Neue Fenster für die Kirche in Grimme sollen in Glasmalerei-Ausstellung in Naumburg gezeigt werden. Die Entwürfe stammen von Hubert Spierling.

Grimme l Wenn ab Juni im Naumburger Dom unter dem Titel "Glanzlichter - Meisterwerke moderner Glasmalerei" Werke von 30 der besten Glaskünstler Deutschlands zu sehen sein werden, dann sollen auch Kirchenfenster von Grimme dabei sein.

Der Kurator der Ausstellung, Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, der gleichzeitig Denkmalpfleger für die Region ist, hat St. Johannis als Modellraum auserkoren. Die Gestaltung der neuen Fenster wird kein anderer als Hubert Spierling übernehmen.

Spierling, geboren 1925 in Menden-Bösperde, ist einer der wichtigsten Glasmaler in Deutschland nach 1945. Er arbeitete mit bedeutenden Kirchenbaumeistern wie Hans Schilling, Rudolf Schwarz, Hans Schwippert und Emil Steffan zusammen. Abstrakte und figürliche Fenster stammen von ihm. Für die von Heinz Dohmen entworfene erste transportable Kirche Deutschlands, St. Hubertus in Krefeld, schuf er 1959/60 ein 24 Meter langes umlaufendes und bis zu 2,20 Meter hohes Glasband aus weißen, grauen und blauen Scheiben.

Zur Anschauung hatte Dr. Brülls ein Spierling-Fenster dabei am Sonnabend, als er vor Ort in St. Johannis zu Grimme war, um sich gemeinsam mit den Seniorchefs der Hein Derix KG, Werkstätten für Glasmalerei, Mosaik und Restaurierungen, den Modellraum, die Fenster, noch einmal anzusehen. In der Werkstatt in Kevelaer, dem für Wallfahrt und Kunsthandwerk bekannten Ort in Nordrhein-Westfalen, sollen die Fenster nach den Entwürfen des Glasmalers gefertigt werden. Dafür wurde nun bereits Maß genommen.

Für drei kleine und acht große Fenster in der Apsis des Gotteshauses wird es Entwürfe geben. Vier davon werden dann ausgeführt und in der Ausstellung im Naumburger Dom gezeigt. Danach besteht dann die Möglichkeit, dass diese Fenster auch tatsächlich nach Grimme kommen und in der Kirche eingesetzt werden, wenn die Akteure vor Ort das wünschen und die Mittel vorhanden sind. Ansonsten sind solche Ausstellungsstücke durchaus bei Sammlern gefragt, so Dr. Brülls.

Glanzlichter-Ausstellung vom 1. Juni bis zum 30. November

Der St. Johannis-Kirche würden die neuen Fenster gut zu Gesicht stehen und das Objekt aufwerten. Die St.-Johannis-Kirche ist eine typische Dorfkirche in romanischer Staffelung, in welche die Bewohner in unruhigen Zeiten flüchten konnten, da dieses Gebäude früher der einzige Steinbau im Ort war. Der 28 Meter hohe, mächtige Turm, ein Querriegel mit steilem Walmdach wurde im Jahr 1958 nach seinem teilweisen Einsturz zwei Jahre zuvor, restauriert, wobei die Schallöffnungen auch wieder die Rundbogenform erhielten.

Zwischen 1705 bis 1720 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche statt, deren Anlass der schlechte Zustand des Daches war. In diesem Zusammenhang bekam die Kirche auch größere Fenster. Einige romanische Fenster an der Nord- und Südseite sind in ihren Konturen noch gut zu erkennen. Aus dieser Zeit stammt auch die Inneneinrichtung.

Mit den vier Fenstern aus Grimme werden auch drei Nuthaer Glasmalereien (Volksstimme berichtete) in Naumburg vom 1. Juni bis zum 30. November zu sehen sein. Im Jahr 2012 wurden in diesem Rahmen Glasfenster für die Kirche in Gehrden entworfen.