Zerbst/Deetz l Stromkunden im Raum Zerbst werden aktuell offenbar von einer Telefon-Attacke zum Abschluss neuer Stromverträge überrollt. Andrea Friedrich, selbständige Vermittlerin von Strom- und Gasversorgungsverträgen in den Ortschaften von Zerbst, berichtete von ganz frischen Fällen. "Einzelne meiner Kunden, beispielsweise aus Gehrden, wurden telefonisch auf angebliche Probleme mit ihrem Stromzähler hingewiesen. Offenbar soll so der Zugang zum Stromzähler vorbereitet werden. Dies ist eine gebräuchliche Masche, um zu den Daten der Hausanschlüsse zu kommen."

Rechtlich kritisch ist zu bewerten, dass der Anrufer sich als "zuständiger Stromversorger", manchmal sogar als "Stadtwerke" ausgibt. Diese seriös besetzten Begriffe werden von den angerufenen, zumeist älteren Personen für echt gehalten. "Dann kommt jemand zum Grundstück, bekommt Zutritt zum Stromzähler, schaut sich irgendwas an und notiert sich die Nummer des Zählers."

Mit dem Namen, der Anschrift und der Nummer des Stromzählers können Stromanbieter einen Versorgerwechsel initiieren. "Zudem wird um Bestätigung mittels Unterschrift gebeten, dass der Zähler abgelesen oder inspiziert worden sei. Was die Leute dann nicht merken: Sie beantragen den Wechsel des Stromversorgers, weil dies auf dem Zettel nicht gleich zu erkennen ist oder sogar untergeschoben wurde."

Gestern wurde die Deetzerin, die in den Zerbster Ortschaften rund 1200 Kunden hinsichtlich der Versorgung mit Strom und Erdgas betreut, sogar selbst angerufen. Die Person habe sich als "ihr Stromversorger" vorgestellt. Hellwach fragte Frau Friedrich nach und bekam heraus, dass sie einen Vertreter von "Energy2day" am Telefon hatte. Die Energy2day GmbH aus München tritt unter dem Label SorglosStrom als Stromlieferant auf. "Als ich dann genauer wissen wollte, weshalb er anruft, hat er aufgelegt", berichtet Frau Friedrich.

Energy2day ist bereits 2010 aufgefallen, weil deren Neukunden-Akqise mit anrüchigen, unter Umständen unlauteren Mitteln erfolgte. "Rufen sie bei ihrem aktuellen Versorger zurück, ob auch stimmt, was ihnen am Telefon gesagt wird. Und nichts schnell mal unterschreiben!", warnt An-drea Friedrich.