Der K-Wagen-Rennsport hatte in den 1970-er Jahren auch in Zerbst eine Hochburg. Ausgehend von der Station junger Techniker wurden im Eigenbau entstandene Fahrzeuge zu DDR-weiten Wettkämpfen an den Start gebracht. Sechs werden derzeit ausgestellt.

Zerbst l Im Kunstfenster auf der Breite in Zerbst gibt es erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder ein Zusammentreffen von sechs K-Wagen aus DDR-Zeiten. Die Fahrzeuge waren beginnend 1969 in der Zerbster Station junger Techniker gebaut worden und dienten zur Teilnahme an K-Wagen-Rennen.

Die Zerbster feierten seinerzeit beeindruckende Erfolge. Zahllose Bezirks- und sogar DDR-Meister stammen aus der Mannschaft um Bernd Falkenberg und Wolfgang Albert. Vor allem Bernd Falkenberg machte sich um die Entwicklung der K-Wagen-Technik verdient. Seinerzeit traten die Rennteams ausnahmslos mit selbst entwickelten Fahrzeugen an. "Keine leichte Aufgabe angesichts der Schwierigkeiten, an Material heranzukommen", blickt Falkenberg zurück. Insbesondere im damaligen Betriebsteil Zerbst des VEB Geologische Forschung und Erkundung fanden die Zerbster erhebliche materiell-technische Unterstützung.

Der Zerbst-typische Stahlrohrrahmen mit seinem ausgeklügelten System aus Versteifungselementen war damals bekannt. Aber auch weitere technische Innovationen wie die von Falkenberg entwickelte hydraulische Scheibenbremse sorgten für die Erfolge. "Kurz nachdem wir die Scheibenbremsen an den K-Wagen im Einsatz hatten, kam diese Technik auch international im Motorradbau auf. Bis dahin wurde ausschließlich mit Trommelbackenbremsen gebremst", so Falkenberg. Er selbst war dreimal DDR-Meister auf einem 50-Kubikzentimeter-K-Wagen aus eigener Fertigung. "Aber allein war das natürlich nicht zu schaffen. Gerade beim Bau hatte ich große Unterstützung", verwies Falkenberg auf die unbedingt nötige Teamarbeit und den Zusammenhalt unter den Entwicklern. Er selbst hatte sich "dreimal in der Werkstatt zum Geburtstag gratulieren lassen. Der Fahrzeugbau hat uns ganz schön in Beschlag genommen."

"Der Auspuff hat erheblichen Einfluss. Das war eine Wissenschaft für sich."

Bernd Falkenberg

Ende der 1970-er Jahre versiegte der Eifer der Zerbster an Bau und Wettkampfteilnahme angesichts zunehmender und technisch professionell aufgerüsteter Konkurrenz. Sie wurden zwischen 1969 und 1973 gebaut. Es handelt sich um fünf Fahrzeuge mit 50-Kubikzentimeter Hubraum und eines mit 125 Kubikzentimeter. Die Motoren stammten aus dem DDR-Leichtkraftradbau. Bernd Falkenberg hat sich insbesondere auch der Leistungssteigerung verschrieben. Mancher Moped-Motor brachte es nach Behandlung insbesondere der Überströmkanäle - es handelt sich um Zweitakt-Motoren - zu erstaunlichen Leistungssteigerungen. So leistete einer der Motoren geschätzte zwölf PS (original: knapp vier PS). "Allerdings war eine genaue Leistungsmessung seinerzeit nicht möglich", schränkte Falkenberg ein. Ebenfalls von höchster technischer Bedeutung war die Entwicklung geeigneter Abgasanlagen. "Der Auspuff hat erheblichen Einfluss auf die Gemischbildung. Das war eine Wissenschaft für sich", so Falkenberg.

Bei den aktuell ausgestellten sechs Fahrzeugen handelt es sich um die letzten noch vorhandenen damals insgesamt 13 gebauten Fahrzeuge (elf waren bei Wettkämpfen eingesetzt worden). Dass sie in einem hervorragenden Zustand sind, ist insbesondere Gerrit Albert zu verdanken. Vor rund zehn Jahren frischte er die Konkakte zu damaligen K-Wagen-Piloten auf, spürte teils in Kellern und Remisen die alten Fahrzeuge auf und machte sich, häufig im Verbund mit den Fahrern, an deren Restauration.

Einer dieser Fahrer ist Frank Reppin. Der Zerbster war als Jugendlicher fünfmal Bezirksmeister sowie jeweils zweimal Zweiter und Dritter bei DDR-Meisterschaften. "Eine tolle Zeit", erinnert er sich.

"Heute undenkbar, war das seinerzeit kein großes Problem."

Wolfgang Albert

Gefahren wurde damals in der Regel im öffentlichen Verkehrsraum. Insgesamt elf Rennen fanden sogar in Zerbst statt. Hierfür wurde die B 184 im Bereich Breite Straße/Fuhrstraße (damals Otto-Grotewohl-Straße) voll gesperrt. "Heute undenkbar, war das seinerzeit kein großes Problem. Der Wettkampf wurde als bedeutend eingeschätzt. Und tatsächlich traf er auf ein großes Interesse unter der Bevölkerung, auch wenn natürlich der Rennbetrieb auch einige Strapazen für die Anwohner, die Zerbster insgesamt sowie den Verkehr bedeutete", erinnert sich Wolfgang Albert. Er war maßgeblich für die Organisation der Wettkämpfe zuständig.

Ein Stück DDR-Geschichte ist abseits jeder Verbrämung der damaligen gesellschaftspolitischen Umstände im Zerbster Kunstfenster zu betrachten. Die Fahrzeugpräsentation wird durch das Ausstellen originaler Wettkampfdokumente und Sieg-Lorbeer komplettiert. zu sehen sind sogar noch Alt-Bestände der seinerzeit eingesetzten Bereifung: Pneumant-Gummis für Schubkarren.

Das Kunstfenster erlebt mit dieser Präsentation eine Premiere: Bislang diente es ausschließlich künstlerisch inspirierter Exponate. Nun hält Technik Einzug, die durchaus auch als "Kunst", jedoch mit technisch-handwerklichem Bezug, zu bewerten ist. Die Fahrzeuge sind übrigens seit ihrer Restaurierung mehrfach im Jahr bei Oldtimer-Treffen und bei Kart-Rennen im Einsatz.

Allerdings wird heute nicht mehr um die schnellste, sondern eine möglichst kostante Rundenzeit gefahren. "Zum einen wäre es vermessen, mit den heutigen Karts mithalten zu wollen. Zum anderen ist das Material viel zu schade, um es bei einem Rennen zu verheizen", ist K-Wagen-Fahrer Frank Reppin überhaupt nicht traurig.