Littleton, Eching, Minnesota, Emsdetten, Erfurt und nun Winnenden – warum ? Trotz unserer Recherchen erscheint in unserem wohligen Schulalltag ein Amoklauf unvorstellbar.

Allein die bekanntesten Amokläufe forderten bisher über ca. 100 Menschenleben. In Deutschland waren es 36. Mit dem Amoklauf in Winnenden wurden plötzlich alle anderen SchmaZ-Themen uninteressant für uns. So führten wir ein Gespräch mit unserem Schulleiter, dem wir viele interessante Informationen und Meinungen entnahmen.

Erschreckend war für uns schon die erste Äußerung unseres Schulleiters, in der er sich auf eine Aussage eines Polizisten bezog : " Zirka 10 000 Jugendliche in Deutschland entsprechen dem Prof l eines Amokläufers. " Wir recherchierten, um dieses Profil für uns greifbar zu machen :

Bei den Tätern handelte es sich immer um Jungs, meist zwischen 15- und 17 Jahren. Sie hatten oftmals einen schlechten bzw. gar keinen Kontakt zu Mädchen.

Für die Tatsache, dass es immer Jungs waren, gibt es eine Erklärung, denn Jungs neigen eher dazu, Konflikte konfrontativ zu lösen, während Mädchen Konfikte eher kooperativ angehen. " Amokläufer stehen immer mit Ego-Shootern in Verbindung und kommen leicht an Waffen ", äußerte sich unser Schulleiter. Er verdeutlichte : " Nicht jeder Ego-Shooter ist ein Amokläufer, aber jeder Amokläufer ist ein Ego-Shooter. " Es können Außenseiter sein, die beispielsweise persönliche bzw. familiäre Probleme haben. Es sind meist Opfer von Mobbing bzw. Ausgrenzungen durch Mitschüler.

Amokläufe fanden bisher immer nur an großen Schulen mit 1000 bis 2000 Schülern und mit großen Klassen statt, da dort die Täter die Chance haben, sich zu verkriechen. Tatsache ist, dass die Täter den Umgang mit Schusswaffen früh erlernten.

Es werden in Deutschland etwa 30 Millionen Schusswaffen im Umlauf geschätzt. Dies bedeutet, dass im Durchschnitt, wenn man Minderjährige und die älteren Menschen herausrechnet, ungefähr jeder zweite Deutsche eine Schusswaffe besitzt. Da stellt sich uns die Frage : " Warum gibt es eine zentrale Datei für Handygespräche, aber keine für Schusswaffen ?"

Es animieren oftmals Gewaltfantasien, die zum Beispiel durch Ego-Shooter erzeugt werden. Im Laufe des Gespräches und der Recherchen stellten wir uns einige Fragen : In Deutschland muss man sogar einen Antrag stellen, wenn man einen Gartenzaun bauen möchte, doch wenn ich die Waffe meines Großvaters im Schrank finde, beanspruche ich diese als Erbstück und benötige nicht einmal einen Waffenschein. Wie kann so etwas sein ? Wir fnden, dass die Politiker in dieser Hinsicht sehr unehrlich sind, denn alle schimpfen auf die Ego-Shooter, doch niemand ist für eine Verschärfung des Waffengesetzes. Würden die Politiker einen Teil ihrer Wählerschaft verlieren ? Dreißig Millionen Schusswaffen sind auch einige Millionen Wähler.

Anhand der Darstellungen des Psychologen Matthias Reinschmidt ergeben sich aus unserer Sicht Möglichkeiten, um Amokläufen entgegenzuwirken. Man kann sich die Entwicklung zu einem Amokläufer in Stadien vorstellen :

Erstes Stadium : Die Ausgrenzung und der Aufbau einer inneren Schutzwand für Aggressionen. Zweites Stadium : Beschäftigung mit Ego-Shootern über lange Zeiträume. Drittes Stadium : Abwendung von Hobbys und völlige Abschottung zur Außenwelt : Ego-Shooter als einzige Beschäftigung. Viertes Stadium : Training mit Waffen. Fünftes Stadium : Bildung von Gewaltfantasien. Sechstes Stadium : Ankündigung bzw. Andeutung gegenüber Freunden. Siebentes Stadium : Explosion der inneren Schutzwand, welche jahrelang alle Aggressionen aufgestaut hatte – und schließlich Amoklauf. Vor der Tat sendet der Täter meist einen Hilferuf aus : Andeutungen bzw. Ankündigung der Tat vor Mitschülern bzw. Freunden. Für uns wirkt es wie eine Art Hilferuf, der sagen will : " Haltet mich auf, falls sich noch irgend jemand für mich interessiert !" Ein Amoklauf hat etwas Demonstratives, denn der Täter will der ganzen Welt zeigen : " Ihr könnt das nicht mit mir machen und ihr habt mich vollkommen falsch eingeschätzt !" Eines steht für uns fest : Ein Amoklauf löst keine Probleme, doch wir können helfen, Problemen vorzubeugen, sie zu erkennen und sie zu minimieren.