Nach einem Überfall mutmaßlich rechter Schläger am Himmelfahrtstag auf den Jugendklub Alleringersleben ermittelt die Polizei derzeit sowohl gegen die Schläger als auch gegen eigene Beamte. Jugendliche des Klubs werfen den Einsatzbeamten vor, nicht reagiert zu haben, als die Schläger vor ihnen den Hitlergruß gezeigt hätten.

Landkreis Börde. Die Vorwürfe von Jugendlichen aus Alleringersleben gegen Beamte des Polizeireviers Haldensleben wiegen schwer : Himmelfahrtstag, später Nachmittag. Einige Alleringersleber Jugendliche feiern im örtlichen Klub, als eine Gruppe, die die Jugendlichen als Nazis aus dem Ort bezeichnen, die Feier stören. Die Täter randalieren und schlagen auf Feiernde ein. Als die Polizei eintrifft, zeigen die Schläger, die auch mit Reichsflagge unterwegs gewesen sein sollen, den Beamten noch den Hitlergruß. Doch die Polizisten reagieren darauf nicht. Auch in der offiziellen Presseerklärung vom Himmelfahrtstag ist lediglich von einer Schlägerei mit drei Verletzten im Alleringersleber Jugendklub die Rede – von Rechtsradikalen kein Wort. Mit diesen schweren Vorwürfen sieht sich die Polizei derzeit konfrontiert.

Man nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte Günter Romanowsky, Dezernatsleiter Einsatz bei der Polizeidirektion ( PD ) Sachsen-Anhalt Nord, gestern im Volksstimme-Gespräch. Die PD in Magdeburg habe die Prüfung des Vorfalles und der Vorwürfe übernommen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe seien dahingehend Ermittlungen in Alleringersleben im Umfeld des Jugendklubs aufgenommen und Zeugen befragt worden. " Bis heute sind noch nicht alle Zeugen vernommen ", erklärte Günter Romanowsky gestern Abend. Ermittelt werde in alle Richtungen. Auch die Beamten, die am Himmelfahrtstag vor Ort waren, würden befragt.

" Sehr vitales Interesse an der Aufklärung "

" Wir haben ein sehr vitales Interesse daran, dass dieser Vorgang aufgeklärt wird. Die Straftaten der Körperverletzung und des Zeigens des Hitlergrußes müssen aufgeklärt werden. Wir prüfen natürlich auch, wie sich unsere Beamten verhalten haben ", machte Romanowsky gestern deutlich. Derzeit könne aber dazu noch nichts abschließend gesagt werden, da die Ermittlungen noch laufen würden.

Auch politisch hat der Vorfall bereits weitere Kreise gezogen. Gudrun Tiedge und Heinrich Enkelmann, beide Kreistagsmitglieder der Partei Die Linke, stellten gestern Nachmittag im Kreisausschuss eine offizielle Anfrage an Landrat Thomas Webel. Beide wollten wissen, wie weit der Ermittlungsstand in der Angelegenheit sei. Webel indes ist dafür nicht der richtige Adressat. Er versprach jedoch, dass die Kreisverwaltung den Vorgang aufnehmen werde. " Im Bereich des Jugendamtes ist das bereits angekommen ", sagte Webel, ohne gestern konkreter werden zu können.

Derweil fordert der Kreisverband Börde der Linken eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls, erklärte der Kreisvorsitzende Klaus Czernitzki gestern. Er kündigte zugleich eine Anfrage an die Landesregierung von Sachsen-Anhalt an.