Walter Tharan wurde in diesem Jahr ein besondere Ehre zu Teil: Er war Gast auf dem Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue und erhielt einen Dank für sein ehrenamtliches Engagement.

Zerbst l Dem Bundespräsidenten einmal die Hand zu schütteln und ein paar Worte zu wechseln: Nur wenige Bürger können davon erzählen. Seit dem 9. Januar gehört der Zerbster Walter Tharan zu ihnen.

Neben Vertretern aus verschiedenen politischen Ebenen waren 60 Bürger eingeladen, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. "Wie genau es zu meiner Einladung kam, kann ich nicht sagen", meint Walter Tharan auf Nachfrage der Volksstimme. Der Vorschlag sei wohl von der Landesregierung oder der Staatskanzlei gemacht worden. "Zumindest waren verdienstvolle Bürger eingeladen und ich gehörte offensichtlich dazu."

"Mit Hilfe von einem Rollenspiel hat man uns die Abläufe beim Empfang verdeutlicht."

Doch mit der Einladung flatterten auch fünf Seiten eines Formulares ins Haus, die für seine Anmeldung am Neujahrsempfang notwendig waren sowie zehn Seiten, die das Protokoll, Verhalten und Kleiderordnung an jenem Tag regelten. "Zu Beginn der Verstaltung hatte bestimmt so mancher Respekt davor", schildert Walter Tharan seinen Eindruck.

Ins kalte Wasser musste aber keiner der Bürger springen. Sämtliche Gäste konnten bereits einen Tag vor dem Neujahrsempfang anreisen. "Mit Hilfe eines Rollenspiels hat man uns dann nochmals den Ablauf verdeutlicht. Das passiert auch alles in dem Raum und genau an den Orten, wo der Neujahrsempfang stattfand. Das half, um sich zurecht zu finden."

Drei Bürgern aus Sachsen-Anhalt dankte Joachim Gauck in diesem Jahr für ihr Engagement (siehe Infokasten). Walter Tharan war der einzige Ehrenamtler unter ihnen. "Etwa die Hälfte der Bürger waren Unternehmer, Gewerbetreibende oder anderweitig beruflich engagiert, die andere Hälfte waren ehrenamtlich Tätige." Die Gründe für die Einladung des 80-Jährigen hatte dieser mit seiner Einladung erhalten: "Walter Tharan aus Zerbst ist Vorsitzender des Förderkreises St. Nicolai Zerbst, der sich um die Rettung des Baudenkmals bemüht. Außerdem ist er Naturschutzbeauftragter für Biotoppflege im Biosphärenreservat ,Mittlere Elbe\'", war dort zu lesen.

"Ich habe mich mal umgesehen und ich war auch der einzige ehrenamtlich in der Denkmalpflege tätige Bürger dort", erzählt Tharan. Der Schwerpunkt lag eher auf dem sozialen Bereich.

Walter Tharan nutzte zudem die Möglichkeit, dem Bundespräsidenten ein Geschenk mitzubringen. Er überreichte ihm eines der Nicolai-Bücher samt kleiner Widmung. Man tauschte ein paar Worte aus. "Und wissen Sie, was er mir noch sagte: Grüßen Sie mir das schöne Zerbst!"

"Es wuselte und wimmelte nur so in den Salons beim Defilee."

Dem Dank an die Bürger folgte ein Defilee, an dem alle 220 Repräsentanten, Bürger wie Politiker, teilnehmen konnten. "Wir hatten dort zwei Stunden Zeit und alle wurden aufeinander losgelassen." Es gab rege Gespräche, "es wuselte und wimmelte in den verschiedenen Salons". Beispielsweise war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel da. Mit einem gemeinsamen Mittagessen klang der Neujahrsempfang aus. Dabei waren jedoch nur die Bürger samt Bundespräsident und Lebensgefährtin. "Es gab tollen Wein, ein tolles Essen. Es war erstaunlich. Und: Wir waren auf Kosten des Bundespräsidenten eingeladen. Selbst die Reisekosten brauchten wir nicht tragen."

Schon einen Abend später konnte Walter Tharan auf dem Neujahrsempfang des Zerbster Bürgeremeisters von seiner Berlin-Reise berichten. "Doch am Sonnabend war dann die Stimme ganz weg. Zwei solche Abende in Folge waren doch anstrengend. Aber solche Ereignisse lockern eben auch das Leben auf."