" Börde Perle ", lautet der Titel unserer Serie, in der wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, interessante Ziele, touristische Perlen vorstellen, die für viele Bewohner im neuen, nun größeren Landkreis bisher eher im Verborgenen glänzten. Heute : das Grenzdenkmal in Hötensleben.

Hötensleben. Nicht jedem im Dorf gefel damals vor gut 20 Jahren die Idee, das Bollwerk am Ortsausgang in Richtung Westen als Mahn- und Denkmal für die Nachwelt zu erhalten. Und auch heute noch gibt es in Hötensleben und Umgebung die Kritiker, denen es lieber gewesen wäre, die Überreste der DDR-( Ein ) Sperranlagen hätten Bekanntschaft mit dem Abrissbagger gemacht.

Es kam anders ; die Bewahrer, insbesondere in Form des Grenzdenkmalvereins, setzten sich durch – und haben damit aus heutiger Sicht einen echten Glücksgriff getan. Denn die 6, 5 Hektar große Anlage ist inzwischen der noch einzige authentische und fast vollständig erhaltene Mauerabschnitt bundesweit, wie es der Grenzdenkmalverein nicht ganz ohne Stolz gern kommuniziert. " Das ist einzigartig in Deutschland und somit auch der Welt. Allein schon von diesem Aspekt heraus ist es unerlässlich, dass wir das Denkmal erhalten ", meint Vereinssprecher René Müller.

Auf einer Länge von 350 Meter kann man den Grenzstreifen erkunden. Es werden alle militärisch wichtigen Elemente der Anlage gezeigt. Das Unmenschliche dieses Blockadesystems, aber auch der Perfektionismus, der ihm innewohnt, werden am besten bei einer Führung deutlich. Dafür stehen unter anderem Mitglieder des Grenzdenkmalvereins nach Voranmeldung zur Verfügung.

Eine Besonderheit des Hötensleber Grenzstreifens ist dessen Lage unmittelbar an der Ortsbebauung. Die Todeszone hatte manch Hötensleber im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür. Diese räumliche Nähe zwischen Grenze und Volk führte dazu, dass die Staatsoberen zu einigen speziellen Maßnahmen greifen mussten. Dieser Abschnitt des Schutzstreifens wurde etwa durch eine zusätzliche Sichtblendmauer, zwei Lichttrassen und Panzerhöcker verstärkt. Es wurde eine massive Mauer, kein Grenzzaun gezogen, und geringere Abstände der Beobachtungstürme sollten ein Höchstmaß an Kontrolle gewährleisten.

So stecken hinter Beton, Stahl und Stacheldraht viele große und kleine Geschichten. Manche davon werden gern mal im Fernsehen erzählt. Schauplatz von Grenzdokumentationen war Hötensleben schon des Öfteren. Man kann sie aber auch vor Ort hören. Zum Beispiel von Achim Walther. Der 72-J ährige ist einer der Väter des Projekts Grenzdenkmal und seither schier unermüdlich im Einsatz, wenn es darum geht, Besuchern die innerdeutsche Grenze mit all ihrer erschreckenden Funktionalität zu erklären. " Wir wollen dem Verdrängen, dem Verklären und dem Vergessen entgegenwirken ", sagt Walther und ergänzt : " Unsere Aufgabe ist es auch, Fakten zu erhalten ohne Tendenzen hierhin oder dorthin. Jeder soll sich ein eigenes Bild machen. "

Wer dies tun will, kann das Gelände auf eigene Faust in Augenschein nehmen oder fragt vorab zwecks einer Führung an. Alljährlich bietet sich auch der 3. Oktober für einen Besuch an.

www. grenzdenkmal. com