Zerbst l Während der 49. Zerbster Kulturfesttage ist die Ausstellung "Deutsche aus Russland - Geschichte und Gegenwart" noch bis Freitag in der Zerbster Filiale der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld zu sehen. Anschließend kann sie im Eingangsbereich des Rathauses vor der Katharina-Sammlung besichtigt werden. Diese als Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland konzipierte und vom Bundesministerium des Inneren und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Exposition erlebt in Zerbst ihre deutschlandweite Premiere.

Zum Auftakt der vom Internationalen Förderverein "Katharina II." initiierten Exposition machte der Projektleiter Jakob Fischer die Besucher auch mit einem Vortrag im Veranstaltungssaal der Sparkasse mit der Problematik vertraut. Die historische und komplexe Wanderungsgeschichte auf dem Gebiet des heutigen Europa erklärte Jakob Fischer an Hand von Fakten und Landkarten. Sie begann eigentlich schon im 10. Jahrhundert. Eine besondere Zäsur der Auswanderung der Deutschen nach Russland, vor allem in der Zeit von 1763 bis 1862, war vor 250 Jahren das Manifest der Zarin Katharina II..

In der Ausstellung wird über 20 Rollups die Geschichte seitdem und ihre oft widersprüchliche Entwicklung bis zur jüngsten Vergangenheit und bis zum Heute nachvollziehbar. Bilder und Texte, historische Dokumente, Grafiken und Kartenmaterial sowie Auszüge gesetzlicher Regelungen geben einen interessanten und informativen, auf bestimmte Schwerpunkte bezogenen Überblick.

Interessant, auch weil schlechthin so genau nicht bekannt, ist die im deutschen Grundgesetz §116 festgeschriebene Definition "Aussiedler und Spätaussiedler". Es handelt sich um "Deutsche Staatsangehörige aus den 15 Ländern der ehemaligen Sowjetunion (etwa drei Millionen), Polen (1,5 Millionen), Rumänien (500 000) sowie aus Ungarn, Tschechien, Slowakei, und dem ehemaligen Jugoslawien" (die Zahlen wurden vom Autor eingefügt).

Die Exposition informiert sehr ausführlich und textreich unter anderem über das Leben konkreter Familien über mehrere Generationen hinweg und von ihren Schicksalen. Sie erinnert an bedeutende Leistungen der Deutschen in Russland sowie deren Beitrag zum dortigen kulturellen Aufschwung. Ebenso werden die schweren Jahre des Terrors 1937/38 dargestellt, die unter anderem zu Deportationen in Arbeitslager führten.

Betrachtet wird ebenfalls die zum übergroßen Teil erfolgreiche Integration der Deutschen aus Russland in Deutschland. Zugleich erfolgt anhand von konkreten Fakten aber auch die Auseinandersetzung mit öfter geäußerten Vorurteilen gegenüber Russlanddeutschen.

Sehr ausführlich informieren der die Ausstellung begleitende Flyer und die ausgelegte Jubiläumsschrift "1763 bis 2013 - 250 Jahre russlanddeutscher Geschichte" zum Thema.