Die 15 Schulsozialarbeiter an Grund- und Berufsbildenden Schulen in Anhalt-Bitterfeld sollen falls nötig auch mit Mitteln des Kreises weiter beschäftigt werden. Die bislang mit Bundesmitteln finanzierten Stellen endeten im Dezember.

Zerbst l "Das ist eine außerordentlich wichtige Angelegenheit." Schulleiterin Heike Bengner atmet durch. Furchtbar wäre, wenn ihre Astrid Lindgren-Schule ab dem zweiten Halbjahr ohne Elke Meinhold auskommen müsste. Seit knapp zwei Jahren ist sie Sozialarbeiterin für die Lindgren-Schule, die Grundschule an der Burg in Lindau und die Grundschule Dobritz. "Da passiert ganz viel, und alles ist unentbehrlich", sagt Frau Bengner. Schulsozialarbeit heißt, in die Elternhäuser zu gehen, wenn diese nicht erreicht werden oder sich nicht erreichen lassen. Heißt, zur echten Kontaktperson von Schülern wie Eltern zu werden. Heißt Beratung zu individuellen Problemen, heißt Beratung zu anderweitigen Hilfen der öffentlichen Hand wie beispielsweise zum Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes.

Aus dessen Volumen sind die insgesamt 15 Schulsozialarbeiter in Grund- und Berufsbildenden Schulen bislang bezahlt worden. Doch diese Finanzierung endete mit dem Jahresende 2013. In Anhalt-Bitterfeld wurde festgelegt, für ein halbes Jahr aus eigener Kraft für die Bezahlung der längst etablierten Kräfte aufzukommen, um Zeit für eine koordinierte mittelfristige Lösung des Finanzproblems zu haben.

Im gesamten Landkreis haben sich die Grundschulen koordiniert. So läuft noch bis zum 20. März eine Unterschriftenaktion. Alle Schulen geben Schreiben an die Elternhäuser aus, in welchem die Problematik beschrieben und um Unterstützung geworben wird.

Parallel regt sich die Kommunalpolitik. Ronald Mormann (SPD) hatte in der Februar-Kreistagssitzung angefragt, was mit den rund 1,93 Millionen Euro sei, die als Teil der Mittel des Bildungs- und Teilhabepaketes an den Kreis ausgereicht, aber nicht verausgabt wurden. "Wir haben nach wie vor keine klare Aussage des Bundes, ob diese Mittel zurückgezahlt werden müssen", musste Dezernentin Dr. Sabine Engst erklären. Das Geld sei "geparkt".

Am Donnerstag erklärte Landrat Uwe Schulze (CDU), ein ersatzloser Wegfall der Schulsozialarbeit würde bewährte und verfestigte Strukturen zerstören und damit zum ersatzlosen Wegfall der notwendigen sozialpädagogischen und erzieherischen Betreuungs- und Hilfsangebote führen. Bund und Land seien aufgefordert, die finanziellen Voraussetzungen für eine dauerhafte Fortführung der Schulsozialarbeit zu schaffen. Schulze kündigte für die April-Kreistagssitzung eine Beschlussvorlage an, der zufolge der Landkreis die Schulsozialarbeit aus eigenen Mitteln finanzieren würde. Bis 2017 soll jährlich eine Million Euro zur Finanzierung im Kreishaushalt verankert werden. Diese Kosten haben den Status einer freiwilligen Leistung. Sie soll über die Kreisumlage finanziert werden, folglich alle Kommunen einbeziehen. Sollten die nicht verwendeten Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket hierfür zur Verfügung stehen, würde dies den Einsatz eigener Kreismittel reduzieren.

Bereits zuvor hatten die Zerbster Grundschulleiterinnen in einem Gespräch mit Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD, auch Kreistagsfraktionsvorsitzender) nach Möglichkeiten gesucht, die Schulsozialarbeit fortsetzen zu können. Dittmann gestern: "Bereits im Februar hatte der Kreis-Kämmerer erklärt, es sei dem Landkreis möglich, zumindest die Kosten für die bis Jahresmitte verlängerten Verträge mit den Schulsozialarbeitern zu schultern. Die Fraktion SPD/Grüne im Kreistag hatte daraufhin beantragt, die Schulsozialarbeit zu verstetigen. Ich glaube, dies wäre eine gute Investition in die Zukunft. So geben wir Kindern von heute, gerade aus den so genannten bildungsfernen Schichten, eine Chance, aus der Falle herauszukommen, die sie ansonsten vielleicht in ein staatlich alimentiertes Leben führt. Das ist für keinen gut und außerdem teuer."