Die Nordverlängerung der Autobahn 14 kommt. Gestern wurde bekannt, dass auch die Finanzierung steht. Am Montag wird Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee mit seinen Länderkollegen in Magdeburg die Pläne unterzeichnen. Die Bürger aus Mose und Colbitz haben derweil ganz andere Sorgen. Nur noch bis zum 23. März liegen die Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens aus. Wer Einwände hat, muss diese bis zum 6. April kundtun. Grund zur Eile für die Moser Bürgerinitiative, die am Donnerstagabend interessierte Bürger zu einer Informationsveranstaltung einlud.

Mose. Mit dem Zeigef nger malt Peter Fudel auf dem Luftbild einen Kreis um den Standort seines Wohnhauses. " 225 Meter bin ich an der geplanten A 14-Auffahrt dran ", erklärt der Lindhorster. Seit sechs Jahren beschäftigt er sich schon mit der geplanten Nordverlängerung der Autobahn und ihren Folgen. " Mich interessieren neben dem Lärmschutz vor allem die Fragen zur Gefährdung des Grundwassers und der allgemeinen Senkung der Lebensqualität. " Zusammen mit André Hulwa war Fudel am Donnerstagabend in das Moser Kulturhaus gekommen. Dorthin hatte die Bürgerinitiative Mose / Baltzersiedlung zu einer Informationsveranstaltung geladen.

" Uns läuft die Zeit davon – nur noch bis zum 6. April haben betroffene Bürger die Möglichkeit, ihre Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren bei den Ämtern einzureichen ", erklärt Gerald Müller von der Bürgerinitiative ( BI ) Mose / Baltzersiedlung die eilig einberufene Informationsveranstaltung.

Die Mitglieder der BI sind sich bewusst, dass sie die Autobahn nicht verhindern können. " Auch wenn der Bau sich verzögert, es vielleicht noch Jahrzehnte dauert – eine Generation wird es erwischen ", erklärt BISprecher Raik Wirthgen. Und so will man vorsorgen, erreichen, dass die betroffenen Anwohner zumindest lärmschutztechnisch in ausreichendem Maß geschützt werden und die Lebens- und Wohnqualität durch die Autobahnpläne nicht allzusehr sinkt. " Unserer Meinung nach, kommt in den bisherigen Planungen der Mensch zu kurz ", so Müller. Nirgendwo sei in den zwölf Heftern, die im Rathaus noch bis Montag ausliegen, von Lärmschutz für Mose und Colbitz zu lesen, auch nicht während der Bauphase und für die dann nötigen Umleitungsstrecken. " Dieser Aspekt ist Hauptansatzpunkt unserer Kritik ", gibt Wirthgen einen Ausblick darauf, was die BI in ihrer gemeinschaftlichen Einwendung benennen will.

In ihren Hoffnungen könnten sich die Bürger aus Mose, Farsleben, Colbitz und Lindhorst auch auf die Unterstützung der Wolmirstedter Stadtverwaltung verlassen, versichert Bürgermeister Dr. Hans-J ürgen Zander. Zwar seien die Moser nicht direkt vom Baustart bei Colbitz betroffen, " aber sobald da ein Stück der Trasse befahrbar ist, treffen die neu angezogenen Verkehrsströme aus Nord und Süd auf die B 189. Auch wenn das vielleicht erst in zwei oder drei Jahren der Fall ist, so muss man heute schon Vorsorge treffen. " Die geplante Autobahnzubringung über die B 189 würde dann in besonderem Maße auch die Bürger aus Neu-Mose, Farsleben und natürlich auch den Kalibetrieb betreffen. " Ein Dauerstau ist zu befürchten ", so Zander. Genau diese Bedenken hätte die Stadtverwaltung dem Verkehrsministerium schon im vergangenen Jahr mitgeteilt. Damals hieß es, dass man dem Bürgermeister bis November 2008 antworten wolle. " Auf dieses Schreiben warte ich bis heute ", erklärt Zander.

Alles, was er schon im Vorjahr zu den Plänen kritisch angemerkt hat, wird nun erneut in die Stellungnahme der Stadt einfießen. " Zusätzlich bieten wir den betroffenen Bürgern an, auch ihre Bedenken mit in unsere Einwendung aufzunehmen ", verspricht der Bürgermeister als Unterstützung für die Arbeit der BI.

Einer, der von den Plänen, die B 189 als Zubringer zu nutzen, in besonderem Maße betroffen wäre, ist Manfred Wagner. Der Moser wohnt direkt an der Straße, im ersten Haus hinter dem Ortsschild, und sieht aus seinem Fenster täglich die vorbeifahrenden Autos. Auch, wenn die Ampel für die Pkw mal auf Rot steht, Ruhe kennt der Rentner schon seit Jahren nicht mehr, kann selbst im Sommer seinen Garten nicht genießen, weil der Verkehrslärm zu hoch ist. Und, ebenfalls eine Auswirkung der direkten Nachbarschaft seines Grundstückes zur Bundesstraße : " Wenn die Autos an der Ampel halten, kommt es öfter vor, dass die Fahrer aus dem Fenster ihren Müll bei uns über den Zaun werfen. "

Beschwert hätte er sich schon, als die B 189 ausgebaut wurde. Damals hieß es, Schallschutz sei nicht nötig, außerdem kein Geld da, erinnert sich der Moser. Er hat dann eigenes Geld investiert, um wenigstens schützende Sichtelemente anzubringen. " So wie es jetzt ist, bedeutet der Lärm für uns schon den Gipfel. Wo soll das alles mit den neuen Plänen noch enden ? Wir können ja dort, wo wir wohnen, nicht weg ", erklärt der ältere Herr mit Verzweifung in der Stimme.

Doch auch die neu zugezogenen Moser sehen ihre Wohnträume durch die Autobahn in Gefahr. Ihre Ängste sind fruchtbarer Boden für Hoffnungen, dass sich die Autobahnpläne vielleicht doch noch zerschlagen. Eine Hoffnung, die für Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz ( BUND ) eine berechtigte ist.

Susanne Bohlander war mit weiteren Bürgern aus der Altmark angereist, um im Kulturhaus kampfeslustig für ihre Sache zu werben und die betroffenen Bürger der Region mit ihren Erfahrungen zu unterstützen. Bohlander ist Sprecherin der Bürgerinitiative " Bündnis B 189 / B 5 statt A 14 ". Dort ist man der Meinung, dass ein Ausbau der B 189 mit Überholspuren an Stellen, wo sie angebracht seien, völlig bedarfsgerecht und ausreichend für den Verkehrsfuss wäre. Ähnlich sehen es auch die Bündnisgrünen, am Donnerstag vertreten durch Thomas Schlenker und Frank Senkel. Sie alle wollen der BI Mose / Baltzersiedlung helfen. " Denn gerade das erste Planfeststellungsverfahren ist das entscheidende, da müssen wir ein Zeichen setzen ", erklärt Bohlander ihre Motivation.

Konkrete Tipps gab es von Wilfried Treutler, einem Lärmund Schallschutzexperten, der schon gegen den Bau des Transrapid und für die davon betroffenen Bürger gekämpft hat. Er empfehlt, dass sich nicht nur betroffene Wohn-, Gartengrundstücks- und Firmeneigentümer mit eigenen Einwendungen beim Verkehrsministerium melden sollten, sondern auch Menschen, die Gesundheitsschäden befürchten oder die von den geplanten Umleitungsstrecken betroffen seien. " Ohne jetzigen Einspruch haben sie später auch keinen Anspruch ", motiviert er werbewirksam.

Wichtig sei, dass man darauf dränge, dass sich die Verantwortlichen nicht nach den Werten aus dem 16. Bundesimmissionsschutzgesetzrichten, sondern nach der DIN, die bedeutend geringere Lärmpegel ausweist. Außerdem solle man in seiner Einwendung auf aktive Schallschutzmaßnahmen, wie die Verwendung von Flüsterasphalt und absorbierenden statt ref ektierenden Schallschutzwänden bestehen, Geschwindigkeitsbegrenzungen nahe Wohngebieten empfehlen, die Windrichtungen beachten und – wenn das nicht hilft – auf den bezahlten Einbau von schallisolierenden Fenstern drängen. Die anwesenden Bürger schrieben die Tipps f eißig mit.

Auch Peter Fudel will eine Einwendung verfassen. " Man muss doch als Bürger endlich mal ernst genommen werden ", hofft er, bevor er das Kulturhaus Mose verlässt und nach Hause fährt. Dorthin, wo er gegenwärtig noch halbwegs ruhig schlafen könne.