Die Geschichte der Stadthalle legte Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst am Sonnabend etwa 100 interessierten Zuhörern höchstpersönlich nahe. Immerhin ist er derjenige, der den Bau des einstigen Reithauses in Auftrag gab.

Zerbst l Es war schon beeindruckend, als Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst mit seiner Familie die Treppe in den Katharina-Saal hinunter schritt. So manches Familienmitglied war aus gegebenem Anlass der Familiengruft entstiegen - wie seine beiden Ehefrauen oder die spätere Zarin Katharina als kleines Mädchen - , sodass die Besucher der Führung "Vom Reithaus zur Stadthalle" am Sonnabend nicht nur etwas über eben jenes Bauwerk lernten, sondern über den Familienstammbaum gleich dazu.

Im Jahr 1724 begannen die Bauarbeiten an der heutigen Stadthalle. Ein Reithaus wurde dort gebaut, wo einst Reste einer Wallanlage und einer Ziegelbrennerei standen. Heute kaum noch vorstellbar, war die Reithalle ein großes, durchgängiges Gebäude, in der die fürstliche Familie in ihrer Loge Reitvorführungen betrachtete.

1727 waren die äußeren Bauarbeiten beendet, doch noch bis 1732 waren zwei Stuckateure mit den Innenarbeiten beschäftigt. Fürst Johann August berichtet von Obstbäumen, die vor der Reithalle standen und einem Nuthearm, der direkt am Reithaus vorbeiführte. Wer damals durch den heutigen Haupteingang die Reithalle hätte verlassen wollen, wäre buchstäblich baden gegangen.

Die Zeit verging und so änderte sich auch die Nutzung der Reithalle. In ihr wurden später die Gewinne der Pferdemarktlotterie ausgestellt. Doch einschneidend war vor allem der Zweite Weltkrieg: Die Bombardierung der Stadt überstand die Reithalle ohne größere Schäden. Schon 1947 wurde sie wieder für die Pferdemarktlotterie genutzt. 1950 ist im Schlossgarten die heutige Wegestruktur angelegt worden. Im Zuge dessen wurde auch der heutige Haupteingang erschlossen. Bei der Erbauung des Reithauses ist dieser einst nur aus symmetrischen Gründen dort angelegt worden.

Das Reithaus wird zum kulturellen Zentrum der Stadt. Um Theateraufführungen zu ermöglichen, erfolgt die Dreiteilung des Gebäudes. Der Eingangsbereich entsteht, ein großer Saal und der Bühnenbereich samt Umkleiden. Die damals eingebaute schiefe Ebene weicht 1968 wieder. Die feste Bestuhlung wird gegen eine flexible ausgetauscht, ein gerader Boden eingezogen. 1986 erfolgt die Wiedereröffnung nach der Generalsanierung. 1988 erhält der Fasch-Saal seinen heutigen Namen.

Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst - auch unter dem Namen Dirk Herrmann bekannt - durfte zudem adligen Besuch begrüßen, der sonst durch den barocken Irrgarten Altjeßnitz wandelt.