Die aus Japan stammende Sportart Softair erfreut sich auch im Landkreis Börde großer Beliebtheit. Mit speziellen Waffen schießen die Spieler Plastikügelchen auf ihre Gegner. In Wolmirstedt hat sich nun sogar ein Softairverein gegründet.

Wolmirstedt. Es sieht wie ein voll bewaffneter Einsatz der Bundeswehr aus, doch mit militärischen Zügen habe das Softairspiel nur bedingt zu tun. Diese recht neue Sportart diene dem taktischen Geländespiel und sei mit den ähnlich konstruierten Sportspielen " Paintball " beziehungsweise " Gotcha " verwandt. Anstelle von Farbmunition wird hier aber mit Plastikkügelchen, den so genannten Softballs, auf den Gegner geschossen.

Eine Leidenschaft für dieses Spiel haben auch einige junge Leute aus Wolmirstedt für sich entdeckt und nun sogar einen Softair-Verein gegründet. Unter dem Namen " M. A. F. T. S. – Die Spezialisten " wollen die Mitglieder ihrem doch recht speziellen Hobby auf einem großzügigen Gelände am Ortsrand von Wolmirstedt nachgehen. Hinter der Abkürzung verbirgt sich nicht anderes als die Vornamen der fünf Vereinsbegründer : Marco, Alexander, Fabian, Tobias und Sebastian üben diese Sportart bereits seit vier Jahren aus und haben mitunter Erfahrungen auf der Paintballanlage in Mahlwinkel sammeln können. Dass sie nun auch ihren eigenen Verein gegründet haben, liegt vor allem am regen Interesse im Freundeskreis. Bereits 15 Mitglieder zählt der eingetragene Softairverein. Neue Interessenten aus Magdeburg und Groß Santersleben stehen bereits vor der Tür.

Bis das neu gepachtete 2474 Quadratmeter große Gelände jedoch " spielbereit " ist, haben die Softairfreunde noch einiges zu tun : Vor allem das Vereinshaus, ein ehemaliger Drogeriemarkt, muss von grundauf renoviert und möbliert werden. Büro, Toiletten und Lagermöglichkeiten sollen errichtet werden. In einem Schulungsraum sollen Anfänger über Gefahren und Verletzungsschutz aufgeklärt werden. Später sollen sogar Übernachtungsmöglichkeiten entstehen. Ein Lagerraum soll Platz für die Ausrüstung schaffen, denn die ist recht umfangreich. " Zur Schutzausrüstung gehören Handschuhe, Anzug, Maske und Helm ", erklärt Tobias Stiller, der im Verein die Aufgabe des Kassenwarts übernimmt. Für die Mitglieder stelle das Spiel ein geringes Verletzungsrisiko dar, auch wenn die Plastekugeln auf nackter Haut " zwiebeln " würden. Die dazugehörigen Softairwaffen sind vor Ort ausleihbar. Waffen mit einer Geschossenergie ab 0, 5 Joule sind jedoch nur für Volljährige zugänglich.

" Wir werden sehr auf das Alter achten. Unter 18 Jahren benötigen Spieler das Einverständnis der Eltern. Zudem müssen alle vorher eine Verzichtserklärung für eventuelle Verletzungen unterschreiben ", so Tobias Stiller. Weiterhin wollen die Fünf spezielle Zubehörteile, die für Softairwaffen im Handel erhältlich sind, auf ihrem Gelände verbieten. Denn bei ihnen stehe vor allem der Spaß am Spiel im Vordergrund. " Mit Krieg und Militär hat das nichts zu tun. Wir wollen hier keine schießwütigen Cowboys, die sich stark fühlen wollen ", versichert Vereinsvorsitzender Marco Peschstrich. " Es geht um taktisches Vorgehen und Strategie. Das hat keine paramilitärischen Gründe. " Viel eher würden bestimmte Szenarien nachgestellt und dementsprechende Rollenspiele zwischen den Mannschaften stattfinden. So gibt es das beliebte " Erobere die Fahne ", bei dem das eine Team versucht, ohne getroffen zu werden, die Fahne des gegnerischen Teams zu erkämpfen. Weiterhin können Personenschutzszenarien wie bei " Präsident " gespielt werden, die vor allem taktisches Denken erfordern. Die Spielvarianten können beliebig weit ausgebaut werden.

" Es soll einfach nur Spaß machen und eine neue Freizeitbeschäftigung für die Region bieten ", sind sich die fünf Vereinsgründer sicher. In circa zwei Monaten planen die Freunde ihre Softairanlage für Interessierte zugänglich zu machen. Dann soll auch das wüste Gelände mit Hindernissen, Türmen, Verstecken, Sumpfund Bunkeranlagen fertig sein. Die komplette Spielausrüstung wird dann gegen eine Gebühr ausleihbar sein.

Trotz der Spielform sieht das deutsche Gesetz die Softairgewehre nicht als Spielzeug, sondern als Waffen an. Das Waffengesetz erlaubt dabei den Verkauf an ab 14-Jährige, wenn die Geschossenergie unter 0, 5 Joule liegt. " Das Führen solch einer Waffe ist daher erlaubt ", weiß Joachim Albrecht, Sprecher des Polizeireviers Börde. " Trotzdem sollten einige Regeln eingehalten werden ". Die Softairwaffen dürfen nur auf dem Privatgelände des Vereins genutzt werden, die kleinen Kugeln sollten das Areal nicht " verlassen ". " Damit soll verhindert werden, dass Dritte verletzt werden ", so Albrecht. Das Transportieren der Waffen in der Öffentlichkeit stellt jedoch eine problematische Grauzone dar : " Auch wenn die Waffen mitunter täuschend echt aussehen, erlaubt der Gesetzgeber das Führen solch eines Gerätes. Die Softairwaffen dürfen dann aber nicht geladen sein ". Ebenso ist ein Koffer oder ähnliches für den Transport vorgeschrieben. Bei Verletzung der Vorschriften droht dem Halter eine Ordnungswidrigkeit. Gerade die detailgenaue Ähnlichkeit zu echten Pistolen und Gewehren sei für viele Polizeibeamte ein Grund zum Verbot der Softairwaffen. " Doch solange die Waffen auf privatem Eigentum genutzt werden und der rechtliche Rahmen eingehalten wird, gibt es nichts zu beanstanden ", fasst der Polizeisprecher zusammen. " Problematisch wird ‘ s erst dann, wenn ein Schaden entsteht ".