Massive Proteste aus der Bevölkerung begleiteten die Vereinheitlichung der Abfall- entsorgung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, für die seit Januar die Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke zuständig sind. Die Zerbster haben bei der Auswahl ihre Abfallvarianten alle Erwartungen erfüllt.

Zerbst. Anscheinend gibt es in Sachen Abfallentsorgung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld immer einen Ausreißer. Sträubten sich im vergangenen Jahr die Zerbster gegen die Einführung einer Mindestmenge Restmüll, sind es nun die Köthener, deren Beschwerden bei Geschäftsführer Hartmut Eckelmann aufschlagen.

Zerbster erfüllen mit Auswahl Erwartungen

"Die Zerbster Eigenheimbesitzer haben das System verstanden und sich erwartungsgemäß zu 94 Prozent für die kleine Abfallvariante mit 40 Litern Restmüll pro Kopf und Monat entschieden", zieht Eckelmann Bilanz. Auch die Bitterfelder folgten den Erwartungen. 25 Prozent der Grundstücksbesitzer wählten dort die kleine Variante, 70 Prozent Variante 3. "Aber Köthen hat mich erstaunt. Von dort liegen mir mehr als 100 Beschwerden vor", ergänzt Eckelmann. Die Köthener seien es gewohnt gewesen, dass die Restmülltonne alle 14 Zage entleert wird. Nun wird es wie in Zerbst nur noch einmal im Monat der Fall sein. Und: Waren zuvor 1040 Liter Restmüll pro Kopf und Jahr in Köthen veranschlagt, wählten nun über 5800 Haushalte die kleinen Varianten mit 40 Litern Restmüll pro Kopf und Monat. "35 Prozent haben sich für die kleine Variante entschieden. Das ist ein erheblich kleineres Volumen. Oft wurde das System nicht verstanden und schlicht nach dem Preis geschaut." Die Zerbster seien es gewohnt gewesen, mit Mengen zu rechnen, so Eckelmann. "Von den Köthenern wird das neu verlangt. Es hätte mehr Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden müssen, die wir allein bei den Kreiswerken nicht schaffen können."

Weitere Probleme kamen beim Versand der Banderolen in der Vorweihnachtszeit auf. Im Zerbster und im Köthener Raum gab es viele Abweichungen der Kundendaten. "Bei Selbstanmeldung war es ja kein Problem, aber sobald wir auf andere Quellen bei der Adressierung zurückgreifen mussten, gab es Probleme." Die sind jedoch bereits überwunden.

Probleme mit Kundendaten gibt es noch immer im Zerbster Raum, teilt Heike Tauber, Niederlassungsleiterin der Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke in Straguth, mit. "Es gibt noch immer Fälle, in denen keine Anmeldung erfolgte. Wir bitten darum, dass sich die Grundstückseigentümer melden", lautet ihr Appell. In Straguth können die Anhalter-Bitterfelder Kreiswerke auf keinen eigenen Kundenstamm zurückgreifen, wie dies beispielsweise in Bitterfeld der Fall war. "Im Raum Zerbst hat zuvor der Landkreis die Müllgrundgebühr auf Basis der Anzahl der Haushalte eingezogen", erklärt Tauber. Jetzt liegt die Abrechnung der Grundgebühr in den Händen der Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke und wird bezogen auf den Grundstückseigentümer erhoben. "Daher werden wir in den kommenden Tagen damit beginnen, unsere Daten mit dem Einwohnermeldeamt abzugleichen."

Rund 400 Tonnen wechseln den Besitzer

Weiteren erheblichen Aufwand haben die Mitarbeiter in Straguth durch einzelne Anmeldungen, die täglich eintrudeln, Änderungen von Einzugsermächtigungen oder der Anzahl der Mitbewohner in einer Wohnung. Außerdem müssen im Zerbster Raum rund 400 Tonnen neu zugestellt oder getauscht werden. "Das passiert mit einem Sonderfahrzeug. Wir sind deswegen seit Dezember unterwegs und noch immer dabei", so Tauber. Dabei werden nicht nur neue Restmüll-Tonnen gebracht, sondern auch Bio- und Braune Tonnen erneuert oder ebenfalls neu zugestellt.

Die Umstellung der Zerbster auf die neue Weihnachtsbaum-entsorgung fällt bisher verhalten aber gut aus. Manch einer machte bereits von dem Angebot Gebrauch, den Weihnachtsbaum in der eigenen Biotonne zu entsorgen beziehungsweise bei deren Abholung daneben zu legen. Dieses Angebot gilt auch für Einwohner, die keine Biotonne besitzen. "Allerdings haben wir auch Weihnachtsbäume an den bisherigen Sammelplätzen, den Glascontainern, gesehen", so Tauber.

Sie erinnert deshalb noch einmal an eine Sonderfahrt, bei der in Zerbst und Umgebung die Weihnachtsbäume von der Haustür abgeholt werden. "In Zerbst sind wir mit dem Fahrzeug am 24. Januar unterwegs, im Umland am 28. Januar." Dennoch beurteilen Heike Tauber und Hartmut Eckelmann die Zerbster positiv, wie sie mit der Umstellung der Abfallentsorgung umgehen. "Es läuft gut", sagt die Niederlassungsleiterin. "Die Zerbster haben nachgedacht und mit den Mengen gerechnet", so Eckelmann.