Derzeit gibt es in Zerbst keine Selbsthilfegruppe für Diabetiker. Doch das könnte sich bald ändern. Interessierte fanden sich zu einem ersten Treffen am Mittwoch in der DRK-Begegnungsstätte in Zerbst zusammen.

Zerbst l Seit 22 Jahren weiß Irene Senst, dass sie Diabetes Typ I hat. Die Zerbsterin fand in einer Selbsthilfegruppe in Magdeburg eine Interessengemeinschaft, die ihr hilft, mit dieser Krankheiten umzugehen. Sie nennen sich dort "Die Süßen".

Doch in Zerbst gab es keine Selbsthilfegruppe, als sie nach einer suchte. Mit Apotheker Jens Salomo fand sie einen Unterstützer ihrer Idee, eine solche Selbsthilfegruppe hier wieder ins Leben zu rufen. Am Mittwoch fand nun ein erstes Treffen mit Betroffenen statt. Gefolgt waren der Einladung rund 30 Senioren, die alle samt Typ II-Diabetiker sind.

"Meine Erfahrung ist, dass der Erfahrungsaustausch in einer Selbsthilfegruppe besonders wichtig ist", erklärte Silke Senst. Im Alltag sei der Diabetiker eher allein mit seiner Krankheit. Die gemeinsamen Treffen seien ein Tag der Abwechslung und auch ein Tag, an dem im Beisammensein die Krankheit für eine Weile in den Hintergrund verschwinden kann. Doch wichtig war nun, die Interessen der einzelnen herauszuarbeiten, wer sich was von dieser Gruppe erhofft.

Helga Schleusner ergriff als erste Besucherin das Wort. Sie berichtete davon, dass es in Zerbst über viele Jahre hinweg bereits eine Diabetes-Selbsthilfegruppe gab. Doch nachdem deren Leiterin verstorben ist, fand sich kein Nachfolger. Die Arbeit kam zum Erliegen. "Damals haben wir uns einmal im Monat getroffen", berichtete Helga Schleusner. Vier weitere ehemalige Mitglieder waren ihr in die DRK-Begegnungsstätte gefolgt. Neben geselligen Treffen habe man damals bereits gemeinsame Ausflüge unternommen oder sich Experten mit Referaten zu den Treffen eingeladen.

"Doch mit dem Leiter steht und fällt die Selbsthilfegruppe", betonte Helga Schleusner und machte damit auch auf das aktuelle Problem aufmerksam. Sowohl Silke Senst als auch Jens Salomo werden die Gruppe nicht leiten, da diese beruflich zu sehr eingespannt sind. Salomo bot jedoch an, die Leitung in organisatorischen Belangen zu unterstützen. Helga Schleusner ist bereits ehrenamtlich stark in die Arbeit des Blindenverbandes involviert und lehnte die Gruppenleitung daher auch ab.

Die Leitungsfrage blieb vorerst ungeklärt. Doch die Anwesenden nutzten das Treffen noch sehr rege, um sich kennenzulernen und miteinander auszutauschen. "Vor allem der Austausch ist erstmal wichtig", merkte auch Frau Schleusner an. "Bewegung, Ernährung und Spritzen sind die drei Grundpfeiler, die starken Einfluss auf den Diabetes haben." Im Winter sei es schwerer mit der Krankheit auszukommen als im Sommer. Da gebe es beispielsweise die Gartenarbeit, die sie in Bewegung hält. "Solche Dinge sind in einer Selbsthilfegruppe viel besser zu besprechen", betonte Helga Schleusner.

Besucherin Erika Richter sprach sich auch dafür aus, sich erst einmal kennenzulernen. Sie leidet seit 15 Jahren an Diabetes Typ II. "Man geht alle acht Wochen zum Arzt und gerade dann ist der Wert gut", sprach sie wohl etlichen Anwesenden aus dem Herzen. "Wegen vielem rund um die Krankheit rennt man nicht gleich zum Arzt", ergänzte auch Helga Schleusner. Eine Selbsthilfegruppe könne auch in solchen Fällen die Betroffenen auffangen.

Man einigte sich darauf, ein weiteres Treffen in der DRK-Begegnungsstätte am 18. März anzusetzen. Beginn wird wieder um 16 Uhr sein. Dort wird dann zu beraten sein, ob sich eine oder mehrere Personen finden, die die Leitung einer solchen Gruppe übernehmen würden.