Michael Jackson war der King of Pop. Der gebürtige Zerbster Siegfried Fink wird in einem Nachruf auf ihn "Percussions-Papst" genannt. Seine Idee, das Trommeln und die Pädagogik miteinander zu verbinden, machte ihn weltberühmt. Heute wäre Fink 86 Jahre alt geworden.

Von Franziska Werner

Zerbst l Einer, der sich noch gut an Siegfried Fink erinnern kann, ist Musikschulleiter Rainer Gräßler: "Er war ein Mensch, mit dem man gern zusammen war." 1999 hat er Siegfried Fink kennengelernt. "Anfangs war er für mich einfach nur ein sehr freundlicher älterer Herr, immer so ein bisschen über den Dingen stehend", erinnert sich der Musiklehrer. "Später entwickelte sich unser Verhältnis zu einer Freundschaft, trotz des Altersunterschieds. Wir telefonierten ab und zu und er kam auch oft nach Zerbst zu Besuch."

Im Alter von 20 Jahren begann Fink in Weimar ein Musikstudium. Es dauerte bis 1951. Später folgten diverse Engagements als Orchestermusiker in Weimar und Magdeburg. 1958 entschieden der Musiker und seine Frau Traudel, in den Westen zu fliehen. Fink spielte nämlich auch Jazz-Musik, was dem DDR-Regime nicht gefiel. "Er hat mir mal erzählt, wie er später im Westen in amerikanischen Kasernen zusammen mit einem Freund vor den Soldaten gejazzt hat", erinnert sich Rainer Gräßler.

An der Schleswig-Holsteinischen Musikakademie unterrichtete Fink dann Percussion und Jazz, machte sich als Solist und Dozent einen Namen und kam schließlich 1965 an die Musikhochschule in Würzburg. Bald darauf hatte er den ersten Lehrstuhl für Schlagzeug in Deutschland inne und verfasste zahlreiche Lehrbücher zum Erlernen von Percussions-Instrumenten.

"Jeder Schlagzeuger auf der Welt hat schon mal einen Fink gespielt", ist sich Gräßler sicher. Die amerikanische "Percussive Arts Society", also die Gesellschaft für Schlaginstrumente, listet Siegfried Fink auf ihrer Internetseite als einzigen deutschen Musiker in einer "Hall of fame". Sie soll an bereits verstorbene Musiker erinnern, die Großes für die Percussion geleistet haben. "Viele von denen, die bei Siegfried Fink studieren konnten, sind heute an der Weltspitze angelangt", sagt Rainer Gräßler. Darunter seien Musikprofessoren und Profi-Schlagzeuger bekannter Ensembles.

Der Nachwuchs sei dem Musiker immer wichtig gewesen, betont Gräßler. "Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass das Schlagzeug als eigene Kategorie bei `Jugend musiziert` eingeführt worden ist." Obwohl er nicht lang in Zerbst gelebt hatte, habe er immer an seiner Heimatstadt gehangen. "Ihn interessierte, was hier an der Musikschule passiert. Er war ein Förderer unserer Einrichtung."

Gut erinnern kann sich Gräßler noch an ein Ereignis aus dem Jahr 2000. Siegfried Fink und Musikschüler aus ganz Sachsen-Anhalt waren damals zu Besuch in Zerbst. "Fink hatte hier Trommel-Workshops angeboten. Das war ein ganz besonderes Ereignis für die Schüler", glaubt der Musiklehrer der Kreismusikschule.

Ganz besondere Erinnerungsstücke an den "Percussions-Papst" bewahrt sich die Musikschule in ihren Unterrichtsräumen: Dort stehen Bongos, Kongas und Rasseln, die einmal Siegfried Fink gehört haben. Sie werden bis heute von den Schülern gespielt.