Flechtingen. Frühkindliche Bildung lautete das Thema eines " mittendrin-Talks ", zu dem die SPD-Landtagsabgeordnete Rita Mittendorf in das Kurhaus Flechtingen eingeladen hatte. Neben der Landes-Sozialministerin Dr. Gerlinde Kuppe und Frauke Mingerzahn von der Fachhochschule Magdeburg-Stendal hatte sich Rita Mittendorf bemüht, praxisnahe Referenten aus der Region ins Podium zu bekommen. Mit den Schulleitern Ines Warschewske ( Flechtingen ) und Michael Blaschke (" Gebrüder Alstein ", Haldensleben ), Christine Laqua, Leiterin der Kindertagesstätte ( Kita ) Colbitz, Detlef Schmahl als freier Träger von mehreren Kindereinrichtungen im Landkreis gelang ihr das sehr gut. Daneben hatte auch Flechtingens Bürgermeister Dr. Dieter Schwarz im Podium Platz genommen.

Die Sozialministerin holte weit aus und blickte in die Entwicklung der frühkindlichen Bildung und gesetzlicher Grundlagen bis zum Anfang der 1990 er Jahre zurück. Doch " in erster Linie sind die Eltern verantwortlich dafür, dass den Kindern ein guter Start ins Leben gelingt, dass sie sich gut entwickeln können ", betonte sie.

Und genau dort setzen gegenwärtige Bemühungen im Land an. 50 Kindereinrichtungen im Land sind seit 2007 Kind-Eltern-Zentren. Dahinter stecke der Gedanke, so Gerlinde Kuppe, dass die Kitas der Ort seien, wo Eltern mindestens zweimal am Tag mit den Profs, nämlich den Erziehern, zusammentreffen. " Diesen täglichen Kontakt wollen wir ausnutzen. "

Ziel aller Anstrengungen sei es, den Übertritt der Kinder in die Grundschule problemlos und im Sinne der Kinder vollziehen zu können. Neben der guten Qualität der Bildungs- und Erziehungsarbeit müsse noch an mehr Bildungsangeboten gearbeitet werden.

Sprachförderung nicht erst im letzten Kita-Jahr

Dazu gehören unter anderem die Sprachstandsfeststellung und die Sprachförderung nicht erst im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung. Gerlinde Kuppe machte deutlich, dass dies auch für Kinder, die nicht in Kitas betreut werden, zur Regel werden müsse. Und auch über die Kostenfreiheit, sprich die kostenfreie Betreuung der Kinder in Kitas bis hin zu einer kostenlosen Mittagsversorgung, müsse weiter diskutiert werden, sprach die Sozialministerin einige akutelle Punkte an.

Das seien vorbildliche erste Schritte, meinte Christine Laqua. Die Sprachstandsförderung und -feststellung wieder an die Erzieher zu delegieren, sei der richtige Weg. " Wir merken im täglichen Miteinander am besten, wie sich die Kinder sprachlich entwickeln ", sagte sie. Allerdings spiele der Zeitfaktor dabei eine wichtige Rolle. Das gesamte Projekt müsse zum Beispiel von einer umfangreichen Dokumentation begleitet werden – eine Herausforderung, die unter den Bedingungen gegenwärtig kaum eine Erzieherin leisten könne. Auch Zeit zur Vor- und Nachbereitung fehle einfach.

Zum Übergang in die Schule äußerte sich Ines Warschewske. Die gute Zusammenarbeit ihrer Lehrerkollegen mit den Kitas in Flechtingen und Bülstringen ( Einzugsgebiet ihrer Grundschule ) habe sich bewährt : " Individuelle Förderungen wie sie gefordert werden, bedingen, dass schon ein Jahr vor dem Schulbeginn die Konsultationen beginnen. " Eines machte sie deutlich : beim Übergang in die Schule stehe die Leistungsanforderung sofort im Mittelpunkt, wo zuvor versucht wurde, den Kindern spielerisch Bildung zu vermitteln.

Rita Mittendorf sprach ein Problem an, das ebenfalls schon länger diskutiert wird : Das Lernen in Förderschulen. Mit zehn Prozent sei der Anteil im Land Spitze im negativen Sinne. " Das ist ein unerträglicher Zustand ", sagte die Sprecherin für Bildungsund Wissenschaftspolitik ihrer Landtagsfraktion. Vielmehr müsse es gelingen, Kinder in den Grundschulen integrativ zu betreuen. " Kinder mit Defiziten brauchen die Chance für eine, normale ‘ Bildung. "

Grundfinanzierung muss geändert werden

Angesprochen wurde auch das Thema Ausbildung von Erziehern. Rita Mittendorf sprach sich für eine Fachhochschul-Ausbildung für Erzieher aus. Im kommenden Studienjahr wird es eine berufsbegleitende Bachleor-Ausbildung am Institut von Frauke Mingerzahn geben. Allerdings sei die Zahl der Plätze auf 30 begrenzt.

Spontanen Applaus aus dem Publikum erhielt Detlef Schmahl für seinen Appell. " Es wird Zeit, dass Kinderbetreuung eine andere Grundfinanzierung bekommt. Wer Chancen will, muss entsprechend kostenlose Angebote unterbreiten ", sagte der Geschäftsführer der Seniorenhilfe Haldensleben. Umständliche Förderrituale und Antragstellungen würden die tägliche Arbeit nur behindern.