Die Zukunft der kleinen Grundschulen auf dem Land war Thema im Sozialausschuss. Es ging um die Mindestschülerzahlen für erste Klassen und darum, ob der Ausschuss die beiden gefährdeten Grundschulen noch einmal besuchen soll.

Zerbst l Schon mehrfach haben sich der Stadtrat sowie dessen Ausschüsse zum Erhalt der hiesigen Grundschulen ausgesprochen. "Meine Frage ist nun: Wollen wir unsere bestandsgefährdeten Grundschulen in Steutz und Walternienburg nochmal besuchen vor der Wahl oder nicht?", richtete sich Bernd Adolph (CDU), Vorsitzender des Sozialausschusses, am Dienstag an dessen Mitglieder.

Mit der im Mai anstehenden Kommunalwahl wird der Stadtrat neu gewählt, folglich wird sich auch die Besetzung seiner Ausschüsse ändern. Walter Elß (FDP) sprach sich dafür aus, den Besuch dem neuen Ausschuss zu überlassen. "Vielleicht gibt es im Frühjahr neue Erkenntnisse, braucht es eine neue Positionierung im Stadtrat. Jetzt wäre dieses Signal zu zeitig", war seine Einschätzung. Ruth Buchmann (FFZ) und Nicole Ifferth (UWZ) stimmten dem zu.

Heinz Reifarth (FDP) merkte an, den Sachverhalt differenzierter zu sehen. Jüngst gab es eine Diskussion in der Öffentlichkeit um die Mindestschülerzahlen zur Bildung der Eingangsklassen. Für Schulen im ländlichen Raum liegt diese Hürde bei zehn Schülern für das Schuljahr 2015/2016. Die Landesregierung plant jedoch die Mindestschülerzahlenverordnung, die diese Größenordnungen regelt, zu ändern. Dann sollen mindestens 13 Schüler notwendig sein, um eine Eingangsklasse zu bilden - Ausnahmeregelungen sollen weiterhin im Einzelfall möglich sein.

"Wenn absehbar ist, dass die Schülerzahlen kritisch sind, wäre ein Besuch noch vor Mai sinnvoll", so Reifarth. In diesem Fall sollte man die Schulen kontaktieren, um noch "einen Rettungsanker werfen zu können".

Jan Hädrich, leitender Sachbearbeiter in der Sozial-, Schul- und Sportverwaltung, nahm zum Sachverhalt Stellung. Derzeit werden die Anmeldungen der Erstklässler für das Schuljahr 2015/16 vorbereitet. "Für jenes Schuljahr erwarten wir basierend aufgrund prognostizierter Schülerzahlen zehn Erstklässler für die Grundschule in Walternienburg und 14 für Steutz", sagt Hädrich. Nach wie vor gelte eine Mindestschülerzahl von zehn Schülern.

"Im Fall von Walternienburg wäre über einen möglichen Ausnahmeantrag nachzudenken", so Hädrich. Da die Gesamtschülerzahl dort aber stimmt und auch die Mindestschülerzahlenprognose für den darauffolgenden Jahrgang, werde einem solchen Antrag wohl auch stattgegeben, sollte er denn gestellt werden. "Darüber entscheiden wir, wenn die Anmeldungen abgeschlossen sind", so Hädrich.

Erfahrungsgemäß stimmen die prognostizierten Zahlen nicht immer mit den Ist-Werten überein. Umzug, Zuzug, Förderbedarf oder die Wahl einer freien Schule - Gründe für eine Fluktuation gibt es viele. Wichtig sei zudem auch, dass sich die Eltern mit der Anmeldung ihrer Kinder an der Grundschule vor Ort mit für deren Erhalt einsetzen.

Marlies Behrens (FFZ) merkte an, dass sie den Kontakt zur L-Schule in Güterglück gesucht hat, zur Absprache eines Vor-Ort-Termines des Ausschusses. Nun soll die Zustimmung des Schulträgers, also des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, dafür eingeholt werden. Perspektivisch ist der Besuch für die April-Sitzung vorgesehen. Dann werden Schulräume zudem als Ausweichquariter für die Kita-Kinder genutzt, da die Güterglücker Einrichtung saniert wird. "Außerdem könnten wir uns auch gleich den neuen Turnhallenfußboden ansehen", waren sich die Ausschussmitglieder einig.

Des Weiteren sprachen sich die Ausschussmitglieder für den Besuch der evangelischen Grundschule aus sowie der Zerbster Ortsgruppe der DLRG. Die Mai-Sitzung wird im Wanderheim Grimme stattfinden. Dort wird es auch eine kleine Abschlussfeier des Ausschusses geben.