Seit dem 18. August 1991 hat die Stadt Wolmirstedt ein eigenes Archiv. Zuerst in einem Keller in der Schwimmbadstraße untergebracht, wechselte es in die Fabrikstraße und dann unter das Dach des neuen Rathauses. Eine Auswahl der Archivalien wird jetzt in einer Ausstellung im Museum gezeigt. Zur Eröffnung überreichte Gerhard Thiede noch ein ganz besonderes Dokument der Zeitgeschichte.

Wolmirstedt. Noch bis in die Mittagsstunden hatten Archivarin Karin Bomm und Museumsleiterin Anette Pilz geschuftet, damit zur Eröffnung der Ausstellung " Archivalien zur Stadtgeschichte – eine Auswahl aus fünf Jahrhunderten " am Mittwoch die wertvollen Dokumente alle ins rechte Licht gerückt waren.

Die tägliche Arbeit der beiden Frauen wies aber schon vor der Ausstellung viele Gemeinsamkeiten auf. " Das Museum sammelt, bewahrt, erforscht – das Archiv erfasst, erschließt, erhält, wertet aus und macht zugänglich ", zog Anette Pilz in ihrer Ansprache Parallelen. Gerade so kurz vor der 1000-Jahr-Feier wollte man eine Auswahl der zahlreichen Dokumente öffentlich machen. Da sich das Rathaus als Ausstellungsort nicht eignet – weil viele Besucher gerade am Wochenende kommen und die Verwaltung dann geschlossen ist – fel die Wahl auf das Museum. Dort liegen und hängen jetzt in Vitrinen und Rahmen wichtige Ausstellungsstücke aus der Stadtgeschichte. " Zu den Beständen des Archivs zählen 1592 Akten des historischen Bestandes aus den Jahren 1270 bis 1936, 820 Akten aus der Zeit von 1721 bis 1945 sowie 4845 Akten ab dem Jahr 1945 ", zählte die Museumsleiterin auf. Klar, dass die Auswahl der Stücke für die Ausstellung keine leichte war. Und auch die Vorbereitung der Ausstellung erforderte besondere Vorsicht. " Die Akten auf Pergament sind relativ unverwüstlich, während die mit Papier, das maschinell hergestellt wurde, mit Vorsicht zu behandeln sind ", wusste Karin Bomm zu berichten.

Ein wichtiges Dokument der Stadtgeschichte erhielt sie am Mittwoch von Gerhard Thiede. Im Nachlass seines Vaters Günther fand der Wolmirstedter ein Protokollbuch vom Magistrat der Stadt aus dem Zeitraum vom August 1932 bis März 1934. " Endlich haben wir es im Original ", freute sich Bürgermeister Dr. Hans-J ürgen Zander über das Dokument, das nun im Archiv seinen Platz f ndet.

Auf den vergilbten Seiten ist auch ein Beschluss vom 20. April 1933 zu fnden, der 2007 für Aufregung gesorgt hatte und nochmals symbolisch aufgehoben wurde : Die Ernennung Adolf Hitlers zum Wolmirstedter Ehrenbürger. Mit der Übergabe des Buches wandern die Protokolle nun zu den Akten.

Wer sich die Ausstellung der Archivalien anschauen möchte, kann das bis nach der 1000-Jahr-Feier zu den Öffnungszeiten des Museums ( dienstags bis freitags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr ) tun.

An einer Ausstellungswand hängt übrigens ein Beschluss, der gut zu den aktuellen Feiertagen passt : 1946 erhielten die Wolmirstedter Bürger extra zum Osterfest eine Sonderzuteilung an Mehl, Eiern, Quark oder Käse …