Zerbst l Sprache verbindet, Sprache ist Kultur und Leben. Um daran zu erinnern, wird heute der Welttag der Muttersprache begangen.

Polnisch, das ist die Muttersprache von Anna Piróg. Seit einem halben Jahr nennt sie Zerbst ihr Zuhause, arbeitet und lebt hier. "In der 5. Klasse habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Die Sprache gefiel mir von Anfang an." Im Rahmen eines Schüleraustausches besuchte sie in der 8. Klasse erstmals Deutschland. "Ich fand so eine gute Freundin, wir besuchten uns mehrfach gegenseitig. Nach der Schule studierte ich dann deutsche Philologie in der Fachrichtung Deutschlehrer."

Die deutsche Sprache ließ sie nicht los. Weder die Grammatik noch die Rechtschreibregeln konnten sie abschrecken. "Eher die Umgangssprache macht mir Schwierigkeiten", sagt sie und muss lachen. Jut und Jurken - daran musste sie sich erstmal gewöhnen.

Eine Kollegin machte sie nach ihrer Ankunft in Zerbst auf die Kreisvolkshochschule aufmerksam. Dort könnte sie doch einen Sprachkurs geben. Mit diesem Vorhaben rannte sie bei Einrichtungsleiterin Martina Marczok-Stück offene Türen ein.

"Diesen Montag hatte ich meine erste Stunde", erzählt die 28-Jährige stolz. Sechs Frauen und Männer unterrichtet sie nun montags ab 18.30 Uhr in Polnisch. Es ist ein Anfängerkurs. Der älteste Teilnehmer ist 71 Jahre alt und die Gründe, am Kurs teilzunehmen, sind verschieden. "Ein Teilnehmer ist ein gebürtiger Pole, musste aber fliehen als Kind in den Kriegswirren. Zwei Damen wollen ihre Polnischkenntnisse wieder auffrischen, andere möchten später vielleicht eine Reise nach Polen unternehmen." Alle Teilnehmer sind mit Eifer dabei, obwohl eine Sprache mit sieben Fällen auf sie wartet, in der sogar die Subjektive dekliniert werden. "Aber das schaffen sie", ist sich Anna sicher. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht derzeit Grundlagenwissen wie die Begrüßung, Verabschiedung, die Zahlen und einfache Dialoge. "Das Schreiben kommt später. Erstmal geht es darum, sich verständigen zu können."

Für Anna und ihren Freund, der sie nach Deutschland begleitet hat, war die Sprache ein Türöffner. "Nicht nur, was meine neue Heimat angeht, sondern auch für die Menschen."

Anna Piróg mag an der deutschen Sprache im Übrigen vor allem deren Sprachmelodie. "Ich mag alles am Deutschen, aber das gefällt mir richtig gut. Andere finden, Deutsch ist eine harte Sprache. Das denke ich nicht."

Der Polnischkurs für Anfänger findet montags ab 18.30 Uhr statt. Anmeldungen sind noch möglich unter (03923/ 611 15 00). Am 4. März startet zudem ihr Anfängerkurs Deutsch, der für alle geeignet ist, die Deutsch als Fremdsprache lernen wollen. Auch hierfür kann man sich noch anmelden.