Auch wenn Wolmirstedt in diesen Tagen und Wochen seine erste urkundliche Erwähnung vor 1000 Jahren feiert, die Ohrstadt im Bereich des Schlossberges war schon vor über 5000 Jahren von Menschen besiedelt. Das brachten archäologische Grabungen zwischen 1988 und 2007 ans Tageslicht, deren Ergebnisse seit gestern in Heft 6 der Reihe " Kleine Hefte zur Archäologie Sachsen-Anhalts " nachzulesen sind.

Wolmirstedt. Seit gestern ist es absolute Gewissheit : Wolmirstedt ist älter als 1000 Jahre. Wie Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander dennoch versicherte, muss die Geschichte dieser altehrwürdigen Ohrestadt nicht neu geschrieben werden. " Denn es bleibt eine unumstößliche Tatsache, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1009. Wir haben also allen Grund, ausgelassen die 1000 Jahr-Feier zu begehen. "

Was aber Wissenschaftler des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle / Saale in akribischer Arbeit herausgefunden haben ist, dass sich die ersten Menschen bereits vor 5000 Jahren, also in der so genannten Jungsteinzeit, auf dem Schlossberg angesiedelt hatten.

Diese geschichtliche Wahrheit fanden Archäologen bei umfangreichen Grabungen am Schlossberg in den Jahren zwischen 1988 und 2007 heraus. Was im so genannten " Domänenheft ", einer Broschüre aus der Reihe " Kleine Hefte zur Archäologie in Sachsen-Anhalt " nachzulesen ist. Diese gibt es seit gestern im Museum zum Preis von 3, 50 Euro zu kaufen. Auf den Weg gebracht hatten diese Broschüre vor zweieinhalb Jahren Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander und Ortschronist Otto Zeitke, nicht zuletzt mit dem Blick auf die 1000-Jahr-Feier von Wolmirstedt.

Anlässlich der Präsentation erinnerte der Bürgermeister gestern Vormittag daran, dass die Zeit reif war, die Geschichte des Schlossberges auch für die interessierten Wolmirstedter Bürger wissenschaftlich aufzubereiten. Und weil die Broschüre viel mit Geschichte zu tun hat, sah sich der Förderverein in der Pflicht und übernahm die Druckkosten in Höhe von 2500 Euro.

Einen Abriss des Inhaltes der Broschüre gab Dr. Rosemarie Leineweber vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Die Referatsleiterin für Bodendenkmalpflege verwies zunächst auf die geografische und historische Bedeutung des Schlossberges von Wolmirstedt und gab dann eine zeitliche Abfolge der Grabungen. So erinnerte sie an die archäologischen Untersuchungen im Bereich der Unterburg. Dort, wo die ersten vorgeschichtlichen Funde gemacht wurden, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Als sehr bedeutsam hob die Wissenschaftlerin den bei Grabungen im Jahr 2004 entdeckten Friedhof hervor. Insgesamt 85 gesicherte Gräber aus dem 12. bis 14. Jahrhundert konnten dokumentiert werden.

Die wissenschaftlichen Beiträge in dieser Broschüre reichen bis ins 19. Jahrhundert. " Wofür den Autoren ", so abschließend Dr. Veit Dresely, Abteilungsleiter Bodendenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, " großes Lob gilt. "