Zerbst l In der Tagesgruppe Hohenlepte wird eine Hilfeform für sozial benachteiligte und beeinträchtigte Kinder sowie deren Familien angeboten. Sie ist auf die ganzheitliche Entwicklung der jungen Menschen und Schaffung förderlicher Erziehungsbedingungen im Elternhaus gerichtet. Die Tagesgruppe bietet dem Kind und dessen Familie ein vernetztes Hilfeangebot von intensiver Einzelbetreuung, sozialer Gruppenarbeit, schulischer Förderung, freizeitpädagogischen Aktivitäten sowie nachhaltiger Elternarbeit an.

Melitta Ferchland leitet die Tagesgruppenarbeit in Hohenlepte. Die ausgebildete Lehrerin wurde nach der Wende kurz arbeitslos. "Aber ich wollte unbedingt etwas mit Kindern machen", benennt sie ihre Passion. Sehr schnell wurde sie von Ingeborg Gädicke, der Zerbster Leiterin des damaligen Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes" zur Teilnahme an einer ABM angesprochen. Die Maßnahme beinhaltete den Aufbau von "Hilfen zur Erziehung". Dies umfasste damals den Aufbau einer Tagesgruppe, der sozialpädagogischen Familienhilfe, von Streetworker-Stellen und der Mitarbeit im Müttergenesungswerk.

1993 übernahm der damalige DPWV (heute "Parität Sozialwerk Kinder und Jugendhilfe") weite Bereiche dieses ABM-Spektrums als reguläre Aufgabe mit vertraglicher Bindung an den Landkreis. Melitta Ferchland absolvierte ein Studium zur Diplom-Sozialpädagogin, besuchte zahlreiche Weiterbildungen. "Man muss zwingend den wechselnden Anforderungen gerecht werden können", sagt sie schlicht.

Die Tagesgruppe in Hohenlepte nimmt Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren auf. Die Kinder werden grundsätzlich vom Jugendamt des Landkreises zugewiesen. Sie sind häufig sehr zurückhaltend, haben wenig Selbstbewusstsein, keine häusliche Unterstützung, mangelnde Sozialkompetenz und häufig schlechte schulische Leistungen. In Einzelarbeit wird zuallererst Vertrauen aufgebaut. "Das ist die Basis aller weiteren Schritte", sagt Frau Ferchland. Kompetenztraining, Selbstvertrauen schaffen, und sehr auch die Arbeit mit den Eltern stehen im Mittelpunkt der mehrjährigen Betreuung. Das gemeinsame Zelten beispielsweise - ein Tagesgruppenprojekt - ist für Eltern wie Kinder häufig eine ganz neue Erfahrung. "Derartige gemeinsame Unternehmungen kommen in vielen Familien nicht mehr vor. Doch hier gilt: Wer im Zelt übernachten will, muss das Zelt aufbauen. Und dann liegt man eben auch eng nebeneinander. Wir haben häufig anfangs Skepsis, aber hinterher melden sich die Familien gleich fürs nächste Mal an."

Den Alltag trainieren

Die Sozialpädagogische Familienhilfe Köthen stammt aus Zerbst. Sie arbeitet nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Angebote richten sich an Kinder, Jugendliche und Familien, die sich in Krisensituationen befinden und die bei der Bewältigung alltäglicher Anforderungen Unterstu¨tzung benötigen. Dabei werden soziale Kompetenzen wie Selbständigkeit, Kreativität sowie Toleranz vermittelt. Vor allem die Fähigkeiten zum eigenverantwortlichen Handeln sollen gestärkt werden.

Leiterin Sylvia Pannicke ist über dieselbe ABM in den Bereich gekommen wie Melitta Ferchland, war zuvor Lehrerin der Polytechnischen Oberschule Lübs. Seit 20 Jahren trainiert sie nun Familien, die vom Jugendamt des Kreises zugewiesen werden, einen geordneten Alltag an. "Das geht bis zum Übern, wie man Wäsche wäscht. Wir kontrollieren beispielsweise auch die Kühlschränke, ob dort angemessene Nahrungsmittel vorhanden sind." Durchschnittlich 30 Familien mit etwa 50 Kinder werden so jährlich betreut.