Dessau-Roßlau l ",Die Zirkusprinzessin\' wird leider viel zu selten gespielt, obwohl sie jedoch mitreißend, ergreifend und amüsant ist", charakterisiert Regisseur Wolfgang Dosch (55) dieses 1926 uraufgeführte Werk.

Der Name Zirkus im Titel reize natürlich, aber Zirkusnummern lassen sich im Theater schwer darstellen, nennt der Regisseur einen Grund für die seltenen Aufführungen. Auch, so Dosch, seien die beiden anderen Kálmán-Operetten und auch die "Fledermaus" (Johann Strauß) wahre Hitparaden von Weltschlagern. In der "Zirkusprinzessin" komme davon nur "eine halbe Hand" voll vor, wie etwa "Die kleinen Mädeln im Trikot" oder "Zwei Märchenaugen".

"Und dennoch ist diese Operette ein Stück mit großen Gefühlen, mit Liebe, mit Glück und Schmerz, Sehnsucht und Leidenschaft, auch mit Rache und Intrigen - und Happyend", macht Wolfgang Dosch neugierig.

Diese Operette lebt vor allem auch von einem großen musikalischen Reichtum. Die Palette reicht von bunt schillernder Zirkusmusik über den Wiener Walzer, vom Czárdás bis hin zum modernen Foxtrott. Wolfgang Dosch bleibt bei seiner Inszenierung in der Originalzeit Anfang des 20. Jahrhunderts und bei der Original-Handlung. Die drei Akte des Originals - räumlich zwischen fürstlichem Palais, Wiener Hotel und der Zirkus-Manege geortet - wird er allerdings, jedoch abstrichslos, rings um die Manege ansiedeln.

"Einen Plan B hatte ich eigentlich nie."

Wolfgang Dosch

Die schöne verwitwete Fürstin Palinska besucht den Zirkus, um den geheimnisumwitterten und maskierten Akrobaten Mister X zu erleben. Der von ihr mehrfach abgewiesene Prinz Sergius Wladimir sinnt auf Rache und inszeniert eine Intrige. Fürstin trifft Mister X, ohne Maske. Jedoch unter einem Pseudonym. Große Liebe, schnelle Heirat, Enthüllung und Trennung, Chaos und Überraschungen. In einer zweiten "niederen" Ebene kommt es ebenso zu vergnüglichen Verwechslungen.

Für Wolfgang Dosch ist eine Operette "eine Tankstelle für Glück", hilft bei "der Läuterung durch Lachen". Und für ihn gilt: "Wer Angst hat vorm Lachen, ist sicher falsch beim einem Operettenbesuch im Theater."

Der gebürtige Wiener Dosch weiß, wovon er spricht und wie er arbeitet. Seinem Musiklehrer im Gymnasium verdankt er seinen künstlerischen Weg, "vor allem die Leidenschaftlichkeit bei jedem Tun".

Etwas mit Theater sollte seine Entwicklung prägen. "Einen Plan B hatte ich eigentlich nie", erzählt der Regisseur. Es habe vieles schon früh angefangen, und es sei ja auch immer alles so schnell weitergegangen. Er war Chorsänger im Rundfunkchor, hat Trompete gelernt, weil "mich die hohen Barocktrompeten so fasziniert haben". Er war Solotrompeter der Wiener Philharmonie, hat an der Kammeroper Wien als Regieassistent gearbeitet.

Weil er mehr wissen und können wollte, studierte er Gesang, Schauspiel, Trompete und Opernregie. Er absolvierte Studien zur Musikwissenschaft, zum Kulturmanagement und zur Japanologie. Letzteres, weil in den 70er Jahren viele Japaner in Wien waren und er mehr über Land, Leute sowie deren Kultur wissen wollte. Auch sei er jetzt noch öfter in Japan künstlerisch tätig.

1979 hatte er sein solistisches Debüt mit Pappacoda in "Eine Nacht in Venedig". Engagements gab es mit insgesamt etwa 60 Partien von Buffofach bis zu Charakterrollen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei hat er auch "mitbekommen", dass Operettendarstellung ein anspruchsvolles Tun erfordert: "Da musst du singen, tanzen, schauspielern können und halbwegs attraktiv, zumindest charismatisch sein."

Als Regisseur hat Wolfgang Dosch über 30 Opern, Operetten und Musicals inszeniert. Die aktuelle Dessauer Arbeit ist seine Erstinszenierung "Der Zirkusprinzessin".