Die in Zerbst ansässigen Unternehmen blicken guten Mutes ins neue Wirtschaftsjahr. Sowohl in der Metallverarbeitungs- als auch Lebensmittelbranche herrschen Optimismus vor. Differenzierter fällt da die Einschätzung für das Handwerk aus.

Zerbst l Die Bundesbank rechnet 2014 mit einem Wirtschaftswachstum und auch das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,9 Prozent. Optimismus ist also erlaubt. Dies bestätigt auch eine Umfrage unter Zerbster Unternehmen.

"Wir gehen 2014 von einem ebenso positiven Ergebnis aus wie in 2013."

Kathrin Kusch, Prokuristin Siro Blechbearbeitung und -lackierung GmbH

Ein leichtes Umsatzplus erwartet das Schraubenwerk Zerbst in diesem Jahr. Von drei bis fünf Prozent geht Geschäftsführer Eckhard Schmidt aus. Positiv gestalten sich die Aussichten für alle Geschäftsbereiche von Schienenbefestigungen über den Kranbau bis zu Windkraftanlagen, die das Schraubenwerk weltweit mit Schrauben und Bolzen, die Bauteile miteinander verbinden, beliefert. Insgesamt rund 2000 verschiedene Artikel werden in Zerbst hergestellt und etwa 25 000 Tonnen Stahl im Jahr dafür verarbeitet. Zu den 190 Mitarbeitern zählen auch acht Lehrlinge. Ausgebildet wird einzig für den eigenen Bedarf des Schraubenwerks.

Dieter Fischer, Geschäftsführer der Wema, blickt "verhalten optimistisch" ins Jahr 2014. "Die Bücher sind gut gefüllt, daher habe ich ein gutes Gefühl." 2013 sei ein gutes Jahr gewesen. "Wir konnten den Umsatz von 2012 erreichen. Danach sah es bis Mitte des Jahres noch nicht aus", zieht Fischer Bilanz. Mit 5 bis 6 Prozent weniger Umsatz rechnete er damals. Doch im Herbst zog die Auftragslage noch einmal an, so dass der Umsatz schließlich doch den Vorjahreswert erreichte. "Ich denke, auch 2014 können wir den Umsatz von 2013 erreichen, vielleicht sogar ein kleines bisschen darüber liegen."

Größere Investitionen sind in diesem Jahr jedoch nicht geplant, da diese überwiegend in 2013 getätigt wurden. "Ich erinnere an unser neues innerbetriebliches Logistikzentrum, dass wir 2013 in Betrieb nehmen konnten. Die letzte Maschine dafür ist im Dezember 2013 angekommen und aufgestellt worden. 2014 werden diese Investitionen ihren Nutzen entfalten und wirksam werden."

Investitionen in die vorhandene Technik sind auch bei der Siro Blechbearbeitung und -lackierung GmbH 2014 ein Thema. "Wir werden eine neue Lasermaschine in Betrieb nehmen, unsere technische Ausstattung damit weiter rationalisieren", sagt Prokuristin Kathrin Kusch auf Nachfrage der Volksstimme. Wie Dieter Fischer rechnet auch Kathrin Kusch mit einem ruhigen Wirtschaftsjahr. "Momentan sind keine Anzeichen für Einbrüche zu sehen. Wir gehen 2014 von einem ebenso positiven Ergebnis aus, wie wir es 2013 erreichten konnten." Zumal die Auftragsbücher gut gefüllt sind.

Mit Allfein ist ein Unternehmen aus der Lebensmittelbranche mit Sitz in Zerbst genannt, das Gewicht hat. Auch hier ist der Ausblick ins Wirtschaftsjahr 2014 positiv.

"Es bleibt einfach abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln."

Carmen Bau, Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft ABI

"Wir gehen optimistisch ins neue Jahr. Wie bereits bekanntgegeben, wollen wir in Zerbst weiter investieren, es kommen also einige Anstrengungen auf uns zu. Aber das machen wir gern, denn wir sind mit Zerbst auf einem guten gemeinsamen Weg", erklärte Allfein-Betriebsleiter Hagen Römer. Allfein plant die Errichtung eines weiteren Werkes am Neuen Weg. Dort sollen dann so genannte "Frische-Convenience-Produkte" hergestellt werden. Bislang stellt Allfein in Zerbst ausschließlich tiefgefrorene Convenience-Produkte her.

So differenziert wie das Handwerk ist, so differenziert fällt auch die Einschätzung der Stimmungslage durch Carmen Bau, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld, aus. "Wir sind verhalten optimistisch. Es gibt Betriebe, da sieht die Entwicklung gut aus, es gibt aber auch Bereiche, in denen wir Bauchschmerzen haben."

Kritisch bleibt die Umsetzung des Koalitionsvertrages zu sehen. Insbesondere die geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes wird Auswirkungen auf das Lebensmittelgewerbe haben wie Bäckereien oder Fleischereien, aber auch das Frisörwesen. "Hinzu kommt: Die Verdrängung der kleinen Betriebe durch große Ketten ist enorm."

Positiver erscheint da die wirtschaftliche Lage im Bau- und Baunebengewerbe. "Das sind Branchen, die derzeit mit die Konjunktur anziehen, auch in unserem Landkreis", so Carmen Bau. Entscheidend sei jedoch auch hier die weitere politische Entwicklung. Die Kommunalwahlen im Mai 2014 seien da entscheidend für die Weichenstellung. "Öffentliche Investitionen durch Kommunen und Gemeinden, denen es heute finanziell ja eher schlecht geht, sind für das Gewerbe notwendig, um Umsätze zu generieren", so Bau. Schraubt die öffentliche Hand ihre Investitionsausgaben weiter zurück, wird dies Auswirkungen für das Gewerbe haben. "Es bleibt einfach abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln."