Es ist nur ein kleiner Pieks, doch immer weniger Menschen sind nach Einschätzung vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) bereit zur Blutspende. Peter Stoye vom Zerbster DRK war deshalb froh, dass so viele junge Menschen gestern zur Spende in die Volksbank kamen.

Zerbst l "Dass soviel los ist, ist erfreulich, aber keineswegs die Regel", erklärte Peter Stoye im Foyer der Volksbank. Dort werden die Spender aufgenommen und müssen dann erstmal einen Fragebogen ausfüllen. Ob man sich gesund fühlt, wird darauf zum Beispiel gefragt, oder ob man als Frau momentan schwanger sei. Dann nämlich darf man kein Blut spenden. Der Reihe nach werden die Spendewilligen danach zu dem Raum mit den Liegen geführt.

Joachim Droste war zum ersten Mal zur Blutspende gekommen. "Ich wollte das immer schon mal machen", berichtete der Zerbster. "Mir kam immer etwas dazwischen, aber heute habe ich mir gedacht, jetzt machst du ernst." Wenn man selbst in die Situation käme, eine Blutkonserve zu benötigen, sei es schließlich ein beruhigendes Gefühl, auch schon einmal Blut gespendet zu haben.

Elvira Redlich aus Zerbst spendete zum 75. Mal ihr Blut

Eine "alte Häsin" im Blutspenden ist hingegen Elvira Redlich. "Meine erste Blutspende, die ist ewig her", winkt die 49-Jährige ab. "Damals war ich noch in der Lehre, die Kolleginnen sind gegangen und da haben sie mich einfach mitgenommen." Seit Elvira Redlich Kraftfahrerin ist, denke sie des öfteren darüber nach, einen Unfall im Straßenverkehr haben zu können. "Mir könnte jeden Tag etwas passieren, da wäre ich doch auch froh, durch eine Blutkonserve Hilfe zu bekommen", begründet sie ihr Engagement. Zum 75. Mal hatte die Zerbsterin gestern ihr Blut gespendet. "Eine vorbildliche Leistung", fand Roswitha Springer vom DRK in Dessau.

In Dessau gibt es eine zentrale Blutbank, die, gemeinsam mit anderen Blutbanken im Bundesland, das gesamte Sachsen-Anhalt mit Konserven versorgt. Innerhalb von 42 Tagen muss eine Konserve verbraucht werden. Nachdem sie den Spendern abgezapft wurde, wandert die Plastiktüte in einen grauen Plastikkasten und wird bei 20 Grad gelagert.

"Großen Bedarf gibt es vor allem bei der Blutgruppe Null negativ", sagte die Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit. Diese Blutgruppe ist so besonders, weil sie mit allen anderen Blutgruppen kompatibel ist. Das heißt: Wer Blutgruppe A, B oder AB hat, verträgt auch die Infusion mit Blut aus der Gruppe Negativ Null. Nur neun Prozent der Weltbevölkerung sind Träger dieser speziellen Blutgruppe.

Altersgrenze zum Blutspenden wurde aufgehoben

Was wenig bekannt sei: Vor vier Jahren habe das DRK deutschlandweit die bis dahin geltende Altersgrenze für Blutspender aufgehoben: "Seit dem dürfen auch Menschen, die älter sind als 68 Jahre, ihr Blut spenden", betonte Springer. Das Mindestalter für die Spende beträgt 18 Jahre.

"Die älteren sind unsere treuesten Spender", ergänzte Peter Stoye. Wer sich als Blutspender registrieren lässt, bekommt vom DRK eine persönliche Einladung, wenn neue Spendetermine anstehen. "Das ist der beste Weg der Werbung", fand er. Dennoch ist die Zahl der Menschen, die zur Blutspende gehen, rückläufig. "In Loburg kamen früher mehr als 100 Spender", wusste der Mann vom DRK zu berichten. "Heute sind wir schon froh, wenn wenigstens noch 40 kommen."

In der Region Zerbst 1704 Blutspender im Jahr 2013

1704 Menschen aus den Ortschaften Lindau, Leitzkau, Loburg, Güterglück, Nedlitz und der Stadt Zerbst gingen im Jahr 2013 zur DRK-Blutspende.

In Nedlitz findet seit diesem Jahr zum ersten Mal kein Blutspendetermin statt. Der Grund: Die Nachfrage ist zu gering. "Wir kommen in der Regel in einem Team von neun Personen", erläuterte Stoye. "Das lohnt sich nicht, wenn dann nur 16 oder 17 Leute zur Spende kommen." Er hoffe jedoch, dass die nach wie vor spendewilligen Nedlitzer auf Termine in anderen Orten ausweichen würden.

Ihre dritte Blutspende hatte gestern Arzthelferin Stefanie Hinkel abgegeben. "Blutspenden sollte selbstverständlich sein, das ist doch für den guten Zweck und jeder kann doch in die Lage kommen, eine Spende zu brauchen", fand die 24-Jährige. Ihre Eltern gingen deshalb seit Jahren zur Spende.