahrt begeben.

Wolmirstedt. 6. 25 Uhr, Haltestelle Niederndodeleben / Bahnhof. Rund 30 Schüler bilden eine Traube an der Eingangstür zu Bus 610. Die Mädchen und Jungen halten ihre Fahrausweise bereit, die sie gleich dem Mann hinterm Lenkrad vorzeigen werden. Heute wird sie Jens Edmond nach Wolmirstedt zur Schule fahren. Zügig steigen die Schüler ein – ohne zu drängeln. Dann hastet noch eine Nachzüglerin herbei. " Da haben sie aber Glück gehabt ", sagt der Busfahrer freundlich, bevor er ihr das Ticket aushändigt. Kurz darauf, gegen 6. 32 Uhr, verlässt der Dreiachser die Haltestelle in Richtung Wolmirstedt.

" Der Busfahrer muss

für Ordnung und

Sicherheit sorgen "

Auch Tester des ADAC waren an einem Tag zwischen November vergangenen und Februar dieses Jahres ( das genaue Datum bleibt geheim ) mit der Linie 610 der OhreBus Verkehrsgesellschaft unterwegs – sind einmal hin- und dann wieder zurückgefahren. Ihr Ziel : Die Bewertung der Strecke für den hausinternen Schulbus-Check. Überprüft haben sie beispielsweise die Fahrweise des Busfahrers, das Verhalten der Passagiere und die Transportbedingungen. Zudem hatten ADAC-Sachverständige den Zustand des Fahrzeuges im Rahmen einer Polizeikontrolle untersucht. Mit dem Gesamturteil " ausreichend " erreichte Bus-Service 610 nur mittelmäßige Qualität – wie ein Drittel aller getesteten Strecken. Insgesamt hatte der Automobilclub in zwölf Bundesländern 36 Linien unter die Lupe genommen. Ein weiteres Drittel bekam die Note " gut bis sehr gut ", der Rest " mangelhaft ". Komplett durchgefallen (" sehr mangelhaft ") ist keine Linie.

Negativ aufgefallen war den Testern bei der Fahrt mit der 610, dass die Schüler bei der Hinfahrt auf den Treppenstufen standen – allerdings nicht wegen Platzmangels, denn als Pluspunkt werteten sie, dass der Bus nicht überfüllt war. " Der Busfahrer hat das Hausrecht und muss für Ordnung und Sicherheit sorgen ", erklärt ADAC-Mitarbeiterin Jolanta Guesdon und ergänzt : " Er hätte die Kinder darauf hinweisen müssen, dass sie da nicht stehen dürfen. "

Bei der Testfahrt der Volksstimme hatten nicht alle Passagiere einen Sitzplatz abgekommen. Rein rechnerisch geht das auch gar nicht. Denn pro Fahrt befördert der Bus rund 70 Schüler, es gibt aber nur 48 Sitze. Da müssen sich besonders jene, die erst im Laufe der Fahrt einsteigen, mit einem Stehplatz begnügen – so wie der 15-jährige Rudi Zacharias aus Dahlenwarsleben. Miguel Föhlinger geht es nicht anders, er steigt mit Klassenkameraden auf der Hinfahrt nach Wolmirstedt allerdings erst drei Stationen nach dem Start ein. Da aber die wenigen noch freien Sitze mit Rucksäcken blockiert werden, " steigen wir gleich hinten ein und setzten uns auf die Stufen ", berichtet er.

" Grundsätzlich sind

wir bereit, aus

Fehlern zu lernen "

" Wir arbeiten bei der Kapazitätenberechnung mit dem Zahlen vom Schulamt ", erklärt Dorita Schuster, Geschäftsführerin von OhreBus. Für das laufende Schuljahr habe man mit einer Schülerzahl von 74 kalkuliert, was genau der Anzahl der Stehplätze entspricht. Dass Schüler stehen müssen, werde in Kauf genommen. Schließlich gebe es keinen Rechtsanspruch auf einen Sitzplatz.

Die größten Abzüge gab es im Test für die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit, die auf der Hinfahrt zwischen 10 und 20 km / h betragen haben soll. Gemessen haben die Prüfer alle 50 Meter mit einem GPS-Gerät, weshalb die Ergebnisse nur Durchschnittswerte sind, erklärt Guesdon.

" Die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit ist ein wesentliches Kriterium. Normalerweise wird da eine Geldstrafe fällig ", betont sie. Der Geschäftsführerin von OhreBus, Dorita Schuster, fällt es schwer, mögliche Fehler der Fahrer einzuräumen, denn sie wisse nicht, wie die Tester zu dem Ergebnis gekommen sind. " Wir haben versucht, Messprotokolle zu bekommen, aber ohne Erfolg. " Nichtsdestotrotz habe man alle Fahrer noch einmal belehrt, die Straßenverkehrsordnung einzuhalten. Obwohl Jens Edmond am Morgen des Volksstimme-Tests zusehends an Zeit verlor, hatte er nicht extra aufs Gaspedal gedrückt. Dass die Fahrer regelmäßig rasen, können die Schüler nicht bestätigen.

Wird von der Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit abgesehen, was der Linie in der Kategorie " Busfahrer " die Note " sehr mangelhaft " einbrachte, hat der ADAC den Service mit " gut " bewertet – sowohl was die Haltestellen, die Transportbedingungen als auch das Schülerverhalten sowie den Zustand des Fahrzeugs betrifft. " Es ist schon schade, dass uns die angebliche Geschwindigkeitsüberschreitung so geschadet hat, wir deshalb so in der Kritik stehen ", bedauert Dorita Schuster. " Doch grundsätzlich sind wir bereit, aus Fehlern zu lernen. "