Annett Bergt und Silke Schmidt sind die Gesichter der Schwangerenberatungsstelle des Diakonischen Werkes Zerbst. Während Annett Bergt den Bereich Sexualpädagogik betreut, händelt Silke Schmidt die Schwangerenberatung.

Zerbst l Die Gründe, warum Menschen die Schwangerenberatungsstelle in Zerbst aufsuchen, sind vielfältig. Es kann an einer unverhofften Schwangerschaft liegen, an Fragen rund um die Babyerstausstattung oder es sind Eltern, die mit ihren Kindern nicht mehr weiter wissen.

Frauen aus allen Schichten suchen Hilfe bei Silke Schmidt in der Schwangerenberatung. "Wir beraten jedoch nicht nur, sondern vermitteln wenn nötig auch die Betroffenen an die zuständigen Stellen weiter und helfen, finanzielle Unterstützung zu erhalten." Das passiert vor allem, wenn Familien nicht aus eigener Kraft eine Babyerstausstattung anschaffen können. "Wir stellen dann einen entsprechenden Antrag bei der Bundesstiftung ,Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Kindes`", erklärt die Erziehungswissenschaftlerin. Von Stillbedarf bis Hygieneartikel, Möbel und Kinderwagen - im vergangenen Jahr sind rund 540 Euro an jeden Antragsteller ausgezahlt worden. "Auch Hartz IV-Empfänger können hier einen Antrag stellen, wenn sie ergänzend zur vom Amt finanzierten Ausstattung noch Bedarf haben", betont Silke Schmidt. "Wir möchten auch Frauen und Paare ansprechen, die einer Arbeit nachgehen und einen Verdienst haben. Einen Rechtsanspruch auf eine Förderung gibt es zwar nicht. Eine Prüfung lohnt sich aber in jedem Fall."

Doch die Hilfe durch die Schwangerenberatung geht noch weiter. Die Beratung umfasst Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen zum Beispiel für Elterngeld oder Kinderzuschlag, der Kontakt zu Hebammen wird vermittelt, bei sozialrechtlichen Fragen an die entsprechenden Behörden verwiesen.

Dass der Bedarf da ist, zeigt die Zahl der Beratungen in 2013: Rund 300 waren es. 78 Schwangere machten von dem Angebot Gebrauch.

In die Schwangerenberatungsstelle kommen auch Frauen, die durch die Schwangerschaft in einen Konflikt geraten sind. Mitunter wollen sie die Schwangerschaft nicht fortsetzen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mal ist es die Ausbildung, die erst beendet werden soll, eine bereits abgeschlossene Familienplanung oder eine Schwangerschaft trotz der Nutzung eines Verhütungsmittels. Die Beratung von Frauen im minderjährigen Alter ist jedoch eher selten notwendig. "Wer Bedarf hat, kann anonym einen Termin vereinbaren", betont Silke Schmidt.

Den Bereich der Sexualpädagogik betreut Annett Bergt. Vor allem an Schulen, aber auch in Kindertagesstätten bietet Annett Bergt sexualpädagogische Angebote an. "Die Projekte an den Schulen sind ausgesprochen gut etabliert", erzählt die Diplom-Sozialarbeiterin. "Übrigens geht es hierbei nicht um Sexualität aus der Sicht der Erwachsenen. Kinder interessiert, was mit ihrem Körper passiert, wie er sich zum Beispiel in der Pubertät verändert", betont Annett Bergt, um Eltern die Sorge zu nehmen.

Je nach Klassenstufe bringt Bergt verschiedene Anschauungsmaterialien in den Unterricht mit. In Kindergärten sind es die beiden Puppen Lutz und Linda, für größere Kinder ist es der Kramsack, in dem vom BH bis zur Binde, vom Kondom bis zur Pille vieles aus dem Bereich Sexualität zu finden ist. Bei den Teenagern werden unter anderem Verhütungsmittel thematisiert und über Partnerschaften diskutiert.

95 Schulveranstaltungen im Altkreis Zerbst waren es im Jahr 2013 - von der Grundschule bis zum Gymnasium, von Zerbst bis Möckern und Loburg. "Auf diesem Weg konnten wir 1326 Schüler erreichen."

Hingegen ist die Resonanz in den Kindertagesstätten noch verhalten. Auch für diese Altersgruppen kann Annett Bergt Miniangebote unterbreiten, die die Kinder nicht überfordern, aber in Fragen der Sexualkunde aufklären. Dabei geht es beispielsweise um Spiele zur Körperwahrnehmung, den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen oder den Kindern behutsam zu vermitteln, dass sie auch Nein sagen können. "Sie sollen zum Beispiel wissen, dass sie ihrem Gefühl vertrauen sollten, sich nicht anfassen lassen zu müssen", sagt Annett Bergt.

Auch bei Elternabenden in den verschiedensten Bildungseinrichtungen kann Annett Bergt Aufklärungsarbeit leisten. Dort thematisiert sie unter anderem den Bereich "sexualisierte Gewalt" und den Schutz des Kindes davor. "Man bedenke, dass 75 Prozent aller Missbrauchsfälle durch Menschen erfolgt, die dem Kind nahe stehen", betont Annett Bergt und zitiert eine Polizeistatistik. Termine mit ihr sind ganz einfach telefonisch zu vereinbaren.

Neben der Sexualpädagogik bietet Annett Bergt auch systemische Beratung an. Sie umfasst die Einzel-, Paar- und Familientherapie. In 90 Prozent der Fälle sind es Frauen, die hier eine Beratung suchen. Alkohol- und Drogenprobleme werden hier genauso angesprochen wie familiäre Probleme. "Wenn notwendig, holen wir auch jeweils den anderen in die Beratung dazu", erklärt Annett Bergt.