Autofahren ist nicht schwer. Solange der Wagen rollt und die Straße frei ist, gibt es keine Probleme. Die treten in gefährlichen Situationen auf. Unfälle spielen sich oft innerhalb einer einzigen Sekunde ab. Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht. Was bleibt, sind Reflexe. Die aber lassen sich einüben. Etwa durch ein Fahrsicherheitstraining. Das bieten die Öffentlichen Versicherungen ( ÖSA ) auf einer Kartbahn bei Aschersleben an. Jüngst waren Schulklassen aus Stassfurt vor Ort, begleitet von SchmaZ-Reportern. Am Sonnabend nun suchte eine Barleber Studentin mit ihrer Freundin mehr Fahrsicherheit.

Barleben / Aschersleben. " Wer setzt sich ans Steuer ?" Stefanie Nehring und Nicole Harmgarth schauen sich fragend an. Vollbremsung auf glitschiger Fahrbahn bei 70 Kilometern in der Stunde lautet die nächste Aufgabe. Die beiden jungen Frauen aus Barleben verständigen sich mit einem Blick, zwei Handzeichen und drei Worten. Sie werden nach dem zweiten Durchgang die Plätze tauschen. Jeder soll diese Erfahrung machen. Die Studentin und die gelernte Bürokauffrau wohnen in Barleben beziehungsweise in Irxleben, sie sind früh aufgestanden an diesem Sonnabend, um an einem Fahrsicherheitstraining in Reinstedt teilzunehmen. Der Ort unweit von Aschersleben verfügt über eine kurvenreiche Rennstrecke, die gewöhnlich von Zweiradfahrern für Rennen genutzt wird. Hier, auf der Harz-Bahn, bieten die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt ( ÖSA ) zehnmal im Jahr eine praxisorientierte Sicherheitsschulung für Verkehrsteilnehmer an. Kostenfrei. Sie müssen nicht einmal Kunden der ÖSA sein.

Der Tag beginnt mit einer Kennenlernrunde. Trainer und Fahrlehrer Reinhard Bauer von der Landesverkehrswacht lockert die durchweg jungen Teilnehmer mit witzigen Sprüchen auf, will aber zugleich von ihnen wissen, wie sie ihr fahrerisches Können einschätzen. Gab es bereits brenzlige Situationen, sogar Unfälle ? Bauer stellt Fragen : Ab welcher Geschwindigkeit zündet ein Airbag ? Muss bei einer Vollbremsung auch die Kupplung getreten werden ? Muss die Kopfstütze am Fahrersitz anders eingestellt sein als beim Beifahrer ? Und wenn ja, warum ?

" Ich möchte hier lernen, Gefahren besser einschätzen und optimal auf sie reagieren zu können ", spricht Stefanie von ihren Erwartungen. Freundin Nicole hat ihren Führerschein mit 17 gemacht. Jetzt fährt sie die Autos ihrer Eltern. Bislang unfallfrei. So soll es auch bleiben.

Zum Training haben sich 13 Personen eingefunden, vier Männer, sieben Frauen. ÖSAMitarbeiter Dr. Wolfgang Kirkamm kommentiert das Verhältnis mit der Vermutung : " Ich bin sicher, dass heute weniger Reifen quietschen werden. Frauen fahren einfach vorsichtiger. " Er wird Recht behalten. Dennoch geht es auf der Piste zur Sache. Es gehören Mut und Überwindung dazu, auf ein Handzeichen des Fahrsicherheitstrainers mit voller Kraft auf die Bremse zu treten. Bauer spricht in einer Pause davon, dass mindestens 86 Kilogramm bei einer Vollbremsung auf das Eisen einwirken müssen.

Keine Chance für kleine Personen ? Sofern der Sitz richtig eingestellt ist, schon. " Wenn der Film des Lebens abspult und ich weiß, dass es in einer Sekunde kracht, bringe ich noch ganz andere Kräfte auf ", meint Bauer. Er räumt bei dieser Gelegenheit mit vielleicht glorifizierten Vorstellungen über die Wirkung eines Airbags auf. " Wenn der zündet, geht eine Druckwelle von 400 km / h durch das Fahrzeuginnere. Da fliegen manchmal sogar die Scheiben raus. " Es entstehe ein Überdruck im Auto. Das in Sekundenbruchteilen aufgeblasene Luftkissen entscheide im schlimmsten Fall über Tod oder Leben. " Kennenlernen möchte ich es aber nicht ", zeigt der Trainer unmissverständlich auf, dass ein Airbag kein Kuschelkissen ist. Bei dieser Gelegenheit demonstriert er den Umstehenden, wie im Fall eines noch nicht ausgelösten Airbags erste Hilfe geleistet werden müsse. Dann führt er die Probanden auf das Glatteis. Es ist nur simuliert, die Wirkung nichtsdestotrotz deutlich : Fahrzeuge ohne computergestütztes Stabilitätsprogramm ( ABS und ESP ) brechen aus der Spur aus.

Am Abend sind nicht nur jede Menge Runden, sondern auch reichlich neue Erfahrungen eingefahren worden. Johanna Baumann aus Hohenwarthe hatte seit ihrem Führerscheinerwerb vor vier Jahren keine Fahrpraxis mehr. Das Training habe ihr wesentlich geholfen, wieder ein Sicherheitsgefühl zu entwickeln, hebt die junge Frau hervor. Ihre ebenfalls blutjunge Mitfahrerin Nancy Brink versichert : " Kaum zu glauben, aber ihr Fahrstil hat sich nach diesen Trainingsstunden bereits verändert. Johanna fährt mit mehr Selbstvertrauen. "