Ein Versuchsfeld für gentechnisch veränderten Mais (" Gen-Mais ") ist für eine Ackerfläche direkt an der B 1 in der Gemarkung Mammendorf beantragt. Antragsteller ist der Saatgutkonzern Syngenta, einer der drei größten seiner Art weltweit. Der Mammendorfer Besitzer der Ackerfläche steht hinter dem Projekt. Die Imker schlagen Alarm.

Mammendorf / Eichenbarleben. An verschiedenen Standorten beabsichtigt Syngenta deutschlandweit von 2009 bis 2012 so genannte Freisetzungsversuche mit dem gegen Herbizide toleranten Mais der Sorte " Event GA 21 ". Das Herbizid ( Unkrautbekämpfungsmittel ) Glyphosphat führt bei allen Kultur- und Unkrautpf anzen, die nicht gentechnisch modifiziert sind, zum Absterben durch die Hemmung der pflanzlichen Biosynthese, schreibt Syngenta in seinem Antrag.

Mammendorf ist einer von drei Standorten für die Feldversuche 2009. Diese drei Versuchsflächen sollen maximal 12 000 Quadratmeter groß sein. Das Versuchsfeld soll laut Angaben von Syngenta mit einem Mantel vier Reihen mit gentechnisch nicht verändertem Mais umschlossen werden. Zu den angrenzenden Äckern soll ein " Isolationsabstand " von 200 Metern eingehalten werden. Somit soll auch der Pollenflug auf Nachbarfelder vermieden werden. Die Versuchsfäche wird entsprechend den gesetzlichen Auflagen gekennzeichnet. Syngenta-Personal oder von ihr beauftragte Repräsentanten sollen die Beprobung und Ernte des Gen-Mais ‘ durchführen. Das verbliebene Probe- und Erntematerial wird gehäckselt und abgefahren und zur Bioenergiegewinnung genutzt.

" Kein Versuchsmaterial kann somit in die Nahrungs- oder Futtermittelkette gelangen ", erklärt Syngenta in den Antragsunterlagen. In der Auswertung der erfolgten Umweltverträglichkeitsprüfung heißt es dann aber vorsichtiger : " Eine unbeabsichtigte Verbreitung von GA 21 Mais ist relativ unwahrscheinlich ".

Zeilen später heißt es : " Keine der Gensequenzen ( ... ) sind als pathogen ( krankheitsauslösend – Anmerkung d. Red. ) auf Mensch, Tier und Naturhaushalt bekannt. " Und weitere Zeilen später : " Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass durch die gentechnische Modifikation in GA 21 keine voraussehbaren nachteiligen Effekte auf Mensch, Tier und Naturhaushalt zu erkennen sind. "

Eric Krull, Landwirt im Nebenerwerb und Leiter der Pflanzenproduktion beim Niederndodeleber Landwirtschaftsunternehmen Agrobördegrün, ist Besitzer der Versuchsfeldes. Er bestätigte die Versuche auf seinem Acker : " Warum sollte ich das bestreiten. Wäre ich nicht für das Versuchsfeld, würde ich auch nicht meinen Acker dafür zur Verfügung stellen. Genveränderte Pflanzen sind meiner Überzeugung nach die Zukunft. Bereits heute werden weltweit auf zehn Prozent der Anbauf ächen genveränderte Pflanzen angebaut. Angesichts des Bevölkerungswachstums und aufgrund der immer weniger werdenden landwirtschaftlichen Anbaufächen wird man um die Gentechnologie nicht mehr lange einen Bogen machen können. Ich weiß, dass es dazu in der Bevölkerung unterschiedliche Auffassungen und Vorurteile gibt. Aber wer sich einmal intensiv mit der Problematik befasst, wird nicht an dieser Zukunftstechnologie vorbeikommen. "

Honig enthält schon genveränderte Pollen

Zu den Befürchtungen der Imker sagte Krull : " Schon heute sind in 40 Prozent des Honigs, der in jedem Supermarkt zu kaufen ist, Pollen genveränderter Pflanzen nachgewiesen. Im Supermarkt sind in 80 Prozent der Lebensmittel gentechnisch veränderte Bestandteile in irgendeiner Form enthalten. Allen Kritikern kann ich nur empfehlen, sich mit der Materie zu befassen, bevor diese Technologie verteufelt wird. Früher wurden Pflanzen doch auch gekreuzt, heute verändert man ein einziges Gen. Ich kann diese Aufregung nicht verstehen. "

Aufgeregt haben sich aber einige Imker. Zwei von ihnen, der frühere Schackensleber Bürgermeister Rudolf Fuhrmann und sein Mammendorfer Imkerkollege, Bernd Böhme, haben eine deutliche Stellungnahme im Verwaltungsamt Hohe Börde abgegeben. Darin heißt es unter anderem : " Honig, der Blütenpollen gentechnisch veränderten Maises enthält, darf nicht verkauft werden, da gentechnisch veränderter Mais keine Zulassung als Lebensmittel hat. Gibt es keine Bienen mehr im Umfeld der Felder führt das anstatt zu gentechnisch freien Zonen zu bienenleeren Landschaften. Ein Bestäubungsnotstand ist die Folge. "

Die beiden Imker verwiesen auf die Imkerfachpresse. Darin fordern die Imker das kritische Hinterfragen der Mindestabstände, zudem würden Imker nicht von der Haftung für ihre Produkte in Folge des Eintrags von Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen befreit. Und : " Bienen werden nicht in einer Voliere gehalten. Landwirtschaftspolitik ist immer auch Imkerpolitik. "

Der Alltertaler Bienenzüchter Bodo Baron von Schilling befürchtet, dass ohnehin alles zu spät sein könnte : " Imker, die behaupten, ihr Honig sei 100 Prozent genfrei, lügen. Dafür ist es leider viel zu weit gedungen. Die Landwirte füttern ihre Kühe mit genverändertem Soja aus Süd- und Nordamerika, deren Fladen landen auf unseren Feldern. Das ist doch schon alles in der Welt. "

Dennoch, so forderte Baron von Schilling gerade erst in der vergangenen Woche in der Volksstimme, müsse der unmittelbare Anbau von genveränderten Pflanzen im Landkreis Börde unbedingt verhindert werden.