Forderungskatalog aus Anhalt-Bitterfeld

Elb-Bereiche:


  • Ertüchtigung des Hochufers zwischen Aken und Dessau: Vorplanung liegt dem Landesverwaltungsamt vor

  • Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlagen im Elbe-Saale-Winkel: erfolgt



  • Schaffung von Hochwasserschutzeinrichtungen für die Orte Diebzig, Kühren, Mennewitz: ist offen

  • Überarbeitung/Anpassung des Betriebsregimes Schöpfwerk Aken einschließlich Sicherung des Betriebs auch bei Hochwasser: ist offen


Mulde-Bereiche:

  • Bau eines Deiches bei Jeßnitz: Baubeginn im Frühjahr

  • Deichneubau Altjeßnitz: Unterlagen für Planfeststellungsverfahren seit Dez. 2013 im Landesverwaltungsamt -Deichneubau Retzau: Unterlagen für Planfeststellungsverfahren seit Okt. 2013 im Landesverwaltungsamt

  • Deichstabilisierung von Landesgrenze Sachsen bis Pouch und von Muldestauseeauslauf bis Bahnlinie: wurde durch Landrat angemahnt


Gewäserverbund Seelnhausener See/Goitzsche/Leine:

  • länderübergreifendes Management des Gewäserverbundes: wurde durch Landrat angemahnt -Polder Rösa: 800 Meter Deich 2013 errichtet, Fortsetzung Frühjahr 2014

  • Polder Löbnitz einschl. Erweiterung und Nutzung Seelnhausener See bei Extremhochwasser: muss in Sachsen erfolgen

  • Reparatur Deichbruch am Lober-Leine-Kanal: Baustraße errichtet, wird fortgesetzt -Steuerbarer Überlauf vom Seelnhausener See in die Goitzsche: ist offen

  • Damm zwischen Seelnhausener See und Goitzsche: ist offen

  • Verbesserung zweiter Abfluss Goitzsche in Mulde: offen

  • Goitzsche nicht als Hochwasserspeicher vorsehen: ist offen

  • Leineabsperrbauwerk mit Schöpfwerk: Baubeginn im Frühjahr

  • Koordination/Realisierung von Schutzmaßnahmen mit dem LMBV und deren Kompetenzerhalt in beiden Bundesländern: Forderung an Bund-Länder-Kommission

Köthen l Von den insgesamt 1300 Kilometern Deich sind seit 2002 die Hälfte nach den allgemeinen Regeln der Technik saniert oder ertüchtigt worden. Dies und mehr berichtete Brigitte Taake, Landtagsabgeordnete aus Köthen, als Mitglied des Sonderausschusses Hochwasser jüngst dem Landwirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages Anhalt-Bitterfeld. Und: "Die neuen und ertüchtigten Deiche haben beim Juni-Hochwasser gehalten."

Gut für die Menschen, die dort leben. Für die Akener beispielsweise kam es vor acht Monaten knüppeldick: Aus Richtung Dessau und von der Saale her wurde die Stadt an der Elbe von hinten überschwemmt. Die Wellen schlugen hoch, als dann auch noch das Schöpfwerk bei Aken abgeschaltet wurde. Kompetenzgerangel und eben auch eine völlig offene Flanke zwischen Dessau und Aken brachten die Leute auf.

Heute herrscht zu manchem Klarheit. Dieser seit Jahren ungepflegte Wall im Wald bei "Mutter Storm" wurde nunmehr zum Deich erklärt, womit auch die Zuständigkeit dafür dem Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft obliegt.

Die Schäden in Aken sind dennoch nur ein Teil der Gesamt-Misere. Allein an wasserwirtschaftlichen Anlagen in Anhalt-Bitterfeld entstand Schaden von rund 42,4 Millionen Euro, zählte Taake auf. Zudem ist noch offen, was neue, stärkere Schutzeinrichtungen wohl kosten werden.

Von denen braucht Anhalt-Bitterfeld besonders im Süden einige. Der Landkreis hatte im Dezember einen Forderungskatalog an das Landesumweltministerium geschickt (siehe nebenstehenden Info-Kasten). Neben Aken ist vor allem im Bereich der Wasser-Konstellationen zwischen Seelnhausener See (Sachsen), Goitzsche und Lober-Leine-Kanal zu betrachten. Der mit 78 Metern permanent drei Meter höhere Seelnhausener See hatte sich in die Goitzsche ergossen, nachdem auf sächsischem Gebiet ein Damm gebrochen war. Die Dimensionen waren gewaltig: Der Seelnhausener See stand bei 84,29 Meter, ehe das Ufer Richtung Goitzsche brach.

Der Bereich braucht mehrere Bauwerke, um vor Derartigem geschützt zu sein. Braucht einen zweiten Deich zwischen den Seen beispielsweise. Und wegen der Befestigung der Deiche in Sachsen muss überlegt werden, ob die hiesigen Mulde-Deiche ebenfalls verstärkt werden müssten. Dies und zahlreiche weitere Forderungen hat Landrat Uwe Schulze (CDU) in der vorigen Woche dem Umweltministerium geschrieben.

Bernd Wesenberg (B90/Grüne) fragte nach, ob die Sachsen nicht ohnehin eifriger beim Deichbau seien als Sachsen-Anhalt. Diane Gardyan, Leiterin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, verwies auf 2002. "Wir hatten seither verstärkte Anstrengungen, weil hier die vorhandenen Deiche repariert wurden. In Sachsen wurden Planfeststellungsverfahren begonnen und man kam vor Ort nicht weiter. Das holen die jetzt nach." Gardyan hatte zuvor den Ablauf der Katastrophenzeit geschildert und so geendet: "Wir wünschen uns Derartiges nicht wieder, aber mit den Leuten, die wir hatten, meistern wir jedes Hochwasser."