Die jüngste Runde der Volksstimme-Aktion "Kennen Sie Ihre Heimat" führte wieder in das Umland. Die Tankstelle in Lindau zu erkennen, war eine leichte Aufgabe.

Lindau l Dass es sich bei dem alten Foto um die Tankstelle in Lindau handelt, daran gab es keinen Zweifel. Das hatten alle Anrufer richtig. Und es waren zahlreiche Anrufer am Donnerstag.

Da traute sich beispielsweise auch Helga Reinald anzurufen. "Ich habe noch nie so was mitgemacht", so die Zerbsterin. Detlef Teßmann aus Zerbst kam durch, ebenso Günther Zacharias aus Zerbst und Stefanie Gensch aus Lindau. Alle hatten keine Zweifel an dem gesuchten Objekt. Mehrere Anläufe durchzukommen nahm Helmut Lehmann, der von der Apotheke erzählte, die im Rücken des Bildes war, wo seine Tochter zeitweise arbeitete.

Aus Tochheim meldete sich Walter Kaufmann: "Lindau war immer Anlaufstelle, wenn an den zwei Tankstellen in Zerbst das Benzin ausverkauft war." Die Aufnahme müsse Ende 70er/Anfang 80er Jahre gemacht sein, meinte er, da es offensichtlich noch keine Helm- und keine Kennzeichenpflicht gab.

Zu seinen Motorradzeiten um 1960 war auch Helmut Morbach öfter in Lindau. Schließlich habe auch seine Tante dort gewohnt, erklärte der regelmäßige Heimatfoto-Rätselfreund aus Güterglück.

Aber auch die beiden kleinen Häuser, die durch die Tanksäulen auf der anderen Straßenseite zu erkennen sind, wurden von den meisten erkannt. Ingeborg Strauß aus Hobeck, die zur Arbeit immer durch Lindau fährt, wusste Bescheid, dass vorne die Seilerei Schmidt war. Sogar Verwandschaftsbeziehungen mit den Schmidts erläuterte Lothar Platte aus Schora. Wenn er Spargel aus Lindau hole, tanke er heute noch manchmal dort.

Von der Seilerei habe ihr Vater für seine Hausschlachtungen Stricke geholt, erinnerte sich Christa Bernau. "Der Herr Schmidt hatte rote Haare", fiel ihr ein, wurde aber "der blaue Seeler" genannt. Familie Kurth betrieb die Tankstelle. Dass die Familie später in den Westen ausreiste, war noch einigen anderen Anrufern bekannt, wie zum Beispiel Reinhard Apel aus Lindau. Zum Tanken konnte man gleich bis an die Bordsteinkante ranfahren, wo heute der Shop ist, war früher eine Schmiede.

An die Schmiede erinnerte sich auch Edith Bergt aus Lindau gut, ebenso daran, dass Tante Emma die Tankstelle betrieben hat und alle akribisch ins Buch schrieb, die nicht gleich bezahlen konnten.

Wie die Frau Kurth das Gemisch noch im Blecheimer gemischt hat, wusste Klemens Riedel zu berichten. Unterschiedliche Meinungen gibt es zu dem Herren auf dem Bild: Die Mehrheit identifizierte den ABV Wolfgang Wehe. Edith Bergt und Günter Sens meinten Paul Melzer zu erkennen, der immer nach Zerbst zum Volkspolizeikreisamt fuhr.

Gerald Anders rief quasi in eigener Sache an. Er wohnt auf dem Grundstück, wo früher die beiden kleinen Häuser standen, gleich gegenüber der Tankstelle. Ihm, wie auch Christa Bernau und Günter Sens, ist auch der traurige Vorfall im Haus von Ilse Kirchner, neben der Seilerei, in Erinnerung geblieben. Die Frau wurde ermordet, von dem Dieb, der in ihr Haus eingedrungen war.

Der Biber-Ticketgutschein geht heute an Reinhard Apel, der seinen Preis in der Redaktion in Zerbst abholen kann.

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