Was will denn eine Kosmetikerin im Tierheim, könnte man Marie Schmied fragen. Die Antwort ist einfach: Die junge Frau hatte genug von Pflegecremes und Nagellack. Im Zerbster Tierheim hofft sie neue Impulse für die Zukunft zu finden.

Zerbst l Eigentlich hatte sie sich schon als kleines Mädchen gewünscht, später mal mit Tieren zu arbeiten, sagt Marie Schmied. "Hier draußen mit den Tieren fühle ich mich viel wohler als im Salon." Tiere würden wenigstens nicht meckern und seien viel dankbarer, wenn man ihnen Zuneigung gebe. Das ist ein eindeutiges Statement. Es zeigt, dass es wohl so schnell kein Zurück in diese Kosmetikbranche geben wird.

Seit rund einem Monat ist Marie jetzt im Zerbster Tierheim als FÖJ\'lerin beschäftigt. FÖJ steht für Freiwilliges Ökologisches Jahr. Es soll Jugendlichen zwischen 16 und 26 Jahren Orientierung und Bildung außerhalb der Schule und Hochschule bieten. Wer einen Studienplatz in einem zulassungsbeschränkten Fach sucht und nicht die erforderlichen Abiturnoten mitbringt, kann sich sein FÖJ als Wartesemester anrechnen lassen.

"Ich wollte meinen Wunsch ausleben, mich um Tiere zu kümmern."

Für Marie sei es aber vor allem darum gegangen, sich ausprobieren zu können: "Ich wollte einfach mal was anderes kennenlernen und meinen Wunsch ausleben, mich um Tiere zu kümmern". Die Idee, ein FÖJ-Jahr zu absolvieren, hatte ursprünglich ihre Mutter. Die arbeitet nämlich im Umweltzentrum Ronney, wo ebenfalls FÖJ-Stellen angeboten werden. Mit Tieren wie Hunden und Katzen hat man dort allerdings eher weniger zu tun. Doch die Mutter erfuhr, dass das Zerbster Tierheim ebenfalls FÖJ-Stellen anbietet und empfahl ihrer Tochter, sich dort doch einfach mal zu bewerben. Gesagt getan. Es dauerte nicht lange, bis sich Zdenka Meinhardt, Leiterin des Tierheims, bei ihr meldete.

"Ich wurde gefragt, ob ich schwerpunktmäßig lieber mit Hunden oder Katzen zu tun haben will", berichtet Marie. Weil sie selber einen Hund hat, fiel ihr diese Entscheidung nicht schwer. "Aber eigentlich macht hier jeder alles und ich kümmere mich auch gerne um die Katzen und Kaninchen", verrät sie. Am liebsten, das steht für Marie fest, geht sie mit Hund Oskar spazieren. Demnächst steht dann auch der Gassiführerschein an: "Mit dem Gassiführerschein darf ich dann alleine mit den Hunden raus gehen", sagt sie. "Momentan ist es noch so, dass immer jemand Erfahrenes dabei sein muss". Derzeit wohnen zwölf Hunde im Tierheim.

Vermittlungen von Tieren hat Marie auch schon erlebt. Manchmal sei es ganz schön hart, einem liebgewonnenen Tier Lebewohl zu sagen. Zum Beispiel bei Mopsdame Lola, die mit ihrem sechsköpfigen Nachwuchs schnell zum Star im Tierheim wurde.

Erfahrungen mit dem so genannten Klicker-Training hat Marie schon gemacht. Dabei geht es darum, durch ein Klick-Geräusch das Verhalten eines Hundes zu beeinflussen. Zeigt das Tier erwünschtes Verhalten wie ¿Sitz\' oder ¿Bei Fuß\', ertönt ein Klick-Geräusch. Und es gibt ein Leckerli. Später kann das Leckerli weggelassen und nur noch mit dem Klicker gearbeitet werden.

Maries FÖJ im Tierheim dauert noch bis August. Wohin es danach gehen soll, weiß die junge Frau noch nicht. "Das muss ich mir noch gründlich durch den Kopf gehen lassen", sagt sie. "So einen Job macht man ja sein ganzes Leben lang."