Der Frust sitzt bei den Kleingärtnern "Am Wasserturm" nach der Einbruchsserie am Wochenende tief. Mit brachialer Gewalt wurden unter anderem Türen und Fenster beschädigt. Der Schaden liegt wohl im fünfstelligen Bereich.

Zerbst l Das Vorhängeschloss hängt unversehrt in der Schlaufe des Türriegels. Der Kleingarten ist trotzdem frei zugänglich. Auf dem Türholz klebt noch der Sand, wohl hinterlassen von den Tritten, mit denen der Weg freigemacht wurde. In einem gegenüberliegenden Garten fiel die Gewalt nicht weniger brachial aus: Dort wurde ein Betonpfeiler niedergerissen, um aufs Grundstück zu gelangen.

Nach bisherigem Stand sind die Täter in rund 20 Kleingärten der Anlage "Am Wasserturm" eingedrungen. "Ich habe am Freitagnachmittag gegen 16.30 Uhr die große Tür abgeschlossen. Da war noch alles in Ordnung", sagte gestern Wilhelm Becker.

Als Heiko Cyriack am Sonnabendmorgen mit seiner Partnerin Jana Hoffmann, die Mitglied des Vereinsvorstandes ist, unterwegs in die Anlage war, weil Baumarbeiten anstanden, klingelten bei ihnen das Handy. "Als wir ankamen, haben wir es dann mit eigenen Augen gesehen. Das Tor war aufgebrochen und auf dem Weg zum Vereinsheims sahen wir überall die Spuren, die die Täter hinterlassen haben", sagte Heiko Cyriack. Ein Fensterflügel wurde bei ihnen zerstört. In die Laube einzudringen, gelang den Unbekannten jedoch nicht. Dass sie es versucht haben, zeigten der Fußabdruck auf der Scheibe und die Einbruchsspuren an der Tür.

Nebenan beim Schwiegervater gelang es, die große Fensterscheibe einzutreten. Der angerichtete Sachschaden ist erheblich. Schräg gegenüber tobten sich die Täter am Swimmingpool aus. Zerbeult und löchrig steht das Becken hinter dem Zaun.

Diverse Hauswasserpumpen fehlen in den Gärten, auch Leergut und Werkzeuge werden vermisst. "Wo die Täter in die Laube eingestiegen sind, sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld", sagte Heiko Cyriack. Es sei ja nicht nur der materielle und finanzielle Schaden, der die Kleingärtner belaste, sondern auch der emotionale Stress. "All die Liebe, die man in seinen Garten steckt." Viele Vereinsmitglieder sind seit Jahrzehnten aktiv. "Die nehmen einem noch die Lust", beklagte einer gestern Vormittag in der Anlage.

Für den Kleingartenverein "Am Wasserturm" mit rund 240 belegten Kleingärten ist die Zerstörungswut der Unbekannten ein trauriger Start ins Jubiläumsjahr. Das 110-jährige Bestehen ihres Vereins feiern die Kleingärtner in diesem Jahr. Sie sind nach eigenen Angaben die größte und älteste Kleingartenanlage in der Stadt.

Zuvor hatten Einbrecher im November die Anlage "Am Wasserturm" heimgesucht und waren in mehrere Bungalows eingebrochen.

Betroffen sind nicht nur genutzte Kleingärten, sondern auch welche, für die es derzeit keinen Pächter gibt, für die andere Kleingärtner aber die Patenschaft übernommen haben, also den Rasen mähen oder Bäume beschneiden.

Am Sonnabendmorgen riefen Heiko Cyriack und Jana Hoffmann gleich die Polizei. Zwei Beamte nahmen den Schaden auf. Später kam die Kriminalpolizei zur Spurensicherung und hatte bis zum Nachmittag in den Kleingärten zu tun. Auch ein Fährtenhund kam zum Einsatz.

"Es ist ein beträchtlicher Sachschaden entstanden", stellte Heiko Cyriack fest. Er kritisierte, dass bei der Polizei zu viele Stellen abgebaut wurden. "Die Sicherheit der Bürger und der Schutz ihres Eigentums wird vernachlässigt."

Zwar konnten am Sonnabend wie geplant die Baumarbeiten ausgeführt werden, weil dafür Leute zur Verfügung standen, aber nicht nur für Heiko Cyriack und Jana Hoffmann verlief der Sonnabend anders als geplant. Sie mussten Material heranschaffen, um kaputte Fenster abzudichten, das Eingangstor zu reparieren und dort, wo es möglich war, schon einmal ein bisschen Ordnung zu schaffen.

Der Polizei liegen nach wie vor 18 Anzeigen von Kleingärtnern am Wasserturm vor. Inzwischen zeichnet sich ab, dass die erste Schadenschätzung von 5000 Euro bei weitem nicht ausreicht. Konkrete Angaben werden in den nächsten Tagen möglich sein.

Bilder