Zerbst l Im Ordnungsamt der Stadt Zerbst existiert eine dicke Akte zum "Maculan-Gelände". Seit 1998, so Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella, hat die Stadt diese Industriebrache unentwegt gesichert. "Auf eigene Kosten, denn der Eigentümer hat bislang keine der Arbeiten bezahlt", so Frau Gudella. Und er wird es auch künftig nicht tun, zeigte vielmehr im Mai 2012 "Masseunzulänglichkeit" an: Insolvenz, und zwar auch privat.

Eigentum verpflichtet. Sollte man meinen. Anders die Situation am Volkspark/Schützenplatz. Der Besitzer kann offenbar praktisch nicht für die Gefahren herangezogen werden, die von seiner Immobilie ausgehen. "Bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit wird die Stadt aktiv, wenn seitens des Besitzes nichts geschieht. Zum Maculan-Gelände muss dies leider sehr häufig geschehen." Ungezählte Stunden, insbesondere vom Bauhof, teils aber auch durch von der Stadt beauftragte Firmen, haben sich angehäuft. Die Kosten wurden dem Eigentümer stets in Rechnung gestellt. Bezahlt wurde noch keine einzige. "Und wie es aussieht, kommen wir aus dieser Misere auch nicht heraus", befürchtet die Ordnungsamtsleiterin.

Denn immer mal wieder häufen sich Sachbeschädigungen und Vandalisums an dem eigentlich schon völlig heruntergekommenen Objekt. Erst vor sechs Tagen musste abends der Bauhof in Marsch gesetzt werden, weil Unbekannte versucht haben, eine Blechtafel von einem der verbarrikadierten Fenster der einstigen Verwaltungsbaracke zu entfernen. Die Tafel ragte dann weit in den Straßenbereich vor der Baracke hinein - im Dunklen eine große Gefahr.

Für Lothar Müller, den Präsidenten des SKV "Rot-Weiß" Zerbst und somit Grundstücksnachbarn des Maculan-Geländes, ist die Situation unhaltbar. "Wir schämen uns zutiefst für diesen Zustand und fürchten Folgeschäden an unserer Sporthalle. Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet, die Woche für Woche in Zerbst zu Gast sind, sind fassungslos über diesen Zustand", erklärte der Vereinspräsident. An die Stadt appelliert er, auch weiterhin Zwangsmaßnahmen gegen den Eigentümer einzuleiten und zugleich auch künftig alle nötig werdenden Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen.

Die Situation ist verfahren. Der Grundstücksbesitzer hatte die Maculan-Immobilie bei einer Zwangsversteigerung erworben und wollte sie bebauen. Doch dem standen bauliche Maßgaben der Stadt entgegen. Der Besitzer überwarf sich mit der Stadt, insbesondere auch dem damaligen Zerbster Bürgermeister. Legendär war das Hausverbot, das ihm Bürgermeister Behrendt vor Jahren beim Neujahrsempfang erteilte, was zu Handgreiflichkeiten führte.

Im vorigen Jahr suchte der Landkreis Klarheit zur Verfügbarkeit des Geländes als Standort für eine neue Gymnasiumssporthalle. "Eine nicht unerhebliche Summe stand im Raum, dazu die Zusage von Stadt und Abwasserzweckverband, die über die Jahre aufgelaufenen Schulden zu erlassen. Der Besitzer hat all dies ausgeschlagen", informierte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) gestern. Zwischenzeitlich sei das Gelände sogar im Altlastenkataster des Landkreises erfasst - wegen Schadstoffbelastungen, unter anderem verursacht durch ausgetretene Öle.

Der Landkreis ist laut Dittmann endgültig als Partner beim Erwerb des Grundstückes für schulsportliche Zwecke ausgeschieden. "Das ist endgültig vorbei." Die Turnhalle entsteht also in Zerbst-Nord, wo sich einst die Sekundarschule befand.

Dem Schandfleck ist offenbar nicht so ohne Weiteres beizukommen. Er wird sich verfestigen. Und somit latent Ziel immer wieder unerkannt wirkender Zeitgenossen, die ihre Kräfte eben an scheinbar wertlosen Immobilien einsetzen. Hat die Stadt eine Zunahme von Vandalismus? Seit Weihnachten summieren sich die Sachbeschädigungen. Farbe gegen öffentliche Gebäude, Einbrüche in die Ganztagsschule, jüngst der makabere Blödsinn am Schützenplatz. Elard Schmidt, Leiter des Revierkommissariates Zerbst, sieht "keine Tendenz. Es gibt immer mal wieder Spitzen, in denen sich manche Deliktarten häufen, aber ich kann in den Vorkommnissen der letzten Zeit keine überbordende Dimension hinsichtlich Vandalismus erkennen. Diese Dinge reihen sich ein in die üblicherweise anfallende Polizeiarbeit." Natürlich wisse die Polizei, dass das Maculan-Gelände Tummelplatz "von allerlei Personen" sei, allerdings müsse "allein daraus nach aktueller Lageeinschätzung keine extra Aufgabenstellung für die Polizei entwickelt werden".