Anwohner im Bereich Käsperstraße-Wäschkeweg-Friedensallee haben Abwasserprobleme. Zuletzt bei einem Starkregen im September 2013 staute es in die Keller zurück. Das Problem wurde geschildert, die Ursache bis heute nicht gefunden.

Zerbst l "Ursprünglich wollten wir keinen öffentlichen Druck machen. Wir hatten die Hoffnung, dass die behördlichen Stellen schnell eine Lösung finden", sagt Bernd Hünecke. Reichlich desillusioniert wandte er sich vor knapp drei Wochen als Sprecher einer Bürgerinitiative an die Mitglieder des Zerbster Stadtrates. Dort wird seither diskutiert, aber eine Lösung ist bislang nicht in Sicht.

In der Käsperstraße, der Gartenstraße, der Friedensalle und vor allem im Eigenheim-Siedlungsbereich von Schillerstraße und Wäschkeweg drückt bei extremem Niederschlag das Abwasser zurück. In der Nacht vom 9. zum 10. September so stark, dass in nahezu allen Kellern der Eigenheim-Doppelhaushälften von Schillerstraße und Wäschkeweg am Morgen rund fünf Zentimeter hoch Abwasser stand. "Wie kann das sein?", fragt auch Anwohner Walter Tharan. Immerhin ist die Kanalisation vergleichsweise neu und nach aktuellen Maßgaben errichtet worden. In dem Wohngebiet gibt es getrennte Abwasser- und Regenkanalsysteme. "Wie kommt die Brühe rückwärts aus dem Abwasserkanal in unsere Keller?"

Für Tharan wie Hünecke gilt als sicher, dass es sich seinerzeit um ein Abwasser-Regenwassergemisch gehandelt haben müsste. Folglich müssten beide Systeme eine Verbindung haben. Möglich wäre, dass analog zu früheren Praktiken auch aktuell noch Grundstücke ihr Oberflächenwasser nicht in den Regen-, sondern den Abwasserkanal einleiten. Bei extremen Mengen drückt daraufhin das Abwasser in die tiefsten Bereiche der Grundstücke zurück. Eine andere Möglichkeit: Einzelne Deckel der großen runden Abwasserschächte in den Straßen dieses Bereiches liegen vielleicht tiefer als die Straße selbst. Dadurch können durchaus respektable Mengen Regenwasser direkt durch die Entlüftungsöffnungen der Deckel ins Abwasserkanalnetz gelangen.

Die beiden ärgert besonders, wie ihnen im November 2013 begegnet wurde. Eine Entgegnung während der Abwasserzweckverbandsversamlung lief darauf hinaus, dass sie eben Pech hätten, wenn sie ein Grundstück in einer solchen Gegend bewohnen. Der Abwasserzweckverband sei nicht in der Lage, zu prüfen, ob und wo es illegale Regenwassereinleitungen gibt. Man dürfe nicht auf die Grundstücke. Dazu Hünecke: "Der Verband ist dazu verpflichtet, Abwasser ordnungsgemäß zu beseitigen. Dazu ist er auch ermächtigt, zu Kontrollzwecken auf die Grundstücke zu gelangen. Das macht sicher Mühe, aber schließlich muss ein erhebliches Problem gelöst werden!"

Die Keller-Überschwemmungen im September waren nicht die ersten, berichtete Tharan. "Wir schauen intensiv nach dem Wetter. Ist starkregen angekündigt, dann wird vor dem Zubettgehen letztmalig die Toilette aufgesucht, anschließend die Rückstauklappe im Abwasseranschluss verriegelt. Dann kann keiner mehr aufs Klo. Doch wie oft bekommt man den Niederschlag im Schlaf gar nicht mit? Und dann ist es passiert."

Auch automatische Rückstauklappen würden vor solchen Überraschungen nicht sicher schützen. "Wenn der Rückstau langsam geschieht, also bei geringer Strömung, dann verschließen die nicht sicher. Das mussten viele der hiesigen Bewohner schon feststellen."

Im Auftrag der städtischen Bauverwaltung - sie ist für das Oberflächenentwässerungssystem zuständig - wurden die Kanäle im angegebenen Bereich bereits untersucht. "Alles in Ordnung", erklärte Bernd Köhler, der Leiter Bauverwaltung. Dies war auch erwartet worden - immerhin sind die Rohre im Bereich Wäschkeweg/Schillerstraße noch keine 20 Jahre alt.

Heute soll nach Auskunft der Heidewasser GmbH - sie bewirtschaftet im Auftrag des Abwasser- und Wasserzweckverbandes die Abwasserkanalisation in Zerbst - eine Beratung mit dem Zerbster Bürgermeister zum weiteren Vorgehen stattfinden. Möglicherweise wird demnächst überprüft, ob es in dem bereich zu illegalen Einleitungen von Oberflächenwasser ins Abwassernetz kommt. Dies wäre ein weiterer Schritt, um die tatsächliche Ursache zu finden. Tharan: "Hoffentlich bezieht man jetzt die Bürgerinitiative mit ein. Wir hatten darum gebeten. Aber wie auch immer: Die Ursache muss gefunden werden. Die Frühjahrsniederschläge stehen bevor."