Am 8. März ist Frauentag. Ein Tag, der in jedem DDR-Betrieb ausgiebig gefeiert wurde, der in den meisten Frauenbiograf en einen festen Platz hat. Doch so alt dieser Ehrentag auch ist, die Wolmirstedterin Grete Grube ist älter.

Wolmirstedt. Der Internationale Frauentag wird in diesem Jahr 98 Jahre alt. Grete Grube wird 103. Als Clara Zetkin im Jahre 1911 den Internationalen Frauentag initiierte, war Grete Grube fünf Jahre alt. Damals wurde der Frauentag noch am 19. März begangen.

Erst zehn Jahre später wurde auf der 2. Kommunistischen Frauenkonferenz der achte März festgelegt und damit an den Tag des Textilarbeiterinnenstreiks in Sankt Petersburg erinnert. Da war Grete Grube 15 Jahre alt. Inzwischen ist die Dame 102 und lebt in der Seniorenresidenz " Ohreblick ".

" Ich hatte ein glückliches Leben ", sagt sie. An die Frauentagsfeiern kann sie sich nicht mehr erinnern. " Ich habe viele Auszeichnungen bekommen ", ergänzt sie. Ob zum Frauentag oder zu anderen Anlässen bleibt im Dunkel der Erinnerung stecken.

Grete Grube hat im Krankenhaus gearbeitet. Erst in der Küche, später im Kiosk, die letzten zehn Jahre betrieb sie den Fahrstuhl. Als sie aufhörte, war sie 84 Jahre alt. An ihre Arbeit erinnert sie sich gerne. Noch lieber an ihre Reisen. " Am schönsten war die Schiffsreise auf dem Schwarzen Meer. Wir sind mit dem Flugzeug hingef ogen. "

Grete Grube hat ein Frauenleben geführt, wie so viele. Heiraten, arbeiten, Kinder großziehen. Drei Kinder hat sie bekommen. " Ich wollte immer, dass meine Kinder so alt werden wie ich ", sagt sie. " Dieser Wunsch erfüllte sich nicht. " Ihren jüngsten Sohn musste sie vor drei Monaten gehen lassen. " Es ist sehr schwer, ich mag noch gar nicht wieder raus gehen. " Oft wird sie gefragt, ob sie an den Veranstaltungen im " Ohreblick " teilnehmen möchte. " Aber ich bin noch nicht soweit. "

Ihre anderen beiden Kinder kommen oft zu ihr. Sie sind 83 und 84 Jahre alt. " Meine Tochter kümmert sich um die Wäsche, mit meiner Schwiegertochter trinke ich Kaffee, und oft reden wir alle von früher. "

In dem Früher, dass Grete Grube noch gegenwärtig ist, hat ein Frauentag keinen Platz. Der hat sich aus ihrem Gedächtnis geschlichen. Geblieben ist darin die Arbeit, die täglich wiederkehrenden Verrichtungen, die Ehe, die Kinder. " Ich hatte eine glückliche Ehe ", sagt sie und ist dabei voll guter Erinnerungen, auch wenn sie ihren Mann schon seit Jahrzehnten überlebt.

Grete Grube hat ein sonniges Gemüt, hinter ihrer tiefen Trauer leuchtet die Zuversicht. " Am 23. Juli werde ich 103 ", erklärt sie und scheint sich zu freuen. Sie wird nicht alleine sein, sowohl die Familie als auch die Menschen in der Seniorenresidenz werden sich mit ihr freuen.

Grete Grube hat viel gegeben im Leben, jetzt kann sie dankbar annehmen, was sie zurück bekommt. " Meine Familie ist jeden Tag für mich da ", erklärt sie wieder und wieder, und schließt in den Familienbegriff Kinder, Schwiegerkinder und Enkel mit ein. " Auch die Schwestern hier sind sehr nett ", fügt sie hinzu, nachdem eine von ihnen den Kopf durch die Tür steckte und fragte, ob alles in Ordnung sei.

Grete Grube steht für so viele Frauen, lediglich ihr hohes Alter macht sie besonders. Sie achtet auf Mode ( immer noch ), sie hat gearbeitet, geliebt, sich gekümmert. Ihre Welt wäre ohne diese Wärme viel ärmer gewesen.