Auf dem Dachboden von Bürgermeister Dr. Hans-J ürgen Zander liegt noch ein alter Zeitungsausschnitt. 1994 hatte er – nach 100 Tagen im Amt – in einem Interview erklärt, dass ihn die geplante Bebauung des Lindhorster Weges äußerst optimistisch stimme. Bis heute gab es um das Wohngebiet aber deutlich mehr negative Schlagzeilen, entwickelte sich die Erschließung zu einem Trauerspiel mit zahlreichen Akteuren.

Wolmirstedt. Jetzt, gut 15 Jahre nach besagtem Interview, hat der Bürgermeister wieder Grund zu vorsichtigem Optimismus. Bei einem Vor-Ort-Termin am Lindhorster Weg strahlte er wie die Frühlingssonne. Mit Günter Lauenroth wurde ein neuer Erschließungsträger gefunden, der sich der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes widmen will.

Im Jahr 2003 wurden für das Wohngebiet die ersten Verträge mit Häuslebauern geschlossen, ein Jahr darauf standen die ersten von bislang 16 Eigenheimen. Doch was bis heute fehlt, ist eine ordentliche Straße. Günter Lauenroth zeigt auf den Bebauungsplan des 2, 5 Hektar großen ersten Bauabschnittes. 31 Parzellen sind vorhanden, davon 15 noch frei. Er plant den Baustart im unerschlossenen Teil des Schlehenweges, will zuerst den Schmutzwasserkanal und die Baustraße herstellen.

" Erst im Anschluss daran wird die richtige Straße an den bereits bebauten Grundstücken entlang hergestellt. Wir wollten nicht, dass die Baufahrzeuge über die neue Straße müssen und diese gleich wieder schädigen ", erklärt Lauenroth. So müsse maximal ein Möbelwagen durch, wenn weitere Interessenten in das Wohngebiet ziehen. Dass die freien Grundstücke schnell verkauft werden, davon geht auch der Bürgermeister aus. " Wir haben schon seit Jahren Anfragen, die wir aber aufgrund der unklaren Erschließungssituation nicht positiv beantworten konnten. "

" Idyllisch wohnen am Rande der Stadt ", so soll die Fläche auf dem gerade in Auftrag gegebenen Bauschild beworben werden. Die gute Lage war für den neuen Erschließungsträger auch einer der Hauptgründe, sich für das Wohngebiet zu engagieren. Nichtsdestotrotz hat er sich ausführlich informiert, Anfragen beim Umweltamt gestellt und Gutachten zu möglichen Altlasten anfertigen lassen. Seit 2006 sitzt er daran, hat im Laufe der Jahre nach eigener Aussage immer mehr Spaß daran gefunden, " die harte Nuss zu knacken ".

Dort, wo früher einmal Stallungen der LPG standen, will Günter Lauenroth nun attraktives Wohnbauland schaffen. In der Reihenfolge ist seine Sachsen-Anhaltinische Baulandentwicklungs GmbH Erschließungsträger Nummer vier, hat das Wohngebiet von der Firma Glindenberg Bau, dem vorherigen Erschließungsträger, abgekauft. Noch sind einige Formalitäten wie die Umschreibung im Grundbuch zu klären, damit auch der Vertrag mit der Stadt rechtswirksam wird und mit dem Bau begonnen werden kann. Der Stadtrat hat den Abriss der Garagen am Lindhorster Weg schon durch Bereitstellung von Haushaltsmitteln bewilligt, um Baufreiheit für den späteren zweiten Bauabschnitt zu schaffen. Auf den hat Lauenroth mit seiner Firma eine Option. Zuerst soll aber das akute Straßenproblem rund um den Schlehenweg beseitigt werden. Dazu wird es laut Günter Lauenroth auch nochmal eine Anliegerversammlung geben.

Per Vertrag hat der Erschließungsträger verbindlich erklärt, den ersten Bauabschnitt bis Ende dieses Jahres fertigzustellen. Die planungsrechtliche Vorbereitung des zweiten Bauabschnittes soll schon im Sommer durch den neuen Stadtrat erfolgen. " Wir wollen, dass die Freifächen im Wohngebiet schnell besiedelt werden können ", erklärt der Bürgermeister.