Auf der Suche nach einem "kleinen, alten Haus in Zerbst, das wir wieder aufbauen wollten", wurden Michael Hanisch und seine Frau mehr als fündig. Inzwischen kümmern sie sich um die Rettung von fünf Gebäuden auf den Klosterhöfen.

Zerbst l Das sieht man dem Kleinen Klosterhof 21 nicht an. Hinter der schmalen Front des Hauses, das direkt an der Stadtmauer lehnt, verbergen sich 80 Quadratmeter Wohnfläche, zusätzlich ein kleiner Hof und ein Schuppen. Acht Meter lang ist das Haus und bietet, weil das Dach nach hinten raus angehoben ist, zwei Etagen. Noch läuft die Sanierung, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Mieter spätestens Weihnachten in seinem neuen Zuhause feiern. Es kann passieren, dass er seinen Weihnachtsbaum direkt vor der Zerbster Stadtmauer, die ein Teil des Hauses ist, aufstellt. Aber ob die Mauersteine sichtbar bleiben oder verputzt werden, ist noch nicht entschieden. "Wir haben schon den Gedanken, sie sichtbar zu lassen", erklärt Michael Hanisch, der den Zerbstern vom Kleinsten Haus der Stadt bekannt ist. Das hänge jedoch vom Zustand der Ziegel, die gerade noch unter Putz verborgen sind, ab und von der Wirkung im Haus. Sind die Steine ein Zugewinn für die Räume oder verdunkeln sie zu sehr und ist deshalb ein heller Putz wirksamer?

Ursprünglich hatten Michael Hanisch und seine Frau den Wunsch nach einem kleinen, alten Haus in Zerbst geteilt, das sie wieder aufbauen können. 1979 hatten sie ihre Hochzeitsreise in Quedlinburg verbracht, als dort gerade mit Restaurationen begonnen wurde. "Wie im Märchenland" seien sie sich vorgekommen und es habe sich damals "was im Kopf festgesetzt", das sich nach der Wende durch mehrere Besuche von Rothenburg ob der Tauber noch verstärkte. "Das Haus sollte klein sein, aber mit dem gewissen Etwas", erinnert sich Michael Hanisch. Im Kleinen und Großen Klosterhof in Zerbst wurden seine Frau und er auf insgesamt drei Objekte aufmerksam. Zum einen das heutige Gästehaus "Kleinstes Haus von Zerbst" im Großen Klosterhof und nebenan im Kleinen Klosterhof auf die 21 und schräg gegenüber die 22.

Einfach sei es nicht gewesen, die Eigentümer ausfindig zu machen, aber bei allen dreien mit Erfolg und der Erkenntnis, dass man sich einig werden könnte. Weil die Preise jeweils nicht hoch waren, stellten sie sich nicht der Qual der Wahl, sondern nahmen alle drei. "Wir hatten es beispielsweise in Quedlinburg, aber auch in anderen Städten gesehen, dass man mit viel Ausdauer und Engagement selbst aus bereits abgeschriebenen Objekten wieder etwas Tolles machen kann", sagt Michael Hanisch.

"Mit viel Ausdauer und Engagement kann man selbst aus bereits abgeschriebenen Objekten wieder etwas Tolles machen."

Dass sie überzeugt waren, "darauf kann man sich einlassen", hatte auch mit den in Aussicht stehenden Fördermitteln zusammengehangen. "Weil die Förderpolitik geändert wurde, haben wir jedoch nichts mehr abbekommen." Trotzdem entschieden sie sich, die Häuser zu behalten, wohlwissentlich, "die Objekte nach und nach aus eigener Kraft wieder herzurichten, wird eine Aufgabe für den Rest unseres Lebens". Mit anderen Worten: "So, wie Geld da ist und Zeit".

Allein mehr als zehn Jahre dauerte die Sanierung des Großen Klosterhofes 8. Für die anderen Häuser blieb währenddessen nur Zeit für das Nötigste, also die Vorsorge, dass der Verfall nicht weiter voranschreitet.

Wenn es sich Michael Hanisch hätte aussuchen können, wäre der Große Klosterhof nicht die Nummer eins bei der Sanierung gewesen, aber das Baugebot der Stadt verlangte es. "Dort hatte es schon provisorische Erhaltungsmaßnahmen gegeben, auch das Dach war in einem guten Zustand gewesen." Andere Objekte hätten es notwendiger gehabt.

Inzwischen hatten sich seine Sanierungspläne herumgesprochen. Und für den Kleinen Klosterhof 22 - vermutlich das kleinste zweistöckige Haus in Zerbst - drang bis zu Michael Hanisch vor, dass eine Blocklösung für die 22, 20 und 18 sinnvoll wäre. Die Grundstücke, teilweise auch ihre Aufbauten sind stark ineinander verschachtelt, dass sich die Nachbarn sehr genau untereinander abstimmen müssten, wann was und wie saniert wird, aber reibungsloser wäre es, wenn sich ein Bauherr allein darum kümmerte. "Ich hatte dafür ein offenes Ohr", sagt Michael Hanisch. Die Besitzer der 18 und 20 ebenfalls, sie boten ihm den Kauf an. "Ich konnte nicht widerstehen. ¿Das kriegen wir hin\', sagten wir uns."

Zwar ist Michael Hanisch kein Baufachmann, bringt aber als Ingenieur sowohl Wissen zu Statik als auch zu Werkstoffen mit. Bevor er sich mit seiner Frau der Rettung der alten Häuser verschrieben hat, las er Fachliteratur, sah sich Sanierungen vor Ort an und suchte das Gespräch mit Leuten, die bereits Sanierungen von denkmalgeschützten Gebäuden hinter sich haben.

Während im Großen Klosterhof 8 alles, was möglich war, in Eigenleistung entstand, kommen im Kleinen Klosterhof 21 mehr Firmen zum Zuge. Schließlich steht schon der künftige Mieter fest, der gern noch in diesem Jahr einziehen möchte. Und auch für die kleinen Häuser gegenüber ist Michael Hanisch nicht bange, dass sich keine Mieter finden werden. Er erhält immer wieder Anfragen. "Dass es weder Einfahrt noch Garage gibt, ist ein Nachteil, wenn man ein Haus haben will, aber die Häuser befinden sich mitten in der Stadt und haben keine großen Grundstücke, die man beackern muss." Ob Ehepaare, deren Kinder aus dem Haus sind, Leute, die nicht mehr in einem Mehrfamilienhaus wohnen wollen, die das Besondere suchen oder Hund oder Katze halten wollen, sind an den Häusern interessiert.

Wenn sich Michael Hanisch etwas wünschen dürfte, dann "das die Straße mal gemacht wird". Wie schlecht beispielsweise die Leute bei den Stadtführungen oder in privaten Gruppen dort laufen könnten, sehe er jedes Wochenende, wenn er an seinen Häusern arbeite.

www.kleinsteshausvonzerbst.wg.vu

   

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