Das Laub des Nachbarn, eine radikal gestutzte Hecke oder eine Katze - die Gründe, warum Menschen die Zerbster Schiedsstelle aufsuchen, sind vielfältig. Statt einer teuren Klage hilft meist schon eine Schlichtung.

Zerbst l Grundstücksgrenzen sind oftmals eine heikle Angelegenheit. Das weiß Gisela Achilles nach zweieinhalb Jahren in der Schiedsstelle der Stadt Zerbst sehr gut. Denn ein Großteil der Schlichtungen, die sie und ihr Kollege Udo Süßdorf hier vornehmen, haben in irgendeiner Form mit Grundstücksgrenzen zu tun. "Und Grünwuchs spielt auch eine große Rolle."

Ist die Situation zwischen zwei Nachbarn verfahren und eine Lösung nötig, hat die Rechtsprechung für solche Fälle ein Schiedsverfahren vorgesehen. "Wer das nicht vorher durchlaufen hat, darf nicht klagen", sagt Gisela Achilles. Ein Antrag auf Schlichtung ist für den Antragsteller mit einer Gebühr von 50 Euro verbunden. Es folgen ein oder mehrere Gespräche mit den zerstrittenen Parteien.

"Wer nicht redet, hört auch nicht zu."

"Können sich die Parteien einigen, wird ein Protokoll geschrieben", erklärt Gisela Achilles. Auf dem Schriftstück wird zum Beispiel der Kompromiss festgeschrieben, ebenso Fristen, die einzuhalten sind. "Erfolgt keine Einigung, wird eine Erfolglosigkeitsbescheinigung ausgestellt. Dann steht der Klageweg offen."

Doch so oft muss Gisela Achilles diese gar nicht ausstellen. "In 90 Prozent der Fälle können wir eine Schlichtung erzielen." Mitunter reicht jedoch schon der erste Anruf in der Schiedsstelle. "Manchmal müssen sich die Leute einfach Luft machen und dann ist wieder gut", berichtet sie. Zum Teil müssten die Leute aber auch wachgerüttelt oder überzeugt werden, mit den anderen überhaupt zu reden. "Reden bringt Segen. Und wer nicht redet, hört auch nicht zu."

Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten vermögensrechtlicher und strafrechtlicher Art können durch die Schiedsstelle behandelt werden. "Wer zum Beispiel die Vereinbarungen nicht einhält, erhält von mir einen Anruf und die Aufforderung, dies doch zu tun." Meist hilft die Ermahnung. "Das Protokoll ist für viele eine moralische Instanz, die sie einhalten."

Die Schiedsstelle und deren Schlichtungen entlasten direkt das Zerbster Amtsgericht. Mitunter helfen die Schlichter aus Zerbst sogar in der Coswiger Schiedsstelle aus. "Die ist dort nur mit einem Schlichter besetzt", erzählt Gisela Achilles. Ihre Hilfe dort kommt dem Amtsgericht Zerbst zugute. Schließlich gehört Coswig zum Geltungsbereich des Zerbster Amtsgerichtes.

Doch Gisela Achilles, die das Ehrenamt seit Oktober 2011 inne hat, betont, dass die Schiedsstelle auch schon weit früher beratend tätig werden kann. "Es muss ja nicht erst zwischen den Streitparteien eskalieren. Wer Beratung braucht oder den Sachverhalt mal einem Dritten schildern möchte, ist bei uns richtig."

Das gute an der Schlichtung sei vor allem, "dass es keine Verlierer gibt. Es wird ein Kompromiss auf Augenhöhe geschlossen. Wahrscheinlich ist das auch ein Stück weit das Erfolgsgeheimnis."