Tauben sind in Städten weltweit ein Problem. Zerbst ist da keine Ausnahme. Doch die Möglichkeiten, gegen die Tiere in der Stadt vorzugehen, sind überschaubar.

Zerbst l Immer wieder sind Tauben in der Innenstadt Gegenstand von Leseranrufen. Auch Hartmut Fezer aus Zerbst findet, dass Zerbst ein Taubenproblem hat. "Im Bereich des Marktes, aber auch von Kaufland oder an der Bahnhofstraße fallen mir die Tiere immer wieder auf", berichtet er. Ob nichts dagegen unternommen werden könnte. Schließlich ginge es auch um die Sauberkeit der Stadt.

Ansprechpartner ist in diesem Fall das Zerbster Ordnungsamt. "Aus unserer Sicht gibt es in der Stadt kein Taubenproblem, solche Beschwerden werden jedoch vereinzelt vorgebracht", berichtet Amtsleiterin Kerstin Gudella.

Allerdings sind die Maßnahmen, die die Stadt konkret ergreifen könnte, um die Population der Tauben zu reduzieren, überschaubar. "Momentan ist in unserer Gefahrenabwehrverordnung geregelt, dass wilde Katzen sowie Tauben nicht gefüttert werden dürfen", sagt Kerstin Gudella.

Das ist die einzige konkrete Maßnahme in diesem Sachverhalt. In jüngster Vergangenheit sind zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden, da Fälle von Fütterung von Tauben und Wildkatzen angezeigt wurden. "Dies zu unterlassen reicht schon, um den Tauben keine zusätzliche Nahrung zu geben", betont Kerstin Gudella. Laut Satzung kann eine Geldstrafe von bis zu 5 000 Euro Höhe verhängt werden.

Auch wenn momentan kein akutes Taubenproblem vorliegt, war dies 2012 noch anders. "Damals haben wir durch das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt überprüfen lassen, inwieweit ein Einsatz von Gift möglich ist", erinnert Kerstin Gudella.

Die Antwort vom Landkreis war jedoch eindeutig: Ein solches Vorgehen ist nicht erlaubt. Das Abtöten von Tauben sollte lediglich als "letztes Mittel in Notsituationen" in Betracht kommen. Grundlage dessen ist das Tierschutzgesetz, in dem steht, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Die Behörde sah weder einen vernünftigen Grund für einen Gifteinsatz, da zum einen eine Tötung die Population nur vorübergehend verringert. Zudem wurden Zweifel an der Verhältnismäßigkeit geäußert, da Stadttauben ganzjährig brüten, sodass die Nestlinge getöteter Elterntiere verhungern und dadurch einem anhaltenden, erheblichen Leiden ausgesetzt sind.

Vielmehr wurde als milderes und effektiveres Mittel die Errichtung von Taubenbeschlägen vorgeschlagen - ein Austausch von Gelegen sowie kontrollierte Fütterung. In Zerbst kam dies nicht zur Anwendung, da dies die Tauben lediglich an andere Orte in der Stadt ausweichen lässt.

Zusätzliche Kosten sind der Stadt durch Tauben oder Verunreinigung durch Taubenkot noch nicht entstanden. "Die Reinigung von Gebäuden und öffentlichen Plätzen erfolgt unabhängig von diesem Problem."