Im April 2011 besteht das dezentrale Kinderdorf des Albert-Schweitzer-Familienwerks ( ASF ) Sachsen-Anhalt genau 20 Jahre. Viele der aufgenommenen Kinder sind inzwischen erwachsen geworden, haben die Pflegeeltern verlassen und leben ihr eigenes Leben. So fand am vergangenen Sonnabend in Steutz zum zweiten Mal ein Ehemaligentreffen statt.

Steutz. " Es ist schön, mal die wieder die anderen zu treffen, die man schon lange nicht gesehen hat – zu sehen, wie sie sich entwickelt haben und was sie jetzt machen ", erklärt Nancy Möller. Das Leben der 23-Jährigen, die heute in Nedlitz wohnt, hat sich selbst sehr verändert. Inzwischen ist sie Mutter einer einjährigen Tochter. " Sie heißt Helene ", erzählt die junge Frau glücklich.

Vorbereitet auf die Aufgaben, die nun vor ihr liegen, hat sie die " gute und erfahrungsreiche Zeit " bei der Kinderdorffamilie Nitsche. Zwischen 1996 und 2007 war das ihr Zuhause. " Ich habe gelernt, selbständig zu werden ", blickt Nancy Möller auf ihre Erlebnisse zurück – erst in Saubach ( Burgenlandkreis ) dann in Leps.

Sabine Räsch kennt die beiden Orte ebenfalls gut. Von 1996 bis 2003 sind Nitsches auch ihre Ersatzeltern gewesen. " Es war schön, aber es gab auch schwere Zeiten ", sagt die 25-Jährige und ergänzt lächelnd : " Ich habe mich total zum Positiven gedreht. " Auf das Treffen freute sich die gelernte Kellnerin, obwohl sie schon ein bisschen aufgeregt war, den anderen wieder zu begegnen.

Nach 2008 ist es das zweite Ehemaligentreffen, das am Sonnabend in Steutz stattfindet. 30 Teilnehmer sind der Einladung in die Kinder- und Begegnungsstätte des ASF gefolgt. Neben einstigen Pflegekindern nutzen einige Kinderdorfeltern die Gelegenheit des Wiedersehens. " Es ist eine Möglichkeit, nochmal Kontakt zu den Familien und Pflegegeschwistern aufzunehmen ", erklärt Dagmar Hellfritsch.

Seit November 2008, als sie die ebenfalls anwesende Vera Rösch ablöste, leitet Dagmar Hellfritsch das dezentral strukturierte Kinderdorf. Vorher war sie selbst Kinderdorfmutter in Niederlepte. " 16 Kinder in 15 Jahren ", bemerkt die Frau mit dem Kurzhaarschnitt. Sylvia Nikolov gehörte von 1993 bis 1995 dazu. " Es war eine sehr schöne, aber kurze Zeit ", sagt die 33-Jährige und fügt aus Erfahrung hinzu : " Es war die beste Einrichtung. " Den Großteil der Pflegegeschwister sehe sie relativ oft, berichtet die Verwaltungsfachangestellte. Doch sei es schön, den Pflegekindern aus anderen Kinderdorffamilien mal wieder zu begegnen.

Zum Auftakt des geselligen Treffens fordert Sylvia Nikolov alle auf, sich nach Kinderdorffamilien zu sortieren. Auf Deetz, Zerbst ( jetzt Strinum ), Roßlau, Leps, Niederlepte, Saubach und Stolberg / Magdeburg teilen sich die Anwesenden auf, bevor sie sich nach ihrem jeweiligen Aufnahmejahr aufstellen. Anschließend nennt jeder kurz seinen Namen und die Eckdaten seiner Zeit im Kinderdorf.

Das besteht im April 2011 genau 20 Jahre. Zahlreiche Kinder durchliefen seither die Einrichtung. Auf ungefähr 120 schätzt Dagmar Hellfritsch die Anzahl der Ehemaligen. " Jetzt sind es alles Erwachsene ", blickt sie in die Runde. Die meisten sind zwischen 20 und 25 und genießen das Wiedersehen.

" Sie kennen sich von den Sommerlagern und den Festen ", weiß Dagmar Hellfritsch, dass einige der jungen Leute miteinander, aber auch mit ihren Pflegefamilien in Verbindung bleiben. Einzelne helfen auch bei den jährlichen Kinderdorf-Veranstaltungen aus. Manchmal aber reißt der Kontakt ab. " Einer ist hier, zu dem hatte ich über acht Jahre gar keinen Kontakt gehabt ", freut sich Dagmar Hellfritsch und betont : " Für mich ist das heute ein schöner Tag. "

Schnell sind die Teilnehmer in Gespräche vertieft, erzählen sich, wie es ihnen jetzt ergeht und was sie in den zurückliegenden Jahren erlebten. Über Fotoalben gebeugt, schwelgen sie zudem in Erinnerungen. " Ich hoffe, dass die Ehemaligentreffen Tradition werden ", sagt Dagmar Hellfritsch und mit dem Wunsch steht sie mit Sicherheit nicht allein da.