Eine Einbruchsserie in Gartenlauben, Buntmetalldiebstähle, Sachbeschädigungen an Gebäuden - wo ist die Polizei, wenn sie gebraucht wird? "Wir sind da", sagt Revierleiter Gerald Kohl. Doch es braucht auch Hinweise aus der Bevölkerung.

Zerbst l Mehrere Anrufe erreichten die Zerbster Redaktion in den vergangenen Wochen. Die Anrufer kritisierten, dass zu wenig Polizeipräsenz vorhanden sei, wo doch Metalldiebstähle und Sachbeschädigungen häufig im Polizeibericht auftauchen. Doch der Anhalt-Bitterfelder Polizei Untätigkeit vorzuwerfen, dagegen verwehrt sich Revierleiter Gerald Kohl.

"Es ist in der Tat so, dass Metalldiebstähle ein Schwerpunktverbrechen in unserem Landkreis sind, auch in Zerbst." Doch im Vergleich zu den Bereichen Köthen und Bitterfeld sind die hier registierten Straftaten vergleichsweise wenige. 1122 Straftaten wurden bisher 2014 im Landkreis zur Anzeige gebracht. Davon ereigneten sich 126 in Zerbst. In 49 Fällen ging es um Diebstähle. "Dieses Lagebild nehmen wir ernst, doch man muss das auch im Verhältnis sehen", so Kohl.

In der polizeilichen Arbeit sind Lagebilder entscheidend. "In 24 der insgesamt 49 Diebstahl-Fällen ging es um metallische Werkstoffe", erklärt Gerald Kohl. Seit zwei bis drei Jahren registriert die Polizei in dem Bereich einen Anstieg der Fallzahlen. "Die Diebe machen vor keiner Einrichtung Halt, nicht einmal vor Kirchen. Für 5 Euro machen sie alles."

In Zerbst sind erst vor wenigen Tagen Kupferrinnen und Blitzableiterdraht an der Trinitatiskirche entwendet worden. Im Bereich Köthen waren es Kupferplatten von Friedhöfen und Dachrinnen von Kirchendächern. Sehr begehrt sind auch Kabel aller Couleur - von privaten wie von Firmengrundstücken.

Zivile Beamte im Einsatz

Bei Kleinstmengen handelt es sich häufig um Taten im Rahen der Beschaffungskriminalität. "In diesem Jahr hatten wir im Bereich Zerbst sogar schon einen entwendeten Gullideckel", so Kohl. Da kam zum Diebstahl noch ein schwerer Eingriff in den Straßenverkehr hinzu.

Dachrinnen, Kabel, Mischschrott - die Diebe müssen die Beute zu Geld machen. "Leider gibt es in unserem Bereich kaum Rückmeldungen von Schrotthändlern zu verdächtigen Ladungen", stellt Gerald Kohl fest. In vielen Fällen lassen sich die Händler nicht einmal den Personalausweis vorzeigen.

"Diese Art von Diebstahl geht schnell und man ist auch schnell weg", fügt Michael Däumich, Pressesprecher des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld, hinzu. "Unsere Beamten bewegen sich, wir observieren nicht", betont Däumich. Auch übersteigen die Beamten keine Zäume oder Mauern, wenn kein konkreter Notfall vorliegt."Wir können unseren Beitrag nur im öffentlichen Raum leisten. Wir haben kein absolutes Recht, private Grundstücke zu betreten", so Kohl. Eher beobachte der Dieb die Polizei und warte ab, bis der Streifenwagen wieder verschwunden sei. "Wir sind somit auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und was das angeht, auch ein bisschen unzufrieden."

Der Zeitfaktor sei besonders wichtig. Die Polizei müsse so schnell wie möglich alarmiert werden. "Da kann man nichts falsch machen. Es entstehen niemandem Kosten durch diese Meldung", betont Kohl. Die Beamten reagieren umgehend, arbeiten gegebenenfalls revierübergreifend zusammen. "Unsere Kollegen fahren auch schon mal bis Burg oder die Burger helfen uns", sagt der Revierleiter. Doch diese Zusammenarbeit kann nur erfolgen, wenn es eine konkrete Spur gibt.

Im Fall der Laubeneinbruchsserie Mitte Februar hat die Polizei umgehend Einheiten in den Raum Zerbst versetzt. Auch zivile Ermittler der Bereitschaftspolizei wurden angefordert. "Wir können nur das Personal einsetzen, das wir haben", sagt Gerald Kohl. Für das Revier sind dies insgesamt 296 Mitarbeiter. "Wenn aus einem Lagebild Schwerpunkte zu erkennen sind, wird auch Personal umverteilt", fasst Kohl das Vorgehen zusammen. Im Fall der Einbruchsserie passierte dies im Raum Zerbst.

Dort kam unter anderem auch der seit einem Jahr in jeder Dienststelle vorhandene Kriminaldienst zum Einsatz. Dieser umfasst jeweils zwei speziell geschulte Mitarbeiter, die an Tatorten die Spurensicherung übernehmen. Auch diese Polizeibeamten seien unter anderem in zivil unterwegs, und somit für die Bürger nicht als Beamte zu identifizieren.

Ein weiterer Straftatschwerpunkt im Kreis ist der Dieselkraftstoffdiebstahl. "Dieser konzentriert sich aber eher auf Großbaustellen, wie die an der B6n", erklärt Däumich - und damit im wesentlichen im Bereich Köthen und Bitterfeld.

 

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