Wenn der Bürgermeister in die Schule kommt, sind alle Kinder lieb und artig. Oder? Ganz schön in die Mangel genommen wurde gestern Nachmittag jedenfalls Andreas Dittmann von Schülern der 8. Klasse.

Zerbst l Die 8. Klasse ist noch nicht die Zeit, um ans Kinderkriegen oder Heiraten zu denken. Dass aber immer weniger Kinder in Zerbst auf die Welt kommen, interessierte auch die Schüler des Franciseums, das gestern von Bürgermeister Andreas Dittmann besucht wurde.

Denn es ist ja so: Wenn es langfristig weniger Menschen in einer Region gibt, müssen Schulen schließen, die Kulturlandschaft wird ärmer und die Attraktivität der Stadt nimmt ab. So erklärte es Dittmann den Achtklässlern. Schon heute gebe es wenige Angebote für Jugendliche. Eine Burgerbude, in der man sich nach der Schule mit den Kumpels treffen kann, das wäre doch was! Vorgeschlagen hatte das eine Schülerin des Gymnasiums. Die jedoch, würde sich wohl finanziell nicht rechnen, entgegnete Dittmann. Ob es nicht möglich sei, auf dem Bollenmarkt und dem Heimatfest mehr für Jugendliche zu tun. In der Verwaltung hatte es mal die Idee gegeben, die Bühne einfach einen Tag früher aufzubauen, damit junge Bands dort kostenlos spielen können. Das jedoch wurde bisher nicht umgesetzt.

Neben Fragen zum kulturellen Leben in Zerbst interessierte die Schüler allerdings in erster Linie, welche Zukunft sie in der Stadt haben. Bei der Beantwortung dieser Frage nahm der Bürgermeister kein Blatt vor den Mund: "Wer höhere Ziele hat, muss womöglich von hier weg", sagte er. Möglichkeiten für Abiturienten gebe es in bestimmten Branchen aber auch in Zerbst. Zum Beispiel biete die Werkzeugmaschinenfabrik (Wema) jährlich 30 Plätze für Auszubildende an. Neuerdings ermögliche die Wema auch die Möglichkeit für ein duales Studium. Die Firma werde dieses neue Ausbildungskonzept demnächst am Franciseum vorstellen. "Im Maschinenbau gibt es sichere und gutbezahlte Jobs", so der Bürgermeister.

Ermutigen wollte der Bürgermeister die Schüler, möglichst viel Erfahrung durch Praktika zu machen. Nur so könnten sie herausfinden, wo ihre Stärken liegen und wohin sie sich beruflich entwickeln wollen.

Auch im Bankwesen, der Stadt- und Kreisverwaltung gebe es gute Perspektiven für Abiturienten, die nach der Schulzeit in Zerbst bleiben wollen. "Ich will Schönheitschirurgin werden, geht das hier?", wollte eine Schülerin von Dittmann wissen. Dafür müsse sie dann wohl doch in eine andere Stadt.