Genau genommen schwebt derzeit ein Unheil über der Stadt Zerbst. So hätten es die Altvorderen gesehen. Der Markt ohne Butterjungfer, das durfte niemals sein. Jetzt aber ist die Rückkehr der am 25. Oktober vorigen Jahres durch einen Unfall von ihrem Sockel gestoßenen Figur in Sicht.

Zerbst. Während der Umgestaltung des Zerbster Mark- tes war dieser zwischen Anfang September 2009 und dem 27. August 2010 ohne Butterjungfer. "Im früheren Zerbst ein Sakrileg und Omen für ein Unglück", erinnert Museumsdirektor Heinz-Jürgen Friedrich daran, dass es genau aus diesem Grund zwei Figuren gibt. Jene aus dem Jahr 1516, die im Museum steht. Und jene von 1647, entstanden in schwerster Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, in dem die Vorgängerfigur verschwand. Immer im Wechsel wurden sie aufgestellt, ausgetauscht immer dann, wenn die Eichenholzsäule morsch war und ersetzt werden musste.

Seit 1947 befindet sich die jüngere Figur permanent auf dem Markt – außer während der jüngsten Umgestaltungsarbeiten und bis auf derzeit. Im mittelalterlichen Zerbst hätte der 25. Oktober 2010 wohl als ein Indiz für den vorherigen Frevel der Butterjungfer-losen Markt-Bauzeit gegolten. Keine drei Monate nach der festlichen Wiederaufstellung von restaurierter Säule und frisch vergoldeter Figur liegt das Zerbster Wahrzeichen auf dem Marktpflaster. Ein Pkw hatte die Säule angefahren.

"Wir werden schon auch immer wieder darauf angesprochen", vermisst nicht nur Viola Tiepelmann, die mit ihrem Team der Tourist-Information jetzt quasi "zu Füßen" der Butterjungfer sitzt, nun deren Rückkehr auf den Markt.

Zwei im Museum

"In der kommenden Woche erwarten wir die Figur in Zerbst zurück", informiert Bernd Köhler, Leiter Bauverwaltung bei der Stadt Zerbst, gestern auf Volksstimme-Anfrage.

Etwas länger als ursprünglich geplant hat der Hallenser Restaurator Peter Schöne, der die goldene Zerbsterin nicht zum ersten Mal in seiner Werkstatt hatte, für die Reparaturarbeiten gebraucht. Wieder anzukleben war die abgebrochene Schließung des Geldsäckchen. "Erst dachten wir, sie ist verloren gegangen, aber sie wurde dann doch gefunden", sagt Bernd Köhler. Zudem hat Restaurator Schöne durch den Sturz entstandene Stoßstellen beseitigt.

Wenn die Butterjungfer nach Zerbst zurückkehrt, wird sie zunächst noch für einige Tage zum Trocknen im Museum bleiben. "Wir stellen dann wieder beide Figuren nebeneinanander", lädt der Museums- direktor zum so nicht oft möglichen Betrachten ein.

Gleichzeitig laufen derzeit weitere Arbeiten am ebenfalls abgestürzten Säulenkapitel. In der Firma von Tischlermeister Volker Pietrek wurden die Abbruchstellen am Holz beseitigt. Jetzt befindet sich das Säulenoberteil in der Natursteine-Firma Keck. "Nach dem Abschluss der Grundierung werden wir in dieser Woche die Vergoldung der Acantus-Blätter vornehmen", so Steinmetzmeister Christian Keck zu den Arbeiten, die er selbst ausführen wird.

Solche dem Acanthus mollis, dem Bärenklau, nachempfundenen Blätter finden sich übrigens oft in stilisierter Form in der Ornamentik an Säulen – wie der der Zerbster Butterjungfer.

Poller um die Säule?

Säule, Kapitel und Figur werden in gehabter Weise wieder zusammengeführt werden. Auch an der Befestigung der Figur wird nichts verändert. "Sie ist keine neue", sagt Volker Pietrek. Seit 1986, als die Butterjungfer schon einmal durch ein sowjetisches Militärfahrzeug vom Sockel gestoßen wurde, bis zur Abnahme vor den Bauarbeiten beziehungsweise dem nun erneuten Unfall "hat die Konstruktion standgehalten, auch alle Stürme, darunter den schweren Kyrill, überstanden", so der Tischlermeister.

Bekommt aber die Säule wie im jüngsten Fall wieder einen Stoß, entsteht ein Peitscheneffekt. Dem können die starken Holzdübel, die oben alles zusammenhalten, keinen Widerstand leisten. Zumal die Figur mit ihren 30 Kilogramm und das kaum leichtere Kapitel eben sehr schwer sind. "Vielleicht ist es möglich, Poller um die Säule herum aufzustellen, damit weitere solche Unfälle in Zukunft vermieden werden können und damit auch mögliche Personenschäden, die es jetzt ja zum Glück nicht gab", regt Volker Pietrek an.

Die Reparaturkosten, deren genauen Umfang Bernd Köhler im Moment noch nicht beziffern kann, werden zunächst aus Mitteln der Denkmalsanierung bezahlt. Nachdem alle Kosten feststehen, wird an den bekannten Unfallverursacher eine städtische Forderung nach Schadensersatz beziehungsweise Schadenswiedergutmachung ergehen, so die Information aus dem Ordnungsamt. Da es sich um einen Unfall handelt, obliegen weitere mögliche Maßnahmen der Polizei.

Ein Wiederaufstelltermin für die Butterjungfer steht noch nicht fest, sagt Kulturamtsleiter Andreas Dittmann. Es soll nach jetzigem Stand aber nicht wieder so einen großen fest- lichen Rahmen wie im August, wohl aber die Information der Öffentlichkeit geben. "Vielleicht passt es ja innerhalb der Kulturfesttage", regt Amtsleiter-Kollege Bernd Köhler spontan an.