Ehrenamtliche Kirchenmusiker aus Mittel- und Norddeutschland trafen sich am Wochenende in Wolmirstedt zum Aufbauseminar für Kirchenmusiker. Am Sonntag gestalteten sie den Gottesdienst musikalisch.

Wolmirstedt. Alle 39 Teilnehmer des Aufbauseminars musizieren schon lange in ihren Heimatkirchen. Manche spielen Orgel, andere singen im Chor oder leiten gar einen. Dennoch fehlt ihnen bisher ein offizieller " Schein " und damit die Berechtigung, sich die musikalische Arbeit honorieren zu lassen. Um als Kirchenmusiker auch offiziell anerkannt zu sein, braucht man zumindest die bestandene D-Prüfung. Auf diese Prüfung bereiteten sich die Kirchenmusiker drei Tage lang in Wolmirstedt vor.

Im Seminar " Chorleitung " unter der Leitung der Stendalerin Maike Schymalla war die Musik nur die Grundlage. Dieangehenden Chorleiter festigten im Gemeinderaum der Katharinenkirche vielmehr ihre eigene Gestik, Mimik und Körperhaltung. " Die Koordination der eigenen Hände fällt erst einmal sehr schwer ", sagt Elisabeth Schallers. Jede Geste zu viel oder zu wenig kann den Chor irritieren, die Einsätze verschwimmen lassen, den Takt verwackeln. " Der Dirigent muss motivieren ", sagt Maike Schygalla, " mit seinen Blicken, mit standfester Körperhaltung, mit eindeutigen Handbewegungen. "

Immer wieder stellen sich angehenden Chorleiter einzeln vor die Gruppe und " üben " Strophen ein. " Man muss die einzelnen Stimmlagen koordinieren, damit der ganze Chor als Klangkörper agiert ", erlebt Gertraude Boye aus Dingelstedt. Christoph, der auf dem Keyboard die Töne vorgibt, vergisst den Blickkontakt zum Chor, schaut mehr auf die Tasten als in die Augen der Sänger und schon klingt das Lied unsicher, verhalten, die Stimmen verwischen. Maike Schygalla weist ihn darauf hin und beim nächsten Versuch klingt die Musik schon viel klarer. " Jeder Chorleiter muss die Musik lange vor dem Chor durchdringen, muss genau wissen, was er will ", gibt Maike Schygalla den künftigen Chorleitern mit auf den Weg.

In der oberen Etage der Kirche zeigte der Hamburger Peter Hechfellner die Tricks der modernen Liedbegleitung. Die Teilnehmer drängen sich um die Orgel, schauen mit aufs Blatt, während sich einer nach dem anderen an die Tasten wagt. Ein paar Grundlagen des Orgelspiels hatten die Teilnehmer mitgebracht, eine professionelle Ausbildung wurde nicht vorrausgesetzt. " Man muss die Tasten lieben ", weiß Teilnehmerin Kathleen Börner aus Jena. Sie spielt in ihrer heimischen Kirche auch manchmal Orgel und ließ sich von Peter Hechfellner gerne dazu inspirieren, " auch in der Kirchenmusik mit Pop-Elementen zu arbeiten. "

In der Katholischen Kirche übte die Burgerin Cornelia Frenkel mit den Teilnehmern das Choralspiel, in der Neuapostolischen Kirche hatten sich Kirchenmusiker um Gerhard Noetzel an der Orgel versammelt.

" Seit neun Jahren organisieren wir hier in Wolmirstedt das Aufbauseminar für Kirchenmusiker ", sagt Kantorin Konstanze Schlegel. Am Anfang noch zweimal im Jahr, jetzt nur noch im Frühjahr. " Mehr schaffe ich derzeit nicht ", sagt die Mutter dreier kleiner Kinder. Die Prüfung jedoch wird demnächst wieder in Wolmirstedt abgenommen, und zwar kurz vor Pfingsten, am 30. Mai in der Katharinenkirche