Eine Stadt mit tausendjähriger Geschichte birgt jede Menge Geschichten. Eine davon ist der Einzug des Kurfürsten Joachim Friedrich und seiner Frau Katharina von Küstrin. Dieses Ereignis wird zum großen Jubiläum wieder neu auf eben.

Wolmirstedt. Im Jahre 1566 wurde der Kürfürst Joachim Friedrich zum Erzbischof des Bistums Magdeburg gekürt. Wolmirstedt galt als Sommerresidenz der Erzbischöfe, doch Joachim Friedrich und seine Frau verlegten 1576 ihren Wohnsitz komplett auf den Burgberg und blieben einige Jahre.

Der Kurfürst führte von hier aus seine Geschäfte, Katharina von Küstrin gründete eine Apotheke und einen Milchhof für Arme. Das Paar bekam neun Kinder. So viel gelebtes Leben ist Grund genug, den Einzug des Paares auf der Burg noch einmal als Freudenfest zu gestalten, genau jetzt im Jahre 2009.

" Die Idee für dieses Schauspiel ist schon beinahe zwei Jahre alt ", sagt Kerstin Andrée, Leiterin der Arbeitsgruppe Hochzeitsspektakel. Und das ist auch die Erklärung für den irreführenden Namen, denn als das Kurfürstenpaar hier ankam, war es längst verheiratet. " Ursprünglich wollten wir eine mittelalterliche Hochzeit feiern ", sagt Kerstin Andrée, " am besten mit einem echten Brautpaar. " Das hat sich im Laufe der Zeit als schwierig heraus gestellt, weil bei so einer Schauhochzeit ja auch die gesamte Familie in die Mittelalterzeit eintauchen müsste.

Also überlegte die Arbeitsgruppe weiter und irgendwann kristallisierte sich die Darstellung des Einzuges des Kurfürstenpaares heraus. Der Name " Hochzeitsspektakel " war da schon lange geprägt und ist einfach im Programmheft geblieben. Dem Unterhaltungswert des Spektakels nimmt diese Abweichung nichts weg. Im Gegenteil, so ein Einzug schenkt alle Freiheiten bei der Gestaltung. Und die nutzen die Veranstalter in vollen Zügen. Kerstin Andrée, Monika Trippler, Odette Wolff und Gudrun Billowie haben ein Konzept erarbeitet, das viele Mitwirkende mit einbezieht.

Die Geschichte dazu ist schnell erzählt. Der Burgvogt, dargestellt von Schauspieler Ekkehard Schwarz, regierte die Burg bisher allein. Nun kommt das Kurfürstenpaar, das bedeutet eine gehörige Portion Machtverlust und gemischte Gefühle. Aber eigentlich freut sich der Burgvogt und ist sehr damit beschäftigt, das Volk von Wolmirstedt auf das Herrscherpaar einzustimmen und auf Manieren zu pochen. Das Volk lässt sich nicht lange bitten, sondern zeigt bereitwillig, was Wolmirstedt zu bieten hat.

Das war damals wie heute eine ganze Menge und die Kinder von heute zeigen das. Das sind zum einen die Gutenberg-Schüler mit Gesang und Artistik, die Kinder der Leibnizschule zeigen, was Wolmirstedter Kinder so spielen, wenn sie ins 16. Jahrhundert gefallen sind, die Gymnasiasten bereiten dem Kurfürstenpaar den musikalischen Empfang, die Kinder der Internationalen Grundschule Barleben zeigen ein Schauspiel, die Kinder der Diesterweg-Schule geben dem Herrscherpaar das Geleit. Unterstützt wird das ganze Spektakel von sechs Mimen des Turmtheaters Haldensleben.

Das Kurfürstenpaar wird von Fanfaren angekündigt die die Burg hoch zu Ross erreichen, flankiert von grimmigen Rittern und allerlei Hofstaat im Gefolge. Der Einzug des Paares ist eingebettet den Mittelaltermarkt auf der Schlossdomäne.

Wie Diebe, Kammerzofen, Pfarrer und Äbtissin mit dem Einzug des Herrscherpaares fertig werden, erfahren die Besucher am 20. Juni ab 13.45 Uhr vor der Museumsscheune.