Die Kontrollen des Zerbster Abwasserkanalnetzes auf illegale Oberflächenwassereinleitung haben gestern zu einem Feuerwehreinsatz geführt. Anfangsverdacht war ein Dachstuhlbrand.

Zerbst l Mit drei Fahrzeugen und 16 Kamaraden machte sich gestern Vormittag die Zerbster freiwillige Feuerwehr zum Löschen eines Dachstuhlbrandes auf. "Das war unsere erste Information, und natürlich rücken wir dann sofort aus", zuckt Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut eine halbe Stunde später mit den Schultern. Denn Auslöser war kein Brand, sondern weißer Rauch, der hofseitig aus der Dachrinne eines Wohnhauses quoll. Eine Bewohnerin hatte den Rauch bemerkt und vermutet, das Dach beginne zu brennen. Sie eilte mit einem Eimer auf den Dachboden und schüttete aus einem Dachfenster Wasser über das Dach. Der Rauch verschwand.

Allerdings stammte er aus dem Abwasserkanal. Mitarbeiter der Firma Heidewasser GmbH sind seit gut einer Woche dabei, mittels kleiner Rauchbomben herauszufinden, wo das Abwasser- mit dem Regenkanalnetz verbunden ist. Dies ist grundsätzlich untersagt. Die Mitarbeiter drücken Rauch in das Abwassernetz. Der tritt, sofern vielleicht ein Regenfallrohr angeschlossen ist, aus der Dachrinne aus. "Die Überprüfung wird nach und nach in der Kernstadt Zerbst vorgenommen. Ausgelöst wurden die Überprüfungen durch die Problematik im Bereich Wäschkeweg/Schillerstraße", erklärte Claudia Neumann, technische Leiterin bei Heidewasser. In diesen beiden Straßen sei die Kontrolle im Übrigen bereits abgeschlossen. "Hier konnten keine Verbindungen zwischen den beiden getrennten Systemen festgestellt werden. Folglich werden die Flüssigkeiten ordnungsgemäß abgeführt", informierte Frau Neumann.

Der Feuerwehreinsatz in der Bahnhofstraße gestern Vormittag war letztlich unnötig. "Wir informieren aus freien Stücken die Polizei, in welchen Straßen wir an welchen Tagen kontrollieren", sagte Frau Neumann. Möglicherweise habe man es dennoch in der Leitstelle aufgrund der eingehenden Brandmeldung vorgezogen, die Feuerwehr ausrücken zu lassen. Das sei verständlich, denn immerhin hätte es ja tatsächlich brennen können. "Wer will das von Weitem einschätzen?"

Die Kontrollen werden fortgesetzt. Gestern trat der Rauch übrigens nicht direkt an einer Dachrinne aus, sondern quoll aus einem einst über die Dachhaut hinausragendes Entlüftungsrohr der hausinternen Abwasserleitung aus. Dieses Rohr endete direkt unter den Dachziegeln. Die Feuerwehr hat die Ziegel angehoben und diese Zustände festgestellt. Zudem wurden Fotos mit der Wärmebildkamera gefertigt. "Da hat nichts gebrannt. Es muss also diese Nebel-Aktion sein", schlussfolgert der Stadtwehrleiter.

Die Heidewasser-Nebelaktion kann auch zu Rauchaustritten aus Einlaufgullys oder Fußbodenentwässerungen führen. Insgesamt soll so festgestellt werden, wo illegal Oberflächenwasser ins Abwassernetz gelangt. Einzelne Fälle seien, so Claudia Neumann, bereits festgestellt worden.