Wer sich über etwas informieren will, schaut meist als erstes im Internet nach. Vorsicht ist aber geboten, denn mancherorts stößt man auf äußerst dubiose Informationen.

Zerbst l Die offizielle Homepage der Stadt bietet viele Informationen zu Zerbst. Sie wird von Kulturamtsleiterin und Pressesprecherin Antje Rohm betreut. Die Seite kann also gewissermaßen als das digitale Aushängeschild der Stadt gelten. Derzeit wird sie überarbeitet. Doch im Internet gibt es noch andere Quellen, um sich über die Stadt schlau zu machen.

Die Suchseite Google gilt weltweit als die am häufigsten genutzte Suchmaschine. Wer sich also auf die Suche nach Informationen zu Zerbst macht, wird wahrscheinlich erst einmal dort beginnen.

Ganz weit vorn unter den ersten Sucheinträgen befindet sich ein Verweis zu Wikipedia. Wer schnell eine Information braucht, wird dort in aller Regel fündig, listet die Enzyklopädie doch mittlerweile 1 672 538 deutschsprachige Einträge auf. Darin liegt die große Stärke von Wikipedia. Außerdem ist die Suche natürlich auch noch kostenlos.

Auf Wikipedia darf jeder mitschreiben

Doch die Suche auf Wikipedia hat auch einen Nachteil: Jeder darf mitmachen, darf Beiträge verfassen oder abändern, wie es ihm gefällt, auch ohne irgend eine Ahnung von der Materie zu haben und sogar ohne ein Benutzerkonto auf der Seite angelegt zu haben. In letzterem Fall werde aber die IP-Adresse - sozusagen die Adresse des Computers im Internet - gespeichert, heißt es auf der Seite.

Glücklicherweise korrigiert sich die Internetgemeinde in den meisten Fällen zügig selbst, wenn jemand etwa absichtlich falsche oder absurde Dinge einträgt, um sich daraus einen Spaß zu machen. Wen wundert es da also, dass ausgerechnet der Eintrag "Adolf Hitler" auf Platz zwei der am häufigsten geänderten Artikel ist?

Was schon eher Anlass zur Verwunderung gibt: Auf Wikipedia besteht ein Querverweis zwischen dem Eintrag zu Adolf Hitler und der Stadt Zerbst. Der Diktator des "Deutschen Reichs" wird unter dem Eintrag "Ehrenbürger" geführt. Ebenfalls findet sich dort der Name Wilhelm Friedrich Loeper. Loeper war Leiter im damaligen "Gau Magdeburg-Anhalt", nach ihm war damals das Zerbster Freibad benannt worden.

Einige Fakten noch nicht aktualisiert

Die Wahrheit aber ist, dass sowohl Loeper als auch Hitler heute keine Ehrenbürger mehr sind. Zwar findet sich auf Wikipedia eine kurze Notiz, dass eine Ehrenbürgerschaft in Zerbst mit dem Tod des Geehrten ende. Davon, dass der Stadtrat aber schon 2007 die Ehrenbürgerschaft sowohl für Wilhelm Friedrich Loeper als auch für Adolf Hitler öffentlich in einem symbolischen Akt aberkannt hatte, findet sich keinerlei Information.

"Seltsam ist das schon, dass man Hitler dort als Ehrenbürger der Stadt führt", findet Antje Rohm. Als der Stadtrat die Ehrenbürgerschaften endgültig aberkannte, begleitete sie dies als Redakteurin der Volksstimme.

Auch darüber, dass in der Folgezeit des Zweiten Weltkriegs der Alliierte Kontrollrat Kriegsverbrechern generell jegliche Ehrentitel entzog, gibt es in der Internet-Enzyklopädie keinen Hinweis.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass die Stadtverwaltung den Wikipedia-Artikel über Zerbst nicht verfasst hat. "Uns in der Stadtverwaltung sind die Autoren nicht bekannt", sagt Antje Rohm. Man habe sich aber vorgenommen, demnächst zumindest einmal den Wahrheitsgehalt der dort aufgeführten Angaben rund um Zerbst zu überprüfen.