Landrat Uwe Schulze (CDU) besuchte in Zernitz den Alpakahof. Schon einmal war er hier und übernahm die Patenschaft für ein Tier. Das ist längst verkauft. Dennoch bleibt er der Einrichtung treu.

Zernitz l Es gibt kaum ein weicheres Haar, als das von Alpakas. Die Kleinkamele aus Südamerika werden auch in unseren Breiten immer beliebter. Zahlreiche Züchter haben sich in Deutschland etabliert. Dazu zählt auch Familie Rühlich in Zernitz. Vor zehn Jahren begannen sie mit einigen Tieren die Zucht, erzählt Heidelinde Rühlich beim Besuch von Landrat Uwe Schulze in dieser Woche.

Heute haben sie 31 Alpakas auf dem Hof. Erst vor kurzem war Familie Rühlich wieder in Südamerika, um neue Tiere zu importieren, schildert sie. Mehrere Monate dauere es, bis die Tiere wegen der Quarantäne im Ausfuhrland sowie in der Bundesrepublik auf dem Hof stehen.

In Deutschland werden die Tiere fast ausschließlich wegen des Fells gezüchtet. Die Wolle der Tiere gilt mit als beste Faser, die die Tierwelt zu bieten hat. In Südamerika werden die Tiere dagegen auch gegessen, schildert Heidelinde Rühlich. In Zukunft könnte das Fleisch der Alpakas auch bei uns interessant werden, meint sie beim Besuch des Landrates. Kaum Fett setzten die Tiere an.

Nur gibt es für die Nutzung des Fleisches keine Industrie in Deutschland. Noch schwieriger sei es, kranke Tiere richtig zu behandeln, schildert sie weiter. Denn zugelassene Medikamente für Alpakas gebe es ebenfalls nicht. In Südamerika gibt es dagegen Medikamente für die Tiere. Die Grundstoffe dazu würden ausgerechnet von großen deutschen Unternehmen produziert. Hierzulande behelfen sich die Züchter damit, Medikamente einzusetzen, die bei Schafen und Ziegen wirksam sind.

Rund 30 Jahre alt können Alpakas werden. Große Ansprüche an die Nahrung stellen die Tiere nicht. Mit Gras sind sie zufrieden. Äpfel oder Mohrrüben sollten die Tiere nicht bekommen, sagt die Züchterin. Noch schlimmer sei Brot. Ein altes Sprichwort besage, dass mit Brot die Tiere getötet werden, schildert sie.

Bei der Nutzung der Wolle machen die Züchter ebenfalls feine Unterschiede. Zwei bis drei Qualitäten der Wolle gebe es, beschreibt sie weiter. Für die Pullover oder Socken würden nur die besten Qualitäten verwendet.

Die Eigenschaften der Wolle sind es, die die Nutzer begeistern. "Waschen brauchen sie das eigentlich nicht", erklärt Heidelinde Rühlich. Was aus der zarten Faser alles gemacht werden kann, demonstriert sie an verschiedenen Textilien auf dem Tisch. Die Wolle schicke sie zu Textilfirmen, die dann Bettfüllungen daraus herstellen, zeigt sie. Inzwischen sei es aber auch kein Problem mehr, Kissen aus dem Material herstellen zu lassen.

Die Fasergüte lassen die Züchter in einem Labor in den USA untersuchen, schildert sie dem Landrat. Die Qualität der Fasern sei den Züchtern wichtig.

Das fange bei der Farbe der Wolle an. Früher seien vor allem weiße Alpakas gezüchtet worden, weil die Industrie nach weißer Wolle verlangt habe, die sich gut färben ließe. Heute versuchen die heimischen Züchter, den gewünschten Farbton bereits am Tier zu züchten. Das sei sehr schwierig, erzählt sie. Denn der einst eingezüchtete weiße Farbton sei sehr dominant.

Die Menschen in Zernitz lieben die kleinen Kamele, schildert sie. Beinahe täglich schauen die Menschen bei den Tieren im Außengehege vorbei. In den vergangenen zehn Jahren habe die Zahl der Züchter in der Bundesrepublik auch zugenommen. Auf der Grünen Woche hat Heidelinde Rühlich den Landkreis erst für einige Tage vertreten. Da das kleine Familienunternehmen auch eine Ferienwohnung habe und somit touristisch etwas anbiete, wünsche sie sich mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet, sagt sie.

"Jeder arbeitet nur für sich", beschreibt sie ihre Beobachtung. Auch wenn der Landrat die Tourismusentwicklung auf einem guten Weg sieht, fordert sie mehr Engagement in der Zukunft. Die verschiedenen Verbände machten noch zu wenig aus den vielen Angeboten, schätzt sie ein. Wie in anderen Urlaubsländern müssten die Angebote gebündelt werden, damit die potenziellen Urlauber dies auch finden, ist sie überzeugt.

Für die Erweiterung des touristischen Angebotes sei sie einst finanziell unterstützt worden, erklärt sie weiter. 2009 habe das EU-Programm Leader ihr unter die Arme gegriffen beim geplanten Ausbau eines Raumes. Mit der Förderung habe sie nun einen Raum, in dem sie Gäste empfangen könne. Außerdem gebe es Besuchertoiletten.

Etabliert hat sie mit Gleichgesinnten den ostelbischen Spinnkreis. Regelmäßig treffen sich vor allem Frauen auf dem Alpakahof, um gemeinsam Wolle zu verarbeiten. Noch sei es aber schwer, hier weitere Mitstreiter aus dem heutigen Nachbarkreis Jerichower Land zu finden, erklärt sie. Über die Elbe hat sich die regelmäßige Zusammenkunft schon herumgesprochen.

Nach dem Smalltalk schaut sich der Landrat die Tiere an. Neugierig sind die Alpakas schon. Nur anfassen lassen sie sich weniger gern. Trotzdem gelingt es Heidelinde Rühlich, eines der Tiere zu packen. Dass die Streicheleinheiten dem Tier weniger gefallen, ist ersichtlich. Nur mit Mühe können Uwe Schulze und Heidlinde Rühlich das Tier halten.

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