Im Landkreis Börde fehlt bisher eine Kreisseniorenvertretung. Das soll sich jetzt ändern, sind doch die ehrenamtlichen Zusammenschlüsse älterer Menschen wichtig, damit die Belange der Generation 60plus gehört werden. Im Ratssaal trafen sich gestern interessierte Senioren, die in Wolmirstedt eine Bereichsvertretung für die Stadt und das Umland gründen wollen.

Wolmirstedt. "Du kannst nicht verhindern, älter zu werden. Aber Du kannst verhindern, alt zu sein." Das Zitat, welches Eva Galle gestern verlas, sorgte im Ratssaal für zustimmendes Nicken. Die Senioren, die sich dort eingefunden hatten, wollen sich engagieren. Sie haben ein Interesse daran, dass ihre Probleme und Vorschläge gehört werden.

"So eine Seniorenvertretung, wie wir sie hier aufbauen wollen, hat ganz verschiedene Arbeitsansätze", erklärte Eva Galle, die sich im Vorstand der Landesvertretung engagiert. So würde man beispielsweise Probleme in den Bereichen öffentlicher Nahverkehr und bei der Wohnsituation für ältere Mitbürger diskutieren. "Auch die immer schlechter werdende ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist für uns ein großes Thema", erklärte die engagierte Magdeburgerin. Die Ergebnisse der Beratungen könnten dann den zuständigen Bürgermeistern oder dem Landrat übermittelt werden. Somit sei die Bereichsseniorenvertretung nicht nur Sprachrohr für die Interessen und Belange älterer Menschen gegenüber Behörden, sondern erfülle im Umkehrschluss auch eine wichtige Mittler-Funktion.

Heinz Burghardt, ehemaliger Leiter der Selbsthilfegruppe für Blinde und Sehbehinderte, erinnerte daran, dass es vor gut zwölf Jahren schon mal eine Seniorenvertretung in Wolmirstedt gegeben habe. Das Anliegen von Eva Galle stieß deshalb gestern zwar nur auf wenige, aber dafür auf umso offenere Ohren. Auch aus der Gemeinde Niedere Börde waren Interessierte gekommen, die in einer neu zu gründenden Gruppe mitwirken wollen.

Klaus-Dieter Müller aus Jersleben beispielsweise möchte sich als Schatzmeister engagieren. Werner Schierhorn, Heinz Burghardt und Friedrich Westphal wollen sich als Beisitzer einbringen. Kurt Zoubek aus Wolmirstedt wird, zumindest bei den ersten Treffen der neuen Seniorenvertretung, als kommissarischer Vorsitzender agieren.

Doch damit ist die Gruppe lange nicht komplett. Je mehr ältere Menschen sich beteiligen, desto lauter wird die Stimme dieser Generation. "Deshalb suchen wir noch Mitstreiter. Alle sind angesprochen: Einzelpersonen, Vereinsmitglieder, Vertreter der Sozialverbände…", zählte Eva Galle auf. Sie wird der neuen Wolmirstedter Bereichsvertretung mit Rat und Tat zur Seite stehen, ist sie doch schon über zehn Jahre im Landesvorstand und noch länger in der Magdeburger Seniorenvertretung aktiv.

Aus ihren Erfahrungen heraus weiß sie auch, welche Felder zur Basisarbeit dieser Zusammenschlüsse gehören. "Hauptaufgabe ist die Begleitung der Kommunalpolitik im Hinblick auf die Belange, die Senioren betreffen. Es können sich aber auch weitere Arbeitskreise treffen, in Magdeburg haben wir beispielsweise einen für die Fragen zur Sicherheit älterer Mitbürger", nannte sie einige Ansatzpunkte.

"Das Schönste an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit ist nicht nur, dass man mit vielen Leuten in Kontakt kommt. Diese Menschen geben einem auch viel zurück – und dadurch lebt man mindestens fünf Jahre länger", so Eva Galle, selbst strahlendes Beispiel für einen aktiven (Un)Ruhestand.

Die neue Wolmirstedter Seniorenvertretung, die sich auch für ältere Menschen im Umland einsetzen will, trifft sich am Mittwoch, dem 16. Juni, um 10 Uhr im Ratssaal der Stadtverwaltung zu ihrer ersten Arbeitsbesprechung. Interessierte sind herzlich willkommen.